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Rekordanstieg der Todesopfer durch Covid-19 in China sorgt für Beunruhigung

Ausweitung von Schutzvorkehrungen erscheint auch in anderen Ländern dringlicher

Medizin-Personal in einem Rote-Kreuz-Zentrum in Wuhan

Rekordanstieg bei den Fallzahlen und erste größere Quarantäne-Maßnahmen außerhalb Chinas: Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus ist ein Ende der Krise noch lange nicht in Sicht. Die Zahl der Infizierten in China stieg am Donnerstag nach Behördenangaben drastisch um über 14.800 auf fast 60.000, mehr als 1300 Menschen starben bereits. Die EU-Gesundheitsminister berieten in einer Sondersitzung in Brüssel über Vorkehrungen gegen Covid-19 und den Umgang mit möglichen Medikamentenengpässen.

Die nun gemeldeten 242 weiteren Toten in der besonders hart getroffenen Provinz Hubei waren der mit Abstand stärkste Anstieg der Todesfälle innerhalb eines Tages seit Ausbruch der Epidemie im Dezember. In Festlandchina wurden damit insgesamt 1355 Todesopfer gezählt sowie fast 60.000 Infektionen. Nur wenige Stunden vor Bekanntgabe der neuen Toten- und Krankenzahlen hatte Staatschef Xi Jinping die "positiven Ergebnisse" der von den Behörden getroffenen Maßnahmen gegen das Virus gepriesen.

Die jüngste besonders deutliche Zunahme der Toten- und Infektionszahlen hängt nach Behördenangaben damit zusammen, dass das Virus in China mittlerweile nicht mehr unbedingt durch einen Nukleinsäure-Test nachgewiesen werden muss, sondern die Diagnose auch auf Grundlage von Röntgenbildern der Lunge gestellt werden kann. Dadurch sollen Infizierte schneller Zugang zu einer Behandlung erhalten.

Die weiterhin rasante Ausbreitung des Coronavirus führte zu ersten größeren personellen Konsequenzen im politischen Apparat der Volksrepublik. Die Chefs der Kommunistischen Partei von Hubei und der dortigen Millionenmetropole Wuhan wurden abgelöst, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. 

Die Kritik der chinesischen Bevölkerung am Umgang der Behörden mit der Epidemie war zuletzt wegen des Todes des jungen Augenarztes Li Wenliang in Wuhan lauter geworden, der als einer der Ersten vor dem neuartigen Virus gewarnt hatte und später selbst daran gestorben war.

Auch außerhalb Chinas sorgt das Virus für Beunruhigung. Es gibt inzwischen mehr als 400 Infektionsfälle in rund 25 Ländern, darunter 16 nachgewiesene Ansteckungen in Deutschland.

Aus Angst vor einer Ausbreitung von Covid-19 wurden in Vietnam mehrere Dörfer mit insgesamt rund 10.000 Einwohnern für zunächst 20 Tage unter Quarantäne gestellt. Die Behörden ließen die rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Hanoi entfernte Kommune Son Loi abriegeln, zu der mehrere Dörfer gehören. Es handelt sich um die erste größere Quarantänezone außerhalb Chinas.

Die EU-Gesundheitsminister berieten am Donnerstag in Brüssel über Konsequenzen aus der Epidemie. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schloss nicht aus, "dass aus der bisher regional begrenzten Epidemie in China eine weltweite Pandemie werden" könne.

Einen Alleingang Deutschlands bei der Einführung von Reisebeschränkungen und verschärften Flughafenkontrollen lehnte Spahn ab. Aufgrund der offenen Grenzen in Europa "macht eine Entscheidung national nur für Deutschland in dieser Frage keinen Sinn", sagte er zum Auftakt der Beratungen. Tschechiens Gesundheitsminister Adam Vojtech schloss bei einer Verschärfung der Situation auch Reisebeschränkungen im Schengenraum nicht aus.

Ein weiteres zentrales Thema der Beratungen waren mögliche medizinische Versorgungsengpässe wegen Produktionsunterbrechungen bei Pharmaherstellern in China. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sieht derzeit keine Engpässe, prüft aber das Risiko mittelfristiger Einschränkungen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsparteien im EU-Parlament, Peter Liese (CDU), sagte, die Folgen des Coronavirus könnten die Gefahr einer Antibiotika-Knappheit auch in Europa erhöhen.

Die größte bekannte Verbreitung des Virus außerhalb Chinas gibt es bislang auf einem Kreuzfahrtschiff, das seit vergangener Woche in Japan unter Quarantäne steht. Unter den 3711 Menschen auf der "Diamond Princess" wurden inzwischen 218 positiv auf den Erreger getestet, wie das japanische Gesundheitsministerium mitteilte. 

Das US-Kreuzfahrtschiff "Westerdam" sollte nach Behördenangaben nach seiner Abweisung durch fünf asiatische Häfen aus Furcht vor Covid-19 am Freitag in Kambodscha endlich vor Anker gehen.

Veröffentlicht: 14.02.2020 – Quelle: Agence-France-Presse