Großteil der Flüchtlinge in Deutschland hat traumatische Erlebnisse hinter sich

AOK-Studie zeigt vielfältige gesundheitliche Schäden

Flüchtlinge in Hessen

Rund drei Viertel der in Deutschland lebenden Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan sind einer Studie zufolge nach Gewalterlebnissen traumatisiert. In der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) gaben 74,7 Prozent der Schutzsuchenden aus den drei Ländern an, Gewalt in unterschiedlichen Formen persönlich erlebt zu haben. Frauen und Männer waren in etwa gleich betroffen. 

60 Prozent der Befragten, die Angaben zu traumatischen Ereignissen gemacht haben, nannten Kriegserlebnisse, 40 Prozent Angriffe durch Militär oder Bewaffnete. Nur weniger als ein Viertel (22,5 Prozent) der Befragten hat keine dieser traumatischen Erfahrungen selbst erlebt.

Mehrfachtraumatisierungen sind dagegen häufig: 16,3 Prozent aller Befragungsteilnehmer gaben nur ein traumatisches Erlebnis an, 15,1 Prozent berichten von zwei Traumata und 12,5 Prozent geben drei Traumata an. 30,7 Prozent berichteten über mehr als drei traumatische Erlebnisse.

Im Vergleich zu Asylbewerbern, denen diese Erfahrungen erspart geblieben sind, berichteten die Traumatisierten mehr als doppelt so häufig über körperliche und psychische Beschwerden. Dabei traten vor allem psychische Beschwerden wie Mutlosigkeit, Traurigkeit, Bedrückung (42,7 Prozent) und Nervosität, Unruhe (42,9 Prozent) auf. Erst danach folgten körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen (36,6 Prozent) oder Kopfschmerzen (36,4 Prozent). 

"Geflüchtete müssen bei der Aufarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse angemessen unterstützt werden", erklärte der stellvertretende Wido-Geschäftsführer Helmut Schröder. "Hier könnten auf Traumabehandlung spezialisierte Einrichtungen sowie Therapeuten helfen."  

Für die Studie befragte das AOK-Institut bundesweit 2021 Asylbewerber aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Aus diesen Ländern stammten mehr als die Hälfte aller Erstasylanträge zwischen Januar 2015 und Mai 2018. Alle Befragten waren mindestens 18 Jahre alt, bis zu zwei Jahre in Deutschland und lebten noch in Aufnahmeeinrichtungen.

Veröffentlicht: 31.10.2018 – Quelle: Agence-France-Presse