Umfrage: Arbeit in der Pflege macht krank

Spahn will bis zum nächsten Jahr bessere Bezahlung für Pflegekräfte

Viele Pflegekräfte fühlen sich übelastet

Arbeit in der Pflege macht krank: Nach einer Umfrage des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) sind Beschäftigte in der Krankenpflege im Jahr durchschnittlich 19,3 Tage arbeitsunfähig geschrieben, in der Altenpflege sind die Fehlzeiten mit 24,1 Tagen noch höher, wie die "Stuttgarter Nachrichten" und die "Stuttgarter Zeitung" am Montag vorab berichteten. Das liegt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 16,1 Ausfalltagen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die von ihm angestrebte bessere Bezahlung für Pflegekräfte bereits bis zum kommenden Jahr durchsetzen.

Eine Hauptursache für die hohen Fehlzeiten in den Pflegeberufen sind demnach psychische Störungen. Auch dort nehmen die Altenpfleger mit 4,5 Fehltagen einen Spitzenplatz ein, gefolgt von den Krankenpflegern mit 3,4 Fehltagen. Beschäftigte über alle Branchen hinweg kommen hingegen nur auf 2,3 Fehltage aufgrund psychischer Störungen.

Mehr als ein Drittel der befragten Pflegekräfte in Altenheimen (35,8 Prozent) bezweifelt, dass sie ihre Arbeit - gemessen am derzeitigen Gesundheitszustand - auch noch in den kommenden zwei Jahren ausüben können. In der Krankenpflege äußerte sich jeder vierte Befragte (26,2 Prozent) pessimistisch.

Spahn hatte nach seinem Amtsantritt als Gesundheitsminister wiederholt betont, die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte und die Personalsituation verbessern zu wollen. Damit mehr Pflegekräfte als bisher nach Tarif bezahlt werden können, will es die Koalition einfacher machen, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären. Damit würden dann in dem betreffenden Geltungsbereich auch bisher nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfasst.

Spahn sagte am Montag im Südwestrundfunk, besonders in der Altenpflege gebe es bisher keine einheitlichen Regelungen. Er wolle mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) "möglichst schnell zu einer Allgemeinverbindlichkeit von Tariflöhnen kommen". Die rechtliche Schwierigkeit bestehe darin, dass viele kirchliche Träger keinen klassischen Tarifvertrag haben. "Die zahlen wie Tarif, aber sind eine eigene Rechtskonstruktion." Der CDU-Politiker hält dies aber für "lösbar".

Der Pflegenotstand in Deutschland ist ein Schwerpunktthema der Bundesregierung. Nach kürzlich veröffentlichten Zahlen fehlen hierzulande mindestens 35.000 Pflegekräfte. In der Altenpflege sind rund 23.000 Stellen offen, in der Krankenpflege fehlen mehr als 12.000 Fachkräfte und Helfer. Experten gehen teilweise aber von einem weitaus höheren Bedarf aus.

Die Koalition plant zunächst ein Sofortprogramm zur Schaffung 8000 zusätzlicher Stellen in der Pflege. Spahn sieht das aber nur als ersten Schritt. Er will deutlich mehr Pflegestellen schaffen als bisher geplant.

Angesichts des Pflegenotstand in Altenheimen und Krankenhäusern forderten die Grünen neben einem Wiedereinstiegsprogramm für Fachkräfte auch eine Weiterbildungsoffensive für Pflegehilfskräfte. Für beides müsse die Bundesregierung "dringend Geld in die Hand nehmen", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dem "Tagesspiegel". Damit könnten tausende Pflegekraftstellen besetzt werden.

Veröffentlicht: 08.05.2018 – Quelle: Agence-France-Presse