Darum ist AstraZeneca gefährlicher als die "Pille"

In Politsendungen und den sozialen Medien wird oft über die Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca und der Anti-Baby-Pille diskutiert. Der Vergleich muss allerdings kritisch betrachtet werden.

AstraZeneca-Impfstoff © Getty Images/Andriy Onufriyenko

Pille und AstraZeneca Impfstoff: Es treten verschiedene Thrombosen auf.

AstraZeneca-Impfung: Nebenwirkung bisher nicht bekannt

Das Bundesgesundheitsministerium weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Nebenwirkungen der Anti-Baby-Pille im Gegensatz zur AstraZeneca-Impfung bekannt seien, in der Packungsbeilage aufgelistet sind und die Patientinnen von ihrem*ihrer Frauenarzt*Frauenärztin auf diese aufmerksam gemacht werden.

Im Gegensatz dazu ist die Nebenwirkung beim AstraZeneca-Impfstoff nicht bekannt. Bei diesem müssen erst die Wahrscheinlichkeit einer gefährlichen Thrombose eingeschätzt und dann die betreffenden Personen von den aufklärenden Ärzt*innen auf diese hingewiesen werden. Bis der genaue Zusammenhang und die betroffenen Personen in Bezug auf das Thrombose-Risiko bei der AstraZeneca-Impfung geklärt sind, ist ein Impf-Stopp laut Bundesgesundheitsministerium eine vernünftige und notwendige Lösung.

Art der Thrombosen unterscheiden sich

Sowohl bei der Anti-Baby-Pille als auch beim AstraZeneca-Impfstoff können Thrombosen auftreten. Der Unterschied liegt hierbei allerdings in der Art der Thrombose.

  • Das Auftreten einer Thrombose bei Einnahme der Anti-Baby-Pille ist möglich, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering. Meist handelt es sich dabei um Thrombosen in den Beinen, die auch nach Operationen oder langen Flugreisen auftreten können. Sie zeigen sich durch Schwellungen, Schmerzen und Hitze der betroffenen Stelle und können durch medikamentöse Behandlung gut behoben werden.
  • Bei der Thrombose, die durch die AstraZeneca-Impfung verursacht werden könnte, handelt es sich um eine Sinusvenenthrombose. Hirnvenen- und Sinusthrombosen (SVT) sind ernste neurologische Erkrankungen mit einer Sterblichkeitsrate von etwa 5 Prozent. Folgen oder Komplikationen sind beispielsweise das Hirnödem, venöse Hirninfarkte und Blutungen sowie ein dauerhaft erhöhter Hirndruck. Symptome einer SVT sind unter anderem Kopfschmerzen und kleinere Beschwerden wie starre Mimik, leerer Blick, unregelmäßiger und schneller Herzschlag, häufiger Speichelfluss, Schweißausbrüche und Gänsehaut.

AstraZeneca-Impfstoff muss überprüft werden

Das Bundesgesundheitsministerium überprüft gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut den Zusammenhang zwischen dem Vakzin von AstraZeneca und den auftretenden Thrombosen. Bis dahin werden Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin in Deutschland ausgesetzt. Der Impfstoff ist allerdings noch von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen und kann nach dem Impf-Stopp weiter eingesetzt werden. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sich weiterhin für die Nutzung des AstraZeneca-Impfstoffs aus.

Aktualisiert: 17.03.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin