Wasser als Heilmittel

Füße im Heilmittel Wasser © rawpixel

Wasserbehandlungen gibt es schon seit Jahrtausenden. Sie waren bereits den Griechen als Heilmittel bekannt. Auch die Römer – die zahlreichen noch erhaltenen Thermen zeigen dies – betrachteten öffentliche Bäder als kulturelle Bestandteile ihres täglichen Lebens. Sie waren Orte der Erholung und des geselligen Beisammenseins in den Städten. Medizinisch wird die Heilkraft des Wasser in der so genannten Hydrotherapie (griech. hydros = Wasser) eingesetzt. In Form von Wasser, Eis oder Dampf wird es zur Behandlung akuter oder chronischer Beschwerden, zur Stabilisierung der Körperfunktionen (Abhärtung), zur Vorbeugung, Rehabilitation und Regeneration eingesetzt. Man bedient sich dabei vor allem des Temperaturreizes.

Kneipp-Kur und Kneippsche Güsse

Der berühmteste Vertreter in der Neuzeit ist sicher Sebastian Kneipp (1821-1897). Er ist der Namensgeber der Wasserkur und Begründer der Kneipp-Medizin. Von Kneipp kennt man vor allem das Wassertreten. Die Patienten waten dabei im Storchengang in einem Becken mit etwa kniehohem kaltem Wasser. Übrigens: Diese Kneippsche Methode eignet sich auch für die heimische Badewanne.

Bei den ebenso bekannten Kneipschen Güssen wird ein Wasserstrahl mit geringem Druck auf den Körper bzw. Teilregionen des Patienten gerichtet. Beide Formen wirken vor allem kreislaufanregend und durchblutungsfördernd und stärken bei regelmäßiger Anwendung die Abwehrkräfte des Körpers.

Demselben Zweck dienen Wechselduschen, bei denen zwischen warmem und kaltem Wasser abgewechselt wird und Abreibungen, bei denen der entsprechende Körperteil mit einem feuchten Tuch "bearbeitet" wird.

Wickel und Kompressen

Der Wickel ist ein einfaches Hausmittel, das oftmals den Hausarzt oder die Einnahme von Medikamenten ersetzen kann. Er kann Wärme entziehen (Wadenwickel zur Fiebersenkung), zuführen (z.B. feucht-warme Wickel bei Bauchkrämpfen, Hals- und Brustwickel bei Atemwegserkrankungen), kühlen (z.B. kalter Wickel bei Verstauchungen) oder durch einen starken Kältereiz die Wiedererwärmung und dadurch stärkere Durchblutung anregen.

Dampfbäder

In Form des Saunierens dient die Therapie mit Dampf vielfältigen Zwecken. Denn das "kontrollierte Schwitzen" ist ein medizinischer Alleskönner. Bei regelmäßiger Durchführung dient es dem Körper als Abhärtung gegen Erkältungskrankheiten, es entspannt die Muskulatur, senkt den Blutdruck, regt Kreislauf und Atmung an.

Daneben spielt es auch für das seelische Wohlempfinden eine große Rolle, denn man kann in der Sauna herrlich entspannen. Und ganz nebenbei hat das Saunieren auch einen kosmetischen Nutzen. Denn die Einwirkung warmer Dämpfe reinigt den Körper und sorgt über ein effektives Gefäßtraining für eine gut durchblutete, frische Haut.

Sehr bekannt ist auch das Gesichtsdampfbad unter einem Handtuch, das vor allem bei Schnupfen eingesetzt wird oder zur Pflege der Haut (z.B. bei Hautunreinheiten).

Bäder

Bäder können als Teil- und Vollbäder medizinisch, aber auch kosmetisch genutzt werden. Je nach gewünschter Wirkung können sie als kalte, warme, wechselwarme oder in der Temperatur ansteigende Bäder unterschiedliche Wirkungen erzielen.

  • Das kalte Armbad z.B. wird gerne als die "Tasse Kaffee des Kneippianers" bezeichnet, weil es eine enorm anregende und erfrischende Wirkung auf den Kreislauf hat.
  • Das Wechselfußbad eignet sich vor dem Einschlafen durchgeführt bei Schlafstörungen oder zu Anregung des Kreislaufs am Morgen. Daneben können durch Badezusätze pflegende, anregende oder beruhigende Wirkungen hinzukommen.
  • Dampfbad gegen Schwellung der Nebenhöhlen: Kochendes Wasser in eine Schüssel gießen, 5 Tropfen Eukalyptusöl und 2 Tropfen Pfefferminzöl hinzufügen. Mit einem Handtuch über dem Kopf zweimal täglich inhalieren.
  • Kaltes Armbad zur Kreislaufanregung: Das Wasser sollte eine Temperatur von 12-18 Grad Celsius haben. Die Arme werden so lange hineingetauscht, bis sie sich deutlich kühl anfühlen (etwa 1 Minute). Danach wird der Arm nicht abgetrocknet, sondern das Wasser nur abgestreift. Besonders gut wirkt das Bad, wenn man sich danach warm anzieht und sich bewegt.
  • Seetang als Entgiftungsbad und zur Pflege der Haut: 60 g Bittersalz, 110 g Meersalz und 30g getrockneten Seetang zu einem feinen Pulver vermahlen. Das Pulver mit 125 g Natriumbikarbonat in eine mit warmem Wasser gefüllte Badewanne geben. Badezeit: 20 Min.
  • Anregendes Bad mit Rosmarin: Rosmarin regt den Kreislauf an, wärmt und hilft bei rheumatischen Beschwerden. 50 g frische oder getrocknete Rosmarinblätter in einem halben Liter Wasser ziehen lassen, dann den Sud ins Badewasser gießen. Badedauer 15 Min. Vorsicht: Nicht für Schwangere geeignet!
  • Apfelessig baut den Säureschutzmantel auf: Hilft außerdem bei Erschöpfung und Nervosität. Einfach dem warmen Badewasser einen halben Liter Apfelessig zugeben. Badedauer 10-20 Min.

Aktualisiert: 20.08.2014 – Autor: Ina Mersch

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