Ambulante Operationen

Infusion während ambulanter Operation © istockphoto, YakobchukOlena

In den letzten Jahren ist die Zahl der ambulanten Operationen deutlich gestiegen. Neue Operationsverfahren, vor allem die sogenannten bildgebenden Verfahren zur Unterstützung bei Operationen, aber auch innovative Werkstoffe und Geräte machen Eingriffe in den menschlichen Körper zunehmend einfacher. 

Ambulant = kostengünstiger?

Im Zuge der Notwendigkeit für Krankenhäuser, Kosten an allen Ecken und Enden zu sparen, scheinen ambulante Operationen eine echte Alternative zu teuren und langen Krankenhausaufenthalten zu sein. Doch die Gleichung "ambulant = kurz, unkompliziert und günstig" geht nicht ohne weiteres auf. Damit ein Patient erfolgreich ambulant operiert werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Kriterien für ambulante Operationen sind das minimale Risiko einer Nachblutung, ein minimales Risiko postoperativ auftretender Komplikationen der Atmung, keine spezielle postoperative Pflegebedürftigkeit sowie die Möglichkeit zur raschen Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme nach dem Eingriff.

Welche Erkrankungen eignen sich?

Folgende Erkrankungen bzw. Eingriffe kommen besonders für eine ambulante Durchführung in Frage:

Betreuung und Nachsorge

Der Patient muss nicht nur den Eingriff an sich und seine Konsequenzen verstehen, sondern darüber hinaus dafür sorgen, dass sein Transport zur ambulanten Operation ebenso gewährleistet ist wie seine Rückkehr nach Hause. Seine Wohnung muss mit Licht, Heizung, Bad, Toilette und Telefon ausgestattet sein. Er muss außerdem gewährleisten können, dass er entweder selbst oder durch eine Betreuungsperson nach der Operation erreichbar und ansprechbar ist. Für die Zeit nach der Operation zu Hause muss also sichergestellt sein, dass der Patient bei möglichen Komplikationen umgehend medizinisch versorgt werden kann.

Auch die Nachsorge – entweder in der Praxis oder per Hausbesuch – muss im Vorgespräch besprochen und geklärt werden. Der Patient muss sich in einem guten Allgemeinzustand befinden; Schwangere und Säuglinge sollten in der Regel nicht oder nur nach enger Absprache ambulant operiert werden. Auch der Arzt und die Klinik, in der die ambulante Operation vorgenommen wird, müssen entsprechend eingerichtet sein. Die Operationsräume inklusive Aufwachraum und Kontrollmöglichkeiten müssen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen; ebenso muss entsprechend ausgebildetes OP- und Pflegepersonal vorhanden sein.

Eine enge Anbindung an stationäre Behandlungsmöglichkeiten ist nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) ebenso erforderlich wie eine ausreichende und gut erreichbare Zahl an Rollstühlen und Parkplätzen.

Das Vorgespräch

Wenn der Haus- oder Facharzt die Diagnose einer operationsbedürftigen Krankheit gestellt und den Patienten entsprechend beraten hat, erfolgt die erste Kontaktaufnahme mit dem Operateur. Bei diesem Gespräch sollten Patienten Gelegenheit haben, ohne Zeitdruck alle Fragen zu besprechen.

Der Arzt muss den Patienten über alle Aspekte gewissenhaft aufklären und die Notwendigkeit eventueller Voruntersuchungen prüfen. Bei diesem Vorgespräch werden dann auch der Operationstermin festgelegt und alle notwendigen Anweisungen bezüglich der Narkosevorbereitung besprochen.

Der Operationstag

Die Anweisungen der Narkoseärzte bezüglich Nüchternheit und der Einnahme von Medikamenten müssen genau eingehalten werden. Wer sich kurz vor dem Eingriff krank fühlt, sollte auf jeden Fall noch einmal mit dem Arzt Rücksprache halten und den OP-Termin im Zweifelsfall verschieben. Der Patient sollte sich am Operationstag von einer vertrauten Person begleiten lassen, die in der Regel auch nach dem Eingriff zu ihm darf.

Die Dauer der Nachsorgezeit richtet sich nach dem individuellen Befinden des einzelnen Patienten und ist sehr variabel. Für eventuelle Wartezeiten sowohl vor als auch nach dem Eingriff lohnt es sich, Bücher, Kassetten und CDs mitzunehmen.

Die Entlassung

Entlassen wird ein ambulanter Patient erst, wenn Kreislauf und Herzfunktion für mindestens 60 Minuten normal sind. Der Patient muss Zeit, Ort und bekannte Personen erkennen können und sich entsprechend seines präoperativen Zustands anziehen und bewegen können. Übelkeit, Erbrechen oder Benommenheit sollten minimal sein, ebenso dürfen Wunden nur minimal bluten und keine Entzündungszeichen zeigen.

Der Patient muss grundsätzlich vom Operateur und Anästhesisten entlassen werden, dabei müssen für alle relevanten Aspekte der Narkose und postoperativen Nachsorge entsprechende Instruktionen sowohl an den Patienten als auch an die Begleitperson mitgegeben werden. Außerdem muss der Patient mit einer Kontaktadresse für den Notfall und ausreichender Schmerzmedikation versorgt werden.

Die Nachbehandlung zu Hause

Wer sich nach der ambulanten Behandlung zu Hause erholt, fühlt sich dort oft besser aufgehoben als in der Klinik. Trotzdem sollte gewährleistet sein, dass Hilfe im Haushalt vorhanden ist und eine ausreichende Erholungsphase eingehalten wird.

Auch wenn der Eingriff "nur" ambulant vorgenommen wurde, sollte er nicht "zu leicht" genommen werden. Ein ambulanter Eingriff ist für den Patienten nicht automatisch ein "einfacher" Eingriff. Bei allen Fragen und möglichen Bedenken oder Komplikationen sollte sofort mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden.

Aktualisiert: 28.06.2017

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?