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Strahlenmedizin heute

Strahlenmedizin heute

Unter dem Begriff Strahlenmedizin (Strahlenheilkunde) werden eine Reihe von Verfahren und Anwendungen zusammengefasst, die sich diagnostisch und/oder therapeutisch mit ionisierender Strahlung befassen. Dazu gehören die Radiologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin (Bereiche, in denen sich Ärzte zum Facharzt weiterbilden können), im weiteren Sinn auch – eher im Bereich der Forschung – die Strahlenbiologie, die sich mit den biologischen Wirkungen aller Strahlungsformen befasst.

Nuklearmedizin

In der Nuklearmedizin werden radioaktive Substanzen und kernphysikalische Verfahren zur Funktions- und Lokalisationsdiagnostik von Organen, Geweben und Systemen eingesetzt. In der Behandlung werden kurzlebige offene Radionuklide verwendet, also radioaktive Atomkerne, die unter Abstrahlung von α-, ß- oder γ- Strahlung zerfallen.

Ein in der Praxis besonders häufig eingesetztes nuklearmedizinisches Verfahren ist die Szintigrafie, mit deren Hilfe die Organfunktionen untersucht werden – besonders häufig an der Schilddrüse, den Nieren, Knochen, der Lunge und dem Herzmuskel. Weitere Methoden der Nuklearmedizin sind die Positronen-Emissions-Tomographie PET, die medizinische Beurteilung von Radioaktivität, die bei Strahlenunfällen in den Körper gelangt ist und – als eine Form der Strahlentherapie – die Radiojodtherapie und die Radionuklidbehandlung.

Radiologie

In der Radiologie werden Störungen mittels ionisierender Strahlen, kernphysikalischer und sonographischer Verfahren erkannt und behandelt. Zu den Verfahren gehören neben dem klassischen Röntgen auch die Computertomographie, Magnetresonanztomographie und Spektroskopie sowie die verschiedenen Ultraschalluntersuchungen (Sonographie).

Um Organe besser darstellen oder gegenüber dem umliegenden Gewebe abgrenzen zu können, werden Kontrastmittel wie unlösliche Bariumsalze, Jodverbindungen, Luft oder Kohlendioxid hinzugefügt. Vor allem bei Untersuchungen von Magen und Darm oder bei Darstellungen von Gefäßen werden Kontrastmittel eingesetzt. Röntgenuntersuchungen ohne Kontrastmittel kennt man vor allem von Aufnahmen der Lungen (Thorax), des Bauchraumes (Abdomen), des Skeletts und der Knochen oder auch von den Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchungen bei der Mammografie.

Diagnostische Radiologie und interventionelle Radiologie

Unterschieden werden die diagnostische Radiologie und die interventionelle Radiologie, also gering invasive therapeutische Maßnahmen, die mit Hilfe bildgebender Verfahren durchgeführt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Aufdehnung von Gefäßverengungen oder die Einlage eines Katheters unter Durchleuchtungskontrolle (Angiografie), die Behandlung akuter Blutungen oder das Punktieren mittels einer Kanüle, um Gewebe oder Flüssigkeit zu gewinnen.

Diagnostische und interventionelle Maßnahmen gehen oft fließend ineinander über – so lässt sich während einer Ultraschalluntersuchung eine Gewebsveränderung erkennen, diese gleichzeitig entfernen und damit behandeln.

Strahlentherapie

Die Behandlung erkrankter Gewebe, vor allem bösartiger Tumoren, mit ionisierender Strahlung bezeichnet man als Strahlentherapie. Sie ist neben der Chirurgie (Operationen), der Chemo- und der Hormontherapie eine der tragenden Therapiemethoden von Krebserkrankungen. Grundlage der Strahlentherapie ist die Erkenntnis, dass Tumorgewebe wesentlich strahlenempfindlicher ist als gesundes Gewebe. Die genetische Struktur der Tumorzellen wird durch die energiereichen Formen der elektromagnetischen Strahlung oder Teilchenstrahlung geschädigt und der Tumor so zerstört.

Im Gegensatz zur Chemotherapie, bei der das Medikament im ganzen Körper verteilt wird, wirken die meisten Formen der Strahlentherapie örtlich begrenzt. Allerdings gibt es auch radioaktive Medikamente (Radiopharmaka), die sich über die Blutbahn im Körper verteilen und Stoffe enthalten, die sich aufgrund besonderer Eigenschaften im Tumor anreichern. So nutzt man zur Behandlung Schilddrüsenkrebs radioaktives Jod, und bei der Behandlung von Knochenmetastasen Strontium-89, das Knochenmineralien chemisch ähnlich ist.

In manchen Fällen kann die Strahlenwirkung durch Medikamente oder andere Verfahren unterstützt werden, die das Tumorgewebe strahlenempfindlicher machen.

Aktualisiert: 10.02.2017 – Autor: Susanne Köhler / Überarbeitung: Dagmar Reiche

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