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Enzyme - kleine Helfer mit großer Wirkung

Die Verdauung des Menschen ist ein Wunderwerk. In Zahlen ausgedrückt: Sie verwertet im Laufe eines Lebens ganze 30 Tonnen feste Nahrung und 50 000 Liter Flüssigkeit. Und abgesehen vom Kauen laufen die Prozesse völlig selbstständig ab ohne dass sich der Mensch damit beschäftigen muss. Vorausgesetzt natürlich, dass keine Beschwerden auftreten. Das kann aber passieren. Denn zu fettes oder üppiges Essen machen Magen und Darm genauso Probleme wie das schnelle Hinunterschlingen in stressigen Phasen. Ältere Menschen, Diabetiker, Schwangere oder übergewichtige Menschen klagen häufiger über Verdauungsprobleme. Ein Grund hierfür kann ein Mangel an Enzymen sein, denn sie sind die Hauptdarsteller im Verdauungssystem.

Enzyme bei der Arbeit

Ob Brot, Fleisch, Obst oder Gemüse, der Mensch isst nicht nur aus Genuss, sondern auch um an Energie und Nährstoffe zu kommen. Aber wie gelangt etwa ein komplettes Käsebrötchen in den Körper? Dazu muss es zerkleinert werden. Die Verdauung fängt bereits im Mund an. Dort wird die Nahrung zunächst zermahlen und in die ersten Bausteine gespalten.

Dieser Prozess lässt sich sogar schmecken. Wer lang genug auf einem Stück Weißbrot kaut, wird merken, wie es langsam einen süßen Geschmack annimmt. Hierbei handelt es sich um die Arbeit von Enzymen, die im Speichel enthalten sind. Die so genannten Amylasen teilen die Stärke aus Brot, Kartoffeln oder Reis in ihre kleinsten Bestandteile – die Zuckermoleküle.

Fein zerkleinert

Beim Schlucken rutscht der Speisebrei weiter in den Magen, wo er gründlich gemischt und mit Verdauungssäften versetzt wird. Dazu gehören die Magensäure, die beispielsweise vorhandene Keime abtötet, aber auch eiweißspaltende Enzyme (Proteasen). Hat der Magen seine Arbeit erledigt, geht’s weiter in den Dünndarm, das Zentrum der Verdauung.

Hier werden dem Speisebrei gleich am Eingang des Darms noch zwei wichtige Flüssigkeiten zugesetzt: die Galle, zur Emulgierung der Fette, und ein Enzym-Cocktail aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Darin enthalten sind weitere Proteasen sowie Amylasen und Lipasen, die Fettverbindungen zerlegen. Denn nur die kleinsten Bausteine der menschlichen Nahrung können durch die Darmschleimhaut in den Organismus übergehen. Im Fall des Käsebrötchens sind das Zuckerbausteine aus dem Getreide, Aminosäuren aus dem Milcheiweiß sowie freie Fettsäuren aus der Butter. Darüber hinaus natürlich auch Vitamine und Mineralstoffe.

Unterstützung gefragt

Doch nicht immer verläuft dieser Prozess so einwandfrei. Werden die Nahrungsbestandteile nicht optimal zerlegt, äußert sich dies oft durch Blähungen, Völlegefühl oder Bauchschmerzen. Denn gelangen ungespaltene Kohlenhydrate und Eiweiße in den Dickdarm, verwertet sie die dort ansässige Darmflora – das sind nützliche Bakterien, die den Darm besiedeln. Dabei entstehen unter anderem Gase, die bis zu einem gewissen Grad normal sind, aber auch Beschwerden verursachen können. Um den unverdauten Speisebrei zu verdünnen, gibt der Organismus zum Teil auch Wasser in den Darm ab. Durchfall ist die Folge. Bei einer eingeschränkten Fettverdauung kann es darüber hinaus zu unangenehmen Fettstühlen kommen.

Um die Verdauungsarbeit zu verbessern, gibt es mehrere Möglichkeiten. Bei vielen Menschen hilft bereits eine Änderung des Essverhaltens. Gut verträgliche Nahrung und kleinere Portionen sind die Mittel der Wahl. Sehr fette oder eiskalte Lebensmittel, Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln und Frittiertes sollten bei Beschwerden möglichst selten auf dem Speisezettel stehen. Besser sind fettarme Wurst- und Käsesorten, mageres Fleisch wie Geflügel oder Fisch und leicht verdauliches Gemüse wie Karotten, Kürbis, Zucchini oder Fenchel. Auf Vollkornprodukte, die eine gesunde Verdauung unterstützen, sollte hingegen nicht verzichtet werden. Gut verträglich sind beispielsweise feinkrumige Brote wie Grahambrot, Vollkornnudeln oder Haferflocken. Anstatt drei großer Mahlzeiten empfehlen sich mehrere kleine.

Denn so reichen die körpereigenen Enzyme eher aus, um eine Mahlzeit zu verdauen. Auch gutes Kauen erleichtert Magen und Darm die Arbeit. Zum einen werden Kohlenhydrate schon vorgespalten, zum anderen kommen die Enzyme besser an die fein zermahlenen Nahrungsbestandteile heran. Da Alkohol die Arbeit der Bauchspeicheldrüse negativ beeinflussen kann, sollte der Genuss eingeschränkt werden.

Enzyme zum Einnehmen

Kommt es trotz aller Vorsicht zu Verdauungsproblemen oder möchte man sich einfach mal ein Festmahl gönnen, helfen Enzympräparate aus der Apotheke schnell und zuverlässig. Allerdings sollten diese nicht dauerhaft eingenommen werden. Wer über einen längeren Zeitraum unter Magen-Darm-Beschwerden leidet, sollte sich auf jeden Fall vom Arzt untersuchen lassen, um Erkrankungen auszuschließen.

Aktualisiert: 29.08.2016 – Autor: Susanne Köhler / überarbeitet von Nathalie Blanck

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