BioNTech: Krebsbehandlung bald mit mRNA-Technologie?

Die mRNA-Technologie ist ein wichtiger Meilenstein bei der Bekämpfung des Coronavirus. Die Impfung schützt vor Infektionen mit SARS-CoV-2 und ebnet den Weg aus der Pandemie. Ursprünglich wurde die Methode zur Heilung von Krebs entwickelt – Studien zeigen auch in diesem Bereich erste Erfolge.

Krebspatientin mit Ärztin
© Getty Images/Cavan Images

Die Erfolge der Corona-Impfstoffe sprechen für sich. Der Pharmahersteller BioNTech soll laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bis September 2021 zirka sieben Milliarden Euro durch die Herstellung ihres mRNA-Vakzins gewonnen haben. Das Geld wird besonders in die Entwicklung von mRNA-basierten Medikamenten gegen Krebs investiert. Worum es sich bei einem Krebs-Impfstoff handelt und wie er funktioniert.

mRNA-Therapie gegen Krebs: So funktioniert's

Der Ablauf der Krebstherapie mit mRNA und der Ablauf der Corona-Impfung unterscheiden sich nur geringfügig: In beiden Fällen fungiert die Messenger-RNA als Botenstoff für bestimmte Proteine, Bauteile oder Zytokine. Bei SARS-CoV-2 wird der Bauplan des Spike-Proteins, welches es dem Coronavirus ermöglicht, an menschliche Zellen anzudocken, transportiert.

Die mRNA dient auch im Rahmen der Krebstherapie als Vermittler der Bauanleitung. Die Forschenden verwendeten hierbei einen mRNA-Mix, welcher sich aus den Anleitungen vier verschiedener Zytokine zusammensetzt. Zytokine sind Eiweiße, welche das Zellwachstum regulieren und bestimmte Abwehrzellen aktivieren. Ein wichtiger Bestandteil des mRNA-Mix ist der Bauplan von Interleukinen und Interferonen.

Zytokine werden bereits in der Krebstherapie eingesetzt, der Körper baut diese allerdings schnell ab – um eine hohe Wirkung zu erzielen, müssen diese regelmäßig verabreicht werden, was das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann.

Der Bauplan der Zytokine wird mithilfe der mRNA allerdings direkt in den Tumor injiziert – in der Folge werden die Zytokine auf Basis der Bauanleitung produziert. Die Methode regt das Immunsystem an und kann das Wachstum der Tumore stoppen sowie die Tumorgröße reduzieren. Auch Tumore in anderen Regionen des Körpers können schrumpfen.

Auf Basis der mRNA-Technologie gelang es Forschenden, das Wachstum von Tumoren bei Mäusen zu unterbinden und die Rückbildung der Geschwulste zu fördern – die Überlebenszeit von Mäusen in den Versuchen stieg an.

In Kombination mit sogenannten Checkpoint-Hemmern wird die Methode noch effektiver. Manche Tumore können die Arbeit des Immunsystems einschränken – die Checkpoint-Hemmer, meist Antikörper, heben diese eingeschränkte Immunabwehr auf und sorgen für eine intakte Immunantwort.

Die Methode gibt Grund zur Hoffnung, allerdings herrschen Unterschiede zwischen dem Immunsystem von Mäusen und dem von Menschen – inwiefern der menschliche Körper auf die Behandlung reagiert, muss in weiteren Studien mit Menschen intensiv analysiert und untersucht werden.

Studie gegen Hautkrebs zeigt ebenfalls Erfolg

Im Rahmen der Hautkrebstherapie werden Proteine und Bauteile von Krebszellen (Antigene) in der mRNA verpackt. Die Immuntherapie soll in der Folge eine starke Immunantwort gegen Tumorzellen auslösen. Aktuell wird die Impfung bereits an 120 Proband*innen getestet und erforscht.

mRNA-Impfung gegen Krebs: Das Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle

Obwohl erste Ergebnisse vielversprechend sind, steht die Krebstherapie mit mRNA noch am Anfang. Große und umfangreiche Untersuchungen sollen künftig zeigen, welche Krebsformen bekämpft werden können und welche Patient*innen durch die Impfung einen Vorteil erhalten.

Das Immunsystem übernimmt auch in der Krebstherapie einen wichtigen Part. "Normalerweise werden Zellen mit ungewöhnlichen Merkmalen direkt vom Immunsystem beseitigt. Bei einem Tumor müssen die Veränderungen der Zellen aber irgendwann dazu geführt haben, dass das Immunsystem sie nicht mehr als 'fremd' erkennt, sondern toleriert", sagt Niels Halama, Leiter der Forschungsgruppe für Adaptive Immuntherapie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg gegenüber dem Deutschen Krebsforschungszentrum.

Können die Immunzellen nicht zum Tumor vordringen, müssen laut dem Experten möglicherweise weitere Therapien eingesetzt werden, um diesen als Fremdkörper zu entlarven.

Erreicht das Immunsystem den Tumor, könnte die Impfung ausreichen, um das Abwehrsystem zu alarmieren und den Fremdkörper zu bekämpfen. Eine besondere Stärke der mRNA ist hierbei die Flexibilität, es können Baupläne entworfen werden, die individuell auf den Tumor zugeschnitten sind.

Niels Halama weist zudem auf den gesundheitlichen Zustand der Betroffenen hin: "Letztlich kann die Impfung auch nur dann erfolgreich sein, wenn das Immunsystem überhaupt in der Verfassung ist, den Tumor zu bekämpfen. Das ist leider nicht bei allen Patienten der Fall. Dann müssen wir überlegen, in welcher Kombination mit anderen Therapien die Impfung sinnvoll sein könnte."

Bei Betroffenen, deren Tumor operativ entfernt wurde, reagiert das Immunsystem anders als bei Erkrankten mit Metastasenbildung. Weitere Untersuchungen sollen sich intensiver mit dieser Thematik befassen.

mRNA-Impfstoffe gegen Krebs: Ab 2025 verfügbar

Eine Produktionsstätte für mRNA-Impfstoffe gegen Krebs soll laut des Mainzer Pharmaunternehmens BioNTech bereits 2023 in Betrieb gehen, mit der Therapie könnte laut Angaben des Südwestdeutschen Rundfunks bereits 2025 gerechnet werden.

Aktualisiert: 09.12.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin