Hormonfreie Verhütung: 7 Alternativen zu Pille & Co.

Viele Frauen verlassen sich seit den 1960er Jahren auf die Pille – nicht umsonst ist diese Art der Verhütung die beliebteste in Deutschland. Doch die Kritik an der Pille wächst aufgrund ihrer Nebenwirkungen stetig. Dass hormonfreie Verhütung möglich und sicher sein kann, zeigen diese sieben Alternativen.

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Sichere und hormonfreie Verhütung: der Pearl Index

Hand über Uterus © Getty Images/ pepifoto
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Verhütung muss nicht gleich die Pille sein. Auch hormonfreie Verhütung kann vor einer Schwangerschaft schützen. Wichtigster Indikator ist der Pearl Index, welcher angibt wie viele von 100 Frauen trotz Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode innerhalb von 12 Monaten schwanger wurden. Je niedriger der Index, desto sicherer die Verhütungsmethode. Beim Pearl Index werden auch Schwangerschaften aufgrund von fehlerhafter Anwendung des Verhütungsmittels berücksichtigt.

Der Index der Anti-Baby-Pille liegt je nach Hersteller bei 0,1 bis 0,3 – doch auch hormonfreie Verhütungsmethoden erreichen einen niedrigen Pearl Index.

1. Kondom und Femidom

Frau gibt Mann Kondom © Gettyy Images/Roy Morsch
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Das Kondom wie auch das Femidom (Kondom für die Frau) sollen in erster Linie vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen. Bei korrekter Anwendung dienen Kondom und Femidom auch der Verhütung. Aktuell ist das Kondom das einzig sichere Verhütungsmittel für den Mann – es ermöglicht diesem, sich aktiv an der Verhütung zu beteiligen.

Kondom und Femidom können in seltenen Fällen während des Geschlechtsverkehrs platzen oder verrutschen. Durch ölhaltige Lotionen oder Cremes kann es zudem porös werden oder reißen. Das Ejakulat könnte somit dennoch in die Gebärmutter gelangen.

Eine detaillierte Schritt-für-Schritt Anleitung zur Anwendung und weitere Hinweise finden sich in der Verpackung des Kondoms. Da es beim Kondom leichter zu Anwendungsfehlern kommt, liegt der Pearl Index zwischen 2 und 12.

2. Diaphragma als hormonfreie Verhütung

Arzt mit Diaphragma in der Hand © Getty Images/Peter Dazeley
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Das Diaphragma funktioniert ähnlich wie Kondom und Femidom – es versperrt den Spermien den Weg in die Gebärmutter. Ein Gel kann beim Einsetzen helfen und zudem eine spermienabtötende Barriere aufbauen.

Das Diaphragma sieht aus wie eine kleine Gummikappe, welche ein bis zwei Stunden vor dem Sex eingesetzt und nach acht bis 24 Stunden wieder entfernt werden kann. Nach dem Entfernen kann das Diaphragma mit Wasser gereinigt und bis zu zwei Jahre benutzt werden.

Tipp: Die Größe des Diaphragmas sollte gemeinsam mit dem*der Frauenarzt*Frauenärztin bestimmt werden, um einen optimalen Sitz und somit Sicherheit zu gewähren. Der Pearl Index des Diaphragmas liegt zwischen 1 und 20 – je nach Übung bei der Anwendung.

3. Spirale

Kupferspirale © Getty Images/flocu
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Die Spirale (Intrauterinpessar) ist zwei bis drei Zentimeter groß und T-förmig. Sie besteht aus Kunststoff und wird mit einem Kupferdraht umwickelt. Am unteren Ende befindet sich ein Fädchen, welches zum Entfernen aus der Gebärmutter benötigt wird. Das Kupfer der Spirale ist der Hauptfaktor der Verhütung:

  • Kupfer verändert den Gebärmutterhalsschleim
  • Die Kupferionen rufen eine kleine, ungefährliche Entzündung hervor
  • Die Entzündung verhindert das Einnisten des Eis

Die Spirale zählt mit einem Pearl Index von 0,1 bis 0,3 zu den sichersten Methoden der hormonfreien Verhütung.

Das Verhütungsmittel muss allerdings durch den*die Frauenarzt*Frauenärztin eingesetzt werden. Dies geschieht meist am letzten Tag der Periodenblutung, da der Muttermund an diesem Tag geweitet ist und das Einsetzen erleichtert wird. Die Spirale muss je nach Modell circa alle fünf Jahre gewechselt, sollte aber regelmäßig medizinisch kontrolliert werden.

4. Hormoncomputer – moderne, hormonfreie Verhütung

Symbolbild Hormon-Computer: Test auf Tastatur © Getty Images/Stadtratte
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Der Hormoncomputer erkennt die fruchtbaren Tage anhand einer Hormonanalyse aus dem Morgenurin. An gewissen Tagen sollte ein Hormontest mittels Teststreifen durchgeführt werden, welcher durch den Computer ausgewertet wird.

Der Computer gibt dann fruchtbare und unfruchtbare Tage an. Je nach Hersteller verfügt der Hormoncomputer über einen Pearl Index von 0,3 bis 6.

Zykluscomputer dienen weniger der Verhütung, da sie eine kürzere fruchtbare Zeitspanne angeben könnten als eigentlich möglich. Vielmehr unterstützen sie Paare bei der Familienplanung. Zudem ist der Hormoncomputer nur für Frauen geeignet, deren Zyklus zwischen 23 bis 35 Tage lang andauert.

5. Temperaturmessung: natürlich verhüten

Frau im Bett mit Thermometer © Getty Images/filadendron
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Bereits am Morgen wird die Basaltemperatur gemessen. Bei dieser handelt es sich um die Temperatur direkt nach dem Aufstehen – während des Eisprungs steigt die Basaltemperatur um 0,2 bis 0,5 Grad an.

Wichtig ist, ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen zu verwenden. Der natürliche Zyklus wird bei dieser Methode weder durch Hormone noch mechanische Verhütungsmittel beeinflusst. Da viele Faktoren wie Sport, Ernährung, Schlaf oder Stress das Ergebnis verfälschen können, erfordert diese Methode jedoch sehr viel Disziplin. Der Pearl Index liegt bei 0,8 bis 3.

6. Symptothermale oder natürliche Methode

Ovaluationskalender © Getty Images/InspirationGP
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Neben der reinen Temperaturmessung kann auch die natürliche Methode zur Verhütung genutzt werden. Hierbei spielen verschiedene körperliche Faktoren eine wichtige Rolle:

  • Basaltemperatur
  • Veränderungen des Gebärmutterschleims
  • Veränderungen des Muttermunds

Diese drei Ebenen werden in Tabellenform dokumentiert und daraufhin die Fruchtbarkeit berechnet. Hierbei ist es wichtig, alle Ebenen mit einzubeziehen, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Bei einer konsequenten Anwendung liegt der Pearl Index der natürlichen Verhütung bei 0,3.

7. Der Verhütungsschwamm

Spermien treffen auf Eizelle: Symbolbild © Getty Images/Carol Yepes
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Der Verhütungsschwamm wird ähnlich wie ein Tampon in die Scheide eingeführt und kann dort bis zu 24 Stunden verweilen. Er besteht aus Polyurethanschaum und ist mit einer spermienabtötenden Substanz durchtränkt.

Je nach Modell sollte er zwei bis drei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt werden.

Der Verhütungsschwamm ist für viele Frauen nicht besonders gut verträglich und kann zu allergischen Reaktionen führen, zudem verfügt er über eine geringe Sicherheit.

Der Pearl Index liegt bei 5 bis 10.

Aktualisiert: 25.08.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin