Tablettensucht: Genau hinsehen

Eine Tablettensucht ist oft nicht leicht zu erkennen. Daher ist es für Ärzte, Angehörige und Freunde wichtig, genau hinzusehen. Im Folgenden erfahren Sie, wie Hinweise auf eine Tablettensucht aussehen können.

Vorsicht bei Selbstmedikation!

Auch kleinere Beschwerden sollten auf Dauer nicht selbsttätig mit Medikamenten behandelt werden: Nasensprays machen zwar nicht abhängig, verändern jedoch die Nasenschleimhaut, die anfälliger für Infektionen wird. Harntreibende Mittel können Mangelerscheinungen auslösen. Und Abführmittel, häufig als Hilfe zum Abnehmen missverstanden, beeinträchtigen die Darmfunktion, sodass am Ende oft gar nichts mehr geht.

Bei Schlafstörungen oder anhaltenden Kopfschmerzen nicht einfach zu Resten aus dem Medizinschrank greifen, sondern vorher den Arzt fragen. Andernfalls wird schnell "mit Kanonen auf Spatzen geschossen".

Versteckte Sucht im Alter

65 Prozent der gefährlichen Benzodiazepin-Präparate und verwandten Mittel werden Frauen über 50 Jahren verordnet. Das ergab die aktuelle Auswertung der DAK-Arzneimitteldaten.

Anders als bei anderen Suchtmitteln ist die junge Generation hier kaum betroffen. Vielmehr steigt der Konsum verschreibungspflichtiger Medikamente mit dem Alter: Nehmen bei den 18- bis 20-Jährigen 12,5 Prozent wöchentlich Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial ein, sind es bei den 50- bis 59-Jährigen fast doppelt so viele (24,6 Prozent). Die Krux: Da sich viele Betroffene ihre Abhängigkeit nicht eingestehen, bleibt diese in der Regel unbehandelt. Den meisten gelingt es außerdem, ihre Sucht lange Zeit verborgen zu halten.

Genauer hinschauen

Die DAK warnt vor einer Verharmlosung der Problematik und sieht vor allem die Mediziner in der Pflicht: "Gerade älteren Patienten werden Schlaf- und Schmerzmittel häufig zu lange und in zu großer Menge verschrieben", erklärt Kremer. "Ärzte sollten aufmerksamer auf Anzeichen einer Abhängigkeit achten, etwa wenn Medikamente vermeintlich ‚verloren‘ gegangen sind und häufig um Nachschub gebeten wird."

Außerdem sollten das soziale Umfeld und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden: "Wir müssen uns klarmachen, dass es hier nicht um harmlose Mittelchen geht, mit denen ältere Menschen ihren Alltag besser bewältigen können", fordert Kremer. "Die körperlichen und seelischen Folgen sind genauso verheerend wie bei Alkohol- oder Drogenabhängigkeit!"

Hinweise auf eine Medikamentensucht

Es besteht der Verdacht auf Vorliegen einer Abhängigkeit, wenn mindestens 3 der folgenden Antworten zutreffen:

  • Die Betroffenen spüren den starken Drang, das Medikament einzunehmen, "fiebern" der Einnahme geradezu entgegen.
  • Die Wirkung des Medikaments lässt nach, sodass größere Mengen erforderlich sind.
  • Die Betroffenen können oder wollen die Einnahme nicht selbstständig reduzieren oder aufgeben.
  • Sie entwickeln körperliche Entzugserscheinungen beim Absetzen des Medikaments oder ersetzen es durch ein anderes.
  • Sie verbringen viel Zeit damit, die Medikamente zu beschaffen, einzunehmen und sich von den Folgen zu erholen.
  • Sie nehmen die Medikamente, obwohl ihnen die schädlichen Folgen bekannt sind.

Aktualisiert: 15.01.2019 – Autor: DAK

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