mRNA-Impfstoff gegen Borreliose

Noch ist bei Zeckenstichen Vorsicht geboten – die Insekten übertragen neben der gefährlichen Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME) auch Borreliose. Eine FSME-Impfung ist bereits seit den 1980ern zugelassen, eine Impfung gegen Borreliose könnte folgen.

Zecke auf Blatt
© Getty Images/fhm

Borreliose wird durch spiralförmige Bakterien (Borrelien) ausgelöst. Neben Zecken können auch Mücken die Erreger weitergeben – nicht jedes der Insekten trägt die Borrelien in sich, je nach Region können allerdings bis zu einem Drittel der Insekten die Bakterien verbreiten. Borreliose macht sich besonders durch die ringförmige Rötung um den Stich (Wanderröte) bemerkbar. Unbemerkt können die Erreger schwere Nervenschäden und Gelenkschmerzen auslösen. Eine schnelle Behandlung mit Antibiotika schafft allerdings Abhilfe.

Impfung gegen Zecken: So funktioniert das Vakzin

Der Impfstoff gegen Borreliose basiert auf der mRNA-Technologie. Die Boten-RNA (messenger RNA) transportiert die Informationen zu bestimmten Erregern in die Zellen. Der Impfstoff gegen Borreliose enthält die Baupläne von insgesamt 19 Proteinen aus dem Speichel der Zecke. Nach der Impfung werden die Zeckenproteine vom Körper nachgebaut, dann allerdings als Fremdkörper registriert.

Die Folge: Das Immunsystem beginnt Antikörper und Helferzellen gegen die Speichelproteine zu produzieren – bei einem Zeckenstich erkennt der Körper den Speichel und die enthaltenen Erreger und beginnt mit der Immunabwehr.

Studie zum Borreliose-Impfstoff im Überblick

Um die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Impfstoffs erstmals zu prüfen, wurden Meerschweinchen in zwei Kontrollgruppen eingeteilt – eine Gruppe erhielt das Vakzin, eine weitere nicht.

Insgesamt wurden den Meerschweinchen drei Dosen des mRNA-Impfstoffs verabreicht. Zwei Wochen nach der dritten Dosis setzten die Wissenschaftler*innen den Tieren eine mit dem Borreliose-Erreger infizierte Zecke auf den Rücken. Folgende Punkte sollten überprüft werden:

  • Bildet sich eine lokale Entzündung?
  • Wie lange saugen die Zecken?
  • Infizieren sich die Tiere mit Borreliose?

Die Ergebnisse:

  • Bei geimpften Tieren traten nach zirka 18 Stunden Rötungen und Schwellungen an der Stichstelle auf.
  • Die Zecken selbst saugten kaum und fielen bereits nach 48 Stunden ab.
  • Keines der 20 geimpften Meerschweinchen infizierte sich mit Borreliose.

Erste Auswertungen sprechen für den mRNA-Impfstoff. Bei ungeimpften Tieren genossen die Zecken ihre Mahlzeit in voller Länge (96 Stunden). Rund 60 Prozent der ungeimpften Meerschweinchen infizierten sich zudem mit dem Erreger.

Zecken-Impfung beim Menschen möglich

Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass eine Borreliose-Impfung in dieser Form durchaus funktionieren kann. Das Vakzin muss allerdings in weiteren Verfahren und Studien überprüft werden. Da der Mensch, ebenso wie das Meerschweinchen, kein natürlicher Wirt der Zecken ist, könnte die Impfung beim Menschen ebenso gut funktionieren, da die Zecken selbstständig abfallen oder der Mensch diese entdeckt, bevor eine Infektion oder Entzündung vorliegt.

Zecken auch im Herbst und Winter aktiv

Bis die Zeckenimpfung gegen Borreliose allerdings für den Menschen zugelassen ist, kann es noch einige Zeit dauern. Wer sich dennoch gerne in der Natur aufhält sollte seinen Körper nach langen Spaziergängen im Wald und Unterholz sowie auf Wiesen oder nach der Gartenarbeit auf Zecken kontrollieren.

Achtung: Entgegen aller Gerüchte, Zecken seien besonders im Frühling und Sommer aktiv, können die Insekten auch im Herbst und Winter zustechen. Die Plagegeister sind sehr widerstands- und anpassungsfähig, zudem kommen ihnen mildere Winter und wärmere Temperaturen im Herbst zugute. Wie Sie sich bei einem Zeckenbiss verhalten sollten, lesen Sie hier.

Aktualisiert: 24.11.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin