Chinesischer Wissenschaftler will erste genveränderte Babies kreiert haben

International Zweifel und Kritik an angeblichem medizinischen Durchbruch

Labor

Ein chinesischer Wissenschaftler will nach eigenen Angaben die ersten genveränderten Menschenbabys kreiert haben. Der Universitätsprofessor He Jiankui veröffentlichte ein Video im Online-Portal Youtube, in dem er angibt, dass bei den vor einigen Wochen geborenen Zwillingsmädchen die DNA so verändert worden sei, dass sie und nachfolgende Generationen vor einer HIV-Infektion geschützt seien. International stieß die Ankündigung auf Zweifel und scharfe Kritik.

Das Fachblatt "MIT Technology Review" hatte am Sonntag zunächst über den Fall berichtet. Daraufhin stellte He sein Video ins Netz. He gibt an, die Babys mit den Pseudonymen "Lulu" und "Nana" seien durch künstliche Befruchtung gezeugt worden, wobei das sogenannte Crispr/Cas9-Gentechnikverfahren zum Einsatz gekommen sei.

Eine unabhängige Bestätigung des angeblichen medizinischen Durchbruchs gibt es bislang nicht. Experten in aller Welt meldeten Zweifel an, zudem wurde heftige Kritik angesichts moralischer Fragen laut. Ein Youtube-Video sei nicht der richtige Weg, um wissenschaftliche Erkenntnisse bekanntzugeben, hieß es. Es sei unverantwortlich, gesunde Embryonen und Kinder einem Gentechnikverfahren auszusetzen. Eine Gruppe von hundert Wissenschaftlern in China verurteilte Hes Arbeit in einer Erklärung und forderte eine bessere Gesetzgebung.

He studierte an der Stanford Universität in den USA und arbeitet von einem Labor im südchinesischen Shenzhen aus. Nach Angaben der Southern University of Science and Technology, an der He arbeitet, befindet sich der Professor seit Februar im unbezahlten Urlaub. Seine Forschung sei eine "ernsthafte Verletzung akademischer Ethik und Normen", erklärte die Hochschule. Seine Arbeit habe er außerhalb der Universität vorangetrieben. He selbst war auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Veröffentlicht: 27.11.2018 – Quelle: Agence-France-Presse