Omikron-Subtyp BA.2: WHO bewertet Gefährlichkeit

Der erstmals in Großbritannien aufgetretene Subtyp der ansteckenden Omikron-Variante hat sich mittlerweile auch in Deutschland verbreitet. Doch wie gefährlich ist der Subtyp BA.2?

Illustration: Coronaviren mutieren
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Der Omikron-Subtyp BA.2 war bereits in Dänemark für den rasanten Anstieg an Corona-Infektionen verantwortlich. Auch bei Stichproben in Deutschland macht der Subtyp mittlerweile etwa 24 Prozent der Neuinfektionen aus. Eine erste Studie aus Südafrika gibt jetzt Aufschluss über die Gefährlichkeit der Untervariante.

Studie aus Südafrika: So gefährlich ist der Krankheitsverlauf

Im Rahmen der Studie wurden die Krankheitsverläufe von Menschen verglichen, die positiv auf den bisher verbreiteten Omikron-Subtypen BA.1 beziehungsweise den neuen Subtypen BA.2 getestet worden waren. Im Untersuchungszeitraum von Anfang Dezember 2021 bis Ende Januar 2022 stieg der Anteil an festgestellten Infektionen mit der Untervariante BA.2 von drei auf 80 Prozent.

Laut Aussage der Forschenden konnte bei den registrierten Fällen kein Unterschied in Bezug auf die Häufigkeit der Hospitalisierung oder die Schwere der Krankheitsverläufe bei hospitalisierten Personen festgestellt werden. COVID-19 verläuft bei beiden Subtypen der Omikron-Variante also ähnlich und damit in der Regel vergleichsweise mild.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich am 22. Februar dieser Bewertung von BA.2 angeschlossen.

Eine vor Kurzem als Preprint veröffentlichte japanische Studie hatte noch Gegenteiliges befürchten lassen. Im Rahmen der Untersuchung wurden die Auswirkungen von BA.1 und BA.2 auf Hamster analysiert. Bei den Tieren, die mit BA.2 infiziert wurden, konnten schwerwiegendere Schäden in der Lunge und im Gewebe sonstiger Organe festgestellt werden als bei den Hamstern, die an einer durch BA.1 ausgelösten Erkrankung litten. Die Ergebnisse von Tierversuchen lassen sich aber häufig nur begrenzt auf den Menschen übertragen.

Omikron-Subtyp: Studie zur Ausbreitung von BA.2 aus Dänemark

Erste Auswertungen aus Dänemark zeigten zuvor, wie effektiv BA.2 in Bezug auf die Ausbreitung ist: Das Infektionsrisiko des Subtyps ist bei Ungeimpften und Geimpften mindestens doppelt so hoch wie bei der Omikron-Untervariante BA.1. Ungeimpfte übertragen das Virus zudem leichter als Geimpfte oder Geboosterte.

BA.2 verfügt ebenfalls über eine hohe Immunflucht. Die neutralisierenden Antikörper erkennen die Untervariante nur schwer und können eine Infektion mit BA.2 daher nicht ausreichend verhindern.

Insgesamt wurden zirka 8.500 Primärinfektionen in dänischen Haushalten ausgewertet und die Infektionsketten nachverfolgt. Welche Mechanismen führen dazu, dass die Infektionen mit der Ausbreitung von BA.2 wieder ansteigen?

Höhere Ansteckungsrate: BA.2 entgeht der Immunantwort

BA.2 weist als Untervariante von Omikron Mutationen am Spike-Protein auf. Das Spike-Protein ist der Teil des Virus, welcher es dem Erreger ermöglicht, an die menschlichen Zellen anzudocken. Die neue Omikron-Untervariante kann aufgrund verschiedener Mutationen im Spike-Protein der Antwort des Immunsystems entgehen.

Das Immunsystem produziert im Rahmen einer Impfung oder Infektion Antikörper gegen das Spike-Protein, welche bei erneutem Kontakt Alarm schlagen und beginnen, das Virus zu bekämpfen.

Omikron wird aufgrund der strukturellen Veränderungen in diesem Protein von den Antikörpern schlechter erkannt, was zu einer höheren Ansteckungsrate bei Geimpften und Genesenen führen kann.

Der Subtyp unterscheidet sich von der ursprünglichen Omikron-Variante in zirka 18 Mutationen. Diese könnten dafür sorgen, dass sich auch Geboosterte und Genesene noch schneller mit SARS-CoV-2 infizieren.

Da neben Antikörpern weitere Mechanismen, beispielsweise die T-Zellen des Immunsystems, greifen, könnte die Zahl der Infektionen zwar ansteigen, schwere Verläufe können aber weiterhin mithilfe der Impfung verhindert werden. Insgesamt weist BA.2 zudem ein geringeres Risiko für schwere Verläufe auf als beispielsweise die Delta-Variante des Coronavirus.

Einfluss auf Entwicklung der Pandemie bisher unklar

Wie BA.2 konkret Einfluss auf das Infektionsgeschehen in Deutschland nehmen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Zumindest eine Zunahme der Hospitalisierung ist nach den neuesten Erkenntnissen aber eher unwahrscheinlich. Laut Robert Koch-Institut könnte BA.2 jedoch durch die schnellere Übertragbarkeit dazu führen, dass die Infektionszahlen hierzulande langsamer sinken oder erneut ansteigen.

Aktualisiert: 28.02.2022
Autor*in: Alexandra Maul, News-Redakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin