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Drastische Maßnahmen gegen Coronavirus auch in Europa - Venedig bricht Karneval ab

IWF warnt vor Auswirkungen der Epidemie auf Weltwirtschaft

Frauen mit Atemschutzmasken in Mailand

Drakonische Maßnahmen in Kampf gegen das Coronavirus nun auch in Europa: In Norditalien haben die Behörden elf Städte abgeriegelt, der berühmte Karneval von Venedig wurde am Sonntag vorzeitig abgebrochen. Bislang infizierten sich in der Region nach Behördenangaben 132 Menschen, drei von ihnen starben. Südkorea verhängte wegen eines Anstiegs der Infektionsfälle auf mehr als 550 die höchste Seuchenalarmstufe. In China sprach Staatschef Xi Jinping von der größten Gesundheitskrise seit der Staatsgründung 1949.

Sämtliche Veranstaltungen des Karnevals sowie alle Sportveranstaltungen würden bis zum 1. März abgesagt, erklärte der Regionalpräsident von Venetien, Luca Zaia, am Sonntag. Der Lega-Politiker äußerte sich zudem "besorgt" darüber, dass die Ursache des Coronavirus-Ausbruchs in Italien bisher noch unbekannt sei. Der neuartige Erreger habe sich möglicherweise viel weiter ausgebreitet als angenommen.

Angesichts des rasanten Anstiegs bei den Infektionsfällen hatte die italienische Regierung am Samstagabend die Isolierung von insgesamt elf Städten in Norditalien angeordnet. 52.000 Menschen stehen praktisch unter Quarantäne. 

Zentrum der Epidemie ist die 15.000-Einwohner-Stadt Codogno rund 60 Kilometer südlich von Mailand. Dort wurde das Virus offenbar von einem Mitarbeiter des Konzerns Unilever weiterverbreitet. Der 38-Jährige steckte seine hochschwangere Frau an sowie Fußball-Kameraden und medizinisches Personal. 

Ein weiterer Infektionsherd ist das Dorf Vo'Euganeo nahe Padua in der Region Venetien. Dort war am Freitag ein infizierter 78-Jähriger gestorben - er war das erste europäische Todesopfer des neuartigen Coronavirus in Europa. Am Samstag starb eine alte Frau nahe Codogno. Am Sonntag gaben die Behörden in der Lombardei den Tod einer 78-jährigen Krebspatientin bekannt, bei der ebenfalls das Coronavirus nachgewiesen worden war.

In Codogno waren die Straßen am Samstagabend wie leergefegt, wie AFP-Reporter berichteten. "Wir haben alle Angst", sagte Apothekerin Rosa Cavalli. Außer einer Ausbreitung des Virus fürchte sie auch Versorgungsengpässe.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es am Sonntag, die deutsche Botschaft und die Konsulate in Italien stünden mit den italienischen Behörden in Kontakt für den Fall, dass die Maßnahmen auch Deutsche beträfen.

Das neuartige Coronavirus war im Dezember in China erstmals bei Menschen festgestellt worden. Seitdem infizierten sich dort knapp 77.000 Menschen mit dem Erreger der Lungenkrankheit Covid-19, mehr als 2300 Infizierte starben. Chinas Staatschef Xi räumte am Sonntag Versäumnisse im Umgang mit der Epidemie ein und forderte die Behörden auf, daraus zu lernen.

In Südkorea verhängte Staatschef Moon Jae In wegen des Virus die höchste Seuchenalarmstufe. Die Zahl der Neuinfizierten stieg dort auf 556. Südkorea ist damit das Land mit der höchsten Fallzahl nach China. Die Zahl der Todesopfer stieg auf vier.

Ausgangspunkt eines Großteils der Infektionen in Südkorea ist die Shincheonji Church of Jesus. Eine 61-jährige Anhängerin der christlichen Sekte hatte nach Behördenangaben die Virustests zunächst verweigert und war weiter zu Gottesdiensten in der südlichen 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt Daegu gegangen.

Ein weiterer Infektionsherd außerhalb Chinas ist das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" in Japan. Nach einer zweiwöchigen Quarantäne durften seit Mittwoch rund 970 Passagiere das Schiff verlassen, die negativ auf das neuartige Coronavirus getestet worden waren. Bei mehreren Passagieren wurde das Virus nach ihrer Heimkehr dann aber doch nachgewiesen. Am Sonntag meldete das japanische Gesundheitsministerium den Tod eines dritten japanischen "Diamond Princess"-Passagiers.

Im Iran stieg die Zahl der Infizierten auf 43; acht von ihnen starben laut Gesundheitsministerium. 

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte am Sonntag vor den Auswirkungen der Epidemie auf die Weltwirtschaft. Sie habe den Finanzministern der G20 bei einem Treffen in Riad mitgeteilt, dass das für das Jahr 2020 erhoffte Weltwirtschaftswachstum von 3,3 Prozent durch das Coronavirus gefährdet sei, teilte IWF-Chefin Kristalina Georgieva mit. Selbst im Falle einer schnellen Eindämmung des Virus werde sich der Ausbruch auf die Wirtschaftsleistung in China und weltweit auswirken, fügte sie hinzu.

Veröffentlicht: 24.02.2020 – Quelle: Agence-France-Presse