Pflanzliche Arzneimittel – wirksame Hilfe nicht ohne Risiko

Pflanzliche Arzneimittel auf einem Blatt © jarmoluk

Viele Menschen haben Angst vor Arzneimittel-Nebenwirkungen. Besonders Präparate, die im Volksmund als "chemisch" oder "aus dem Labor" bezeichnet werden, werden skeptisch beäugt und nach Möglichkeit vermieden. Eine scheinbar "sanfte" Alternative scheint die Phytotherapie zu sein: Präparate, die aus Pflanzen gewonnen werden. Doch ein sorgloser Umgang mit pflanzlichen Arzneimitteln kann schädlich sein!

Wirkstoffe mit Nebenwirkungen

Die Arzneimitteltherapie ist eine Wissenschaft für sich. Denn die meisten Wirkstoffe und Präparate haben mehr als nur eine Wirkung. Bei den unerwünschten Effekten spricht man von so genannten Nebenwirkungen. Sie zu vermeiden und die größtmögliche erwünschte Wirkung zu erzielen, macht eine gute Therapie aus. Zudem ist der menschliche Organismus eine hoch komplizierte Apparatur, bei der unzählige biochemische Vorgänge ineinander greifen. Die bewusste Beeinflussung eines Elements - zum Beispiel der Darmflora oder eines Hormons - kann zu einer ganzen Kette von Ergebnissen führen.

Selbstmedikation mit pflanzlichen Präparaten

Viele Patienten greifen bei der Selbstmedikation gerne zu pflanzlichen Präparaten, in dem falschen Glauben, dass die "sanfte" Phytotherapie keinen Schaden anrichten kann. Auch Alfred S. aus Berlin versuchte mit einem Präparat aus Johanniskraut seine depressive Verstimmung zu verscheuchen. "Nach einem schönen Tag im Garten waren meine Arme plötzlich über und über mit juckenden Bläschen übersät", berichtet er. Der Hausarzt wusste zunächst keinen Rat, bis sie auf die Johanniskraut Kapseln zu sprechen kamen. Dieses Pflanzenpräparat lässt die Haut extrem auf UV-Strahlung reagieren. Photosensibilisierung wird dieser Effekt im Fachjargon genannt.

Phytotherapeutika

Johanniskraut: Die starke Wirkung des Johanniskrauts wurde auch in einer aktuellen Studie nachgewiesen. Nicht nur gegen Depressionen, sogar zur Vorbeugung gegen Krebs könnte das starke Kraut eingesetzt werden, wie Forscher der Universitätsklinik Charité in Berlin festgestellt haben. Johanniskraut, bzw. einige seiner Inhaltsstoffe, schützen vor dem Umweltgift Benzpyren, das in Autoabgasen vorkommt und das im Körper zu einem Krebs erregenden Stoff umgewandelt wird. 

Echinacea: Ein weiteres beliebtes Phytotherapeutikum ist Echinacea, der Extrakt aus dem gelben Sonnenhut. Er soll das Immunsystem bei drohenden Erkältungskrankheiten ankurbeln. Doch auch dieses Schwert hat zwei Schneiden: Einige Menschen reagieren al lergisch auf den Pflanzenextrakt. Die Reaktionen reichen vom einfachen Hautausschlag bis hin zu bedrohlichen Schockzuständen.

Ob eine Allergie gegen das Präparat vorliegt, kann ein Allergologe durch einen einfachen Test feststellen. Wer selbst zu Medikamenten greift, sollte auch bedenken, dass Phytotherapeutika mit anderen Präparaten in Wechselwirkung treten können, sprich: dass die Wirkung des einen Präparats durch ein anderes verstärkt oder abgeschwächt werden kann. Besonders chronisch Kranke sollten den Rat ihres behandelnden Arztes einholen, um sicher zu sein, dass die Einnahme der zusätzlichen Kräutermedizin nicht mehr Schaden als Nutzen anrichtet.

Pflanzliche Therapeutika in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft sollte mit pflanzlichen Therapeutika nicht sorglos umgegangen werden. Aus Kanada wurde von einem Fall berichtet, in dem eine Frau ein übergroßes, übermäßig stark entwickeltes Kind zur Welt brachte. Schon vor der Geburt hatte sich häufig unter frühzeitigen Wehen gelitten. Schuld war wahrscheinlich, dass die Mutter des Babys während der Schwangerschaft hoch dosierten Ginseng zu sich genommen hatte.

Ginseng: Ginseng ist ein gesundheitsförderndes Präparat, das sich positiv auf einen erhöhten Blutdruck auswirkt, Verdauungsprobleme lindern kann und auch die Konzentrationsfähigkeit verbessert. Wichtig bei selbst hergestellten Kräutertees und anderen Zubereitungen ist, auch daran zu denken, dass anders als bei pharmazeutisch hergestellten Präparaten der Wirkstoffgehalt einer Pflanze kaum im Voraus zu bestimmen ist. Je nach Erntezeit, Sonneneinstrahlung und Anbaugebiet der Pflanzen können die Inhaltsstoffe um ein Vielfaches variieren.

Aktualisiert: 01.12.2016 – Autor: Susanne E. Kaiser

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