Corona – warum manche Menschen nicht erkranken

Unterschiedliche Faktoren können sich auf das Ansteckungsrisiko und den Verlauf von COVID-19 auswirken. Neben Dauer und Art des Kontakts können dies auch persönliche körperliche Voraussetzungen sein. Welche Faktoren spielen eine Rolle?

Frau hat sich mit Corona angesteckt
© Getty Images/LaylaBird

Seit Beginn der Pandemie beschäftigen sich Forschende mit der Frage, welche persönlichen Faktoren das Ansteckungsrisiko von Menschen, die Coronaviren ausgesetzt waren, beeinflussen können. Was ist bisher dazu bekannt?

Vorhandene Genmutationen könnten Ansteckungsrisiko mindern

In einer aktuellen Studie wurden genetische Faktoren von über 736.000 Personen untersucht, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Menschen in der einen Gruppe waren nachweislich zuvor mit COVID-19 infiziert. Die Mitglieder der anderen Gruppe wohnten zwar mit infizierten Personen zusammen, hatten also intensiven zeitlichen und räumlichen Kontakt, steckten sich aber nicht mit COVID-19 an. Die Forschenden bezogen neben der Ansteckung an sich auch in die Untersuchung mit ein, ob eine positiv getestete Person Symptome aufwies und falls ja, wie stark diese ausfielen.

Das Ergebnis: Diejenigen, die sich nicht dem Coronavirus ansteckten oder deren Erkrankungen sehr mild oder symptomlos verliefen, wiesen besonders häufig bestimmte Genmutationen auf. Diese sogenannten Punktmutationen betrafen Immungene sowie Bereiche in der Nähe von Blutgruppengenen. Insgesamt wurden Mutationen in zwölf Genregionen festgestellt.

Wie genau sich diese Mutationen auswirken und warum sie Einfluss auf die Ansteckung oder den Verlauf der Infektion nehmen könnten, ist bisher noch nicht bekannt.

Wie wirkt sich die Blutgruppe aus?

Bereits länger diskutiert wird zudem ein potenzieller Einfluss der Blutgruppe auf den Krankheitsverlauf und die Ansteckung mit COVID-19. So weisen Studienergebnisse darauf hin, dass Menschen mit der Blutgruppe A oder AB tendenziell einen schwereren Krankheitsverlauf aufweisen als Menschen mit Blutgruppe 0. Auch auf das Ansteckungsrisiko könnte dies einen Einfluss haben.

Die Ursache für diese Unterschiede könnte darin liegen, dass bestimmte Antikörper und Antigene je nach Blutgruppe leicht voneinander abweichen.

Kreuzimmunität – was ist das?

Ein weiterer Erklärungsansatz ist die sogenannte Kreuzimmunität. Eine solche kann entstehen, wenn das Immunsystem des Körpers auf Viren aus der gleichen Familie reagiert – auch, wenn es sich nicht um genau das gleiche Virus handelt. Bei Infektionen mit SARS-CoV-2 könnte dieser Effekt eine Rolle spielen.

Das Virus gehört zur Familie der Coronaviren, von denen einige schon lange bekannt sind und milde Erkältungssymptome auslösen. Einige Protein-Abschnitte von SARS-CoV-2 ähneln denen anderer Coronaviren. So könnten T-Helferzellen des Immunsystems, die auch Teil des immunologischen Gedächtnisses sind, diese Abschnitte bei einer Infektion wiedererkennen und darauf reagieren. Die Immunabwehr, die ursprünglich gegen ein Erkältungsvirus aufgebaut wurde, würde dann also auch gegen SARS-CoV-2 zum Einsatz kommen und so eine schnellere Immunantwort ermöglichen.

Dies kann für einen milderen Krankheitsverlauf sorgen oder sogar eine Ausbreitung des Virus im Körper frühzeitig verhindern, sodass es gar nicht zu einer nachweisbaren Infektion kommt.

Allgemeiner Gesundheitszustand bleibt wichtig

Zusätzlich zu den bereits genannten Faktoren spielt auch der allgemeine Gesundheitszustand einer Person eine wichtige Rolle. Neben Vorerkrankungen, wie Diabetes und Bluthochdruck, können beispielsweise Übergewicht, Bewegungsmangel oder Rauchen zu einer geschwächten Immunabwehr und einem schwereren Krankheitsverlauf beitragen.

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, das Immunsystem durch eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung zu unterstützen. Auch eine Impfung gegen COVID-19 hilft nachweislich dabei, das Risiko einer Ansteckung und eines schweren Krankheitsverlaufs deutlich zu reduzieren.

Aktualisiert: 22.04.2022
Autor*in: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin