Seaspiracy – so gefährlich und umweltschädigend ist Fischkonsum wirklich

Die Netflix-Dokumentation Seaspiracy deckt die Probleme der Fischindustrie auf: Überfischung, Fischzucht und Walfang. Die Tiere leiden, Kollateralschäden werden akzeptiert und auch die Gütesiegel des nachhaltigen Fischfangs versprechen deutlich mehr als sie leisten. Nicht nur der Plastikabfall des Verbrauchers ist für die Verschmutzung der Ozeane verantwortlich – besonders die Fischindustrie zerstört die Lebensgrundlage aller Tiere und Menschen. Doch wie gefährlich ist Fischkonsum wirklich, welche Alternativen gibt es und wie kann man nachhaltig handeln?

Fischfang © Getty Images/ Jeff J Mitchell / Staff

Die Netflix-Dokumentation Seaspiracy ist in den TOP-10 der meist geschauten Filme des Osterwochenendes. Die Dokumentation zeigt vielen Personen die Folgen des Fischkonsums auf.

So gefährlich ist Fischkonsum: Folgen für die Umwelt

Der Ozean dient als Lebensgrundlage der gesamten Welt. Besonders das Phytoplankton im Ozean baut viermal so viel Kohlenstoffdioxid (CO2) ab wie der Amazonas-Regenwald in Südamerika. Auch Wale und Delfine stehen im engen Zusammenhang mit dem Erhalt des Klimas und des ökologischen Gleichgewichts. Die Aussage des Dokumentarfilmers Ali Tabrizi ist klar: "Wenn Delfine und Wale sterben, stirbt der Ozean. Wenn der Ozean stirbt, sterben wir."

Das Problem: Illegaler Walfang und die korrupte Fischindustrie gefährden Delfine und Wale mit ihren Fangnetzen, rauben Haien und anderen Jägern die Nahrung und treiben so die Zerstörung der Lebensgrundlage vieler Tiere voran. 46 Prozent des Plastikabfalls der großen Betriebe bestehen, laut des Dokumentarfilmers, aus Plastikfangnetzen der Global Player. Auch Gütesiegel für nachhaltigen Fischfang werden im Film hinterfragt und direkte finanzielle Verbindungen aufgedeckt: Der angeblich nachhaltige Fischfang ist nicht nachhaltig und ebenso gefährlich für die Umwelt.

Durch die Verschmutzung der Ozeane mit Plastik nehmen viele Fische den Plastikmüll auf. Besonders das abgebaute Mikroplastik wird in immer mehr Meereswesen nachgewiesen. Auch der Mensch kann durch den Verzehr der Meerestiere durch das Mikroplastik belastet werden.

Überfischung für Epidemien verantwortlich

Nicht nur den Lebewesen im Wasser raubt die Fischerei die Existenzgrundlage: Überfischung nimmt besonders einfachen Fischern in Afrika die Lebensgrundlage, diese greifen auf Tiere wie Affen und andere Säugetiere des Festlands zurück. Die Tiere werden oft falsch zubereitet, die Menschen kommen in Kontakt mit Schlachtabfällen und somit auch mit Viren und Bakterien. Diese können auf den Menschen übergreifen.

Dies kann Krankheitsausbrüche, beispielsweise des Ebola-Virus, nach sich ziehen und als Ursprung einer lokalen Epidemie dienen.

Die Dokumentation zeigt ungeschönt, wie Fischfang betrieben wird und auch die Lücken der Industrie und Umweltorganisationen werden deutlich abgebildet. Viele Rezipienten wollen infolge auf den weiteren Konsum von Fisch verzichten.

Nachhaltig ernähren und auf Fisch verzichten: So geht's

Wer auf Fisch verzichtet, verzichtet auch auf wertvolle Omega-3-Fettsäuren, Jod und Vitamin D. Alternativen helfen, die Reserven aufzufüllen und einen nachhaltigen und gesunden Lebenswandel zu unterstützen.

Diese Lebensmittel liefern besonders viele Omega-3-Fettsäuren

  • Grünes Gemüse: Gemüse wie Rosenkohl, Bohnen, Avocado und Spinat liefern wichtige Omega-3-Fette.
  • Nüsse: Besonders Walnüsse sind echte Omega-3-Bomben. Das Öl der Walnuss enthält circa 13 Prozent Omega-3-Fette. Im Salat oder als Snack zwischendurch schmecken Walnüsse besonders gut.
  • Rapsöl oder Leinöl: Rapsöl verfügt mit zehn Prozent und Leindotter mit zirka 40 Prozent Omega-3-Fett über hohe Anteile. Achtung: Der Körper kann allerdings nur einen winzigen Anteil der wichtigen Fette umwandeln.
  • Heimische Fischarten: Es muss nicht zwingend auf Fisch verzichtet werden. Auch heimische Fischarten wie Forellen und Karpfen liefern viel Omega-3-Fette: Tipp: Heimische Fischereivereine verkaufen auch Fische oder können wertvolle Tipps zu regionalen Fischhändlern der Region geben.

Meerestiere liefern neben Omega-3 auch Jod und Vitamin D. Jodsalz, Hartkäse und Milchprodukte sind gute Jod-Lieferanten und eine Alternative zu Meeresfisch.

Vitamin D produziert der Körper am besten in den warmen Monaten beim direkten Aufenthalt in der Sonne. Bereits 30 Minuten täglich reichen aus, um die Vitamin-D-Speicher zu füllen.

Wer beispielsweise im Sommerurlaub im Meer nicht darauf verzichten kann, Garnelen, Muscheln und Fisch zu essen, sollte auf Regionalität achten und kleine heimische Restaurants wählen.

Fisch-Verzicht allein reicht nicht aus

Fisch-Verzicht allein wird nicht ausreichen, um den Klimawandel und die Folgen der Überfischung sofort zu stoppen. Auch die Politik und Umweltschutzorganisation müssen eingreifen und versuchen, strengere Kontrollen, Regeln und Sanktionen einzuführen.

Das Bewusstsein für die Umwelt, den eigenen Körper und nachhaltige gesunde Ernährung kann aber ein erster wichtiger Schritt sein, einen persönlichen Beitrag für die Umwelt zu leisten.

Aktualisiert: 07.04.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin