Heilberufe - Gesundheitsfachberufe

MTA untersucht Laborprobe © istockphoto, gremlin

Gesundheitsfachberufe

Diese werden auch als Medizinalfachberufe bezeichnet und umfassen eine Vielzahl mehr oder weniger bekannter, ganz unterschiedlicher Berufe. Andere Bezeichnungen wie nichtärztliche Heilberufe, Heilhilfsberufe, Heilergänzungsberufe oder medizinische Assistenzberufe werden von den verschiedenen Berufsgruppen oft als diskriminierend empfunden, da sie weder die große Palette der Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten, noch die rechtlichen Regelungen angemessen spiegeln.

Regelungen

Die Ausbildung und Ausübung der Gesundheitsfachberufe ist mittels Rechtsvorschriften geregelt – der Zugang zum Beruf auf bundesrechtlicher Ebene durch das Erteilen einer Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung. Da die Bundesländer Spielraum bei der Umsetzung der Gesetze haben, können sich Ausbildungsinhalte und Qualifikationsstandards unterscheiden. Die etwa 50 Berufsbezeichnungen sind in Gruppen zusammengefasst:

  • Geburtshilfe (z.B. Hebamme)
  • Alten- und Krankenpflege (z.B. Kinderkrankenschwester)
  • Assistenzberufe in Arztpraxen und Apotheken (z.B. pharmazeutisch-technischer Assistent)
  • Medizinisch-technischer Bereich (z.B. medizinisch-technischer Radiologieassistent)
  • Rehabilitation (z.B. Physiotherapeut, Diätassistent)
  • Im weiteren Sinn auch Gesundheitshandwerk (z.B. Hörgeräteakustiker)
  • Sonstige wie Hygieneberufe (z.B. Desinfektor) und Berufe mit sozialer Prägung (z.B. Heilerzieher)

Heilpraktiker

Heilpraktiker nehmen eine Sonderstellung ein: Sie durchlaufen keine akademische oder anderweitig gesetzlich geregelte Ausbildung und im Gegensatz zu allen anderen Heilberufen bedarf es keines staatlichen Examens zur Berufsausübung. Einzige gesetzliche Voraussetzung sind eine abgeschlossene Hauptschulausbildung, die Vollendung des 25. Lebensjahres und eine – nicht geregelte – Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Antragsstellers durch das Gesundheitsamt. Ist diese positiv ausgefallen, erhält er eine staatliche Genehmigung zur beruflichen Ausübung der Heilkunde, wird im zuständigen Gesundheitsamt registriert und ist – wie die akademischen Heilberufe – selbständig tätig.

Regelungen

Der Beruf des Heilpraktikers ist in Deutschland durch das Heilpraktikergesetz und die Erste Durchführungsverordnung dazu geregelt. Allerdings wird er nicht explizit definiert, sondern nur durch die Abgrenzung zum Berufsbild des Arztes bestimmt ("Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung“, also ohne Approbation). Auch um die Qualität und Seriosität ihres Berufsstandes zu sichern, sind viele Heilpraktiker freiwillig in Berufsverbänden organisiert. Dies sind bürgerlich-rechtliche Vereine, von denen wiederum die sechs größten als Gemeinschaftsinitiative "Die Deutschen Heilpraktikerverbände“ (DDH) nach außen zusammen auftreten. Die Heilpraktikerverbände haben auch ein Gebührenverzeichnis herausgegeben, an dem sich seriöse Heilpraktiker in der Regel orientieren.

Leistungen

Heilpraktiker dürfen - wie Ärzte und Psychotherapeuten - "Heilkunde am Menschen ausüben“ (im Heilpraktikergesetz definiert als "berufs- oder gewerbsmäßiges Feststellen, Heilen oder Lindern von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen“), unterliegen dabei aber einigen Beschränkungen: Sie dürfen nicht meldepflichtige Infektionskrankheiten und Geschlechtskrankheiten sowie Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten therapieren, untersagt ist ihnen auch die Geburtshilfe, die Untersuchung und Therapie von Geschlechtsorganen, die Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente, die Anwendung von Röntgenstrahlen, die Transplantation von Geweben und Organen, die Durchführung von Bluttransfusionen und die Leichenschau mit dem Ausstellen von Totenscheinen.

Ansonsten dürfen Heilpraktiker z.B. spritzen, Knochenbrüche behandeln sowie vielfältige Diagnose- und Therapieverfahren einsetzen. Sie dürfen eine Praxis führen und eine Klinik leiten. Heilpraktiker dürfen damit – auch ohne gesetzlich geregelte Ausbildung – mehr tun als z.B. eine Gesundheits- und Krankenpflegerin (früher Krankenschwester)! Allerdings gilt auch hier: Ein Heilpraktiker darf wie jeder andere Angehörige eines Heilberufs nur gemäß seiner Kenntnisse und Fähigkeiten agieren und kann für das, was er tut, genauso zur Verantwortung gezogen werden. Ein Heilpraktiker unterliegt wie ein Arzt der Schweigepflicht, allerdings in geringerem Ausmaß.

Aktualisiert: 27.10.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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