Tollwut-Impfung für Reisende

Frau erhält Tollwut-Impfung © istockphoto, vadimguzhva

Im Jahr 2002 verreisten über 10 Mio. Menschen aus Deutschland in Tollwut-Risikogebiete. Das Risiko der Erkrankung wird von vielen Reisenden – meist aufgrund fehlender Information - unterschätzt. Bei einer Befragung von 1.200 Reisenden waren mehr als 95 Prozent nicht gegen Tollwut geschützt. Die vorbeugende Impfung gegen Tollwut spielt neben anderen Reiseimpfungen wie z. B. Hepatitis A oder Typhus bisher nur eine untergeordnete Rolle. Und das, obwohl eine Tollwut- Erkrankung, sobald sie ausgebrochen ist, immer zum Tod führt!

Jedes Jahr sterben weltweit etwa 60.000 Menschen an Tollwut

Gerade in beliebten Reiseländern mit ständig steigenden Urlauberzahlen, wie z. B. lndien, Thailand, Brasilien, Indonesien, Tansania, Mexiko, Dominikanische Republik oder auch in der Türkei, ist die Tollwut weit verbreitet. Hunde sind die häufigsten Überträger der Tollwut; in Südamerika und Asien verursachen streunende Hunde etwa 90% aller Tollwutfälle. Allerdings können auch andere Tiere wie Rinder, Schafe oder Geflügel die Tollwut übertragen.

Der Erreger der Tollwut - ein Virus - wird mit dem Speichel ausgeschieden, der beim Hund bereits vor Ausbruch der Erkrankung virushaltig sein kann. Ein Großteil der Todesfälle ist in Asien zu verzeichnen. Die wenigsten Urlauber wissen dabei, welchem Infektionsrisiko sie ausgesetzt sind.

Das Tückische: Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, gibt es keine medizinische Behandlung mehr, sie führt immer zum Tod. Die einzige lebensrettende Maßnahme ist die sofortige Impfung nach einem tollwutverdächtigen Tierkontakt! Jeder Reisende sollte sich deshalb vor seiner Reise über die Gefahr einer Tollwut-Infektion und über eine eventuelle vorbeugende Impfung informieren.

Tollwutverdacht - was ist zu tun?

Tollwut kann - auch noch kurz nach der Ansteckung - durch Impfung verhindert werden, verläuft aber tödlich, sobald erst einmal die typischen Krankheitszeichen (Krämpfe, Lichtscheu und Abneigung gegen Wasser) aufgetreten sind. Der beste Schutz vor Tollwut ist, einen Tierbiss bzw. den Kontakt mit Speichel zu verhindern. Wer dennoch Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier hatte, muss sofort einen Arzt oder besser gleich ein Krankenhaus aufsuchen - auch wenn zuvor schon eine Impfung gemacht worden ist!

Das heißt: Bei Verdacht auf eine Infektion muss so schnell wie möglich mit einer postexpositioneIlen Behandlung begonnen werden kann (Impfung nach Kontakt mit einem tollwutkranken Tier). Urlauber ohne vollständigen vorbeugenden Tollwut-Schutz benötigen dann fünf Impfungen und eventuell zusätzlich ein Tollwut-Immunglobulin (Immunglobuline sind Eiweißstoffe, die den Tollwuterreger abwehren können). Hingegen benötigen Reisende mit einer kompletten Grundimmunisierung lediglich zwei Auffrisch-lmpfungen.

Risiko kennen und mit einer Impfung vorbeugen

Das Problem: In vielen Reiseländern ist die Versorgung mit einem Tollwut-Impfstoff nicht sichergestellt - der Erwerb des Impfstoffes nicht nur schwer möglich, sondern überhaupt nicht möglich. In Deutschland steht den Reisenden dagegen ein gut verträglicher und wirksamer Impfstoff zur Verfügung. Die bereits in Deutschland durchgeführte vorbeugende Tollwut-Impfung kann im Falle eines Falles die notwendige Zeit verschaffen, bis eine postexpositionelle Behandlung eingeleitet werden kann. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen in den Oberarm an den Tagen 0, 7, 21 oder 28. Der Impfstoff ist gut verträglich und wirkt etwa 3 Jahre. Durch eine Auffrischimpfung nach einem Jahr kann die Immunität auf etwa 5 Jahre ausgedehnt werden.

Die vorbeugende Tollwutimpfung ist eine vernünftige Maßnahme; allerdings ist die Impfung recht teuer. Deshalb sollte immer die individuelle Risikosituation berücksichtigt werden (z. B. Langzeit- oder Aktivurlauber in Gebieten mit hohem Tollwutrisiko). Empfohlen wird die Impfung auf jeden Fall dann, wenn die Behandlungsmöglichkeiten nach einer Infektion schlecht oder gar nicht vorhanden sind.

Aktualisiert: 10.09.2012 – Autor: Chiron

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