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Deutsche Kliniken erhöhen Zahl von Intensivbetten auf rund 40.000

Mundschutzstreit: Krankenhaushygieniker halten selbstgenähte Masken für effektiv

Bett mit Beatmungsgerät in der Universitätsklinik Eppendorf

Wegen der Corona-Krise haben die Kliniken in Deutschland die Zahl der Intensivbetten von etwa 28.000 auf rund 40.000 erhöht. Etwa 30.000 und damit drei Viertel davon seien mit Beatmungsgeräten ausgerüstet, sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. In der Debatte über die Notwendigkeiten eines Mundschutzes in der Öffentlichkeit gehen die Meinungen weiter auseinander.

Angesichts der erwarteten Zunahme von Corona-Patienten in den Kliniken soll die Zahl der Intensivbetten auf etwa 56.000 verdoppelt werden. Gaß zufolge sind derzeit etwa 2000 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt.

Der DKG-Chef verwies darauf, dass mit der Zahl der Intensivbetten auch die Zahl der Betten mit Beatmungsgerät seit Beginn der Pandemie von etwa 20.000 auf mittlerweile rund 30.000 gestiegen sei. Gaß gab sich "zuversichtlich", dass in den kommenden zwei Wochen für alle Covid-19-Patienten, die beatmet werden müssen, ein Gerät zur Verfügung stehen werde.

In der Debatte um die Notwendigkeit von Schutzmasken in der Bevölkerung raten führende Hygieniker zum Tragen eines einfachen Mund-Nase-Schutzes, weil dieser effektiv vor einer Corona-Ansteckung schütze. Wer angehustet werde und einen Mundschutz trage, "schützt sich vor dem größten Teil der Tröpfchen, die im Tuch oder Stoff hängen bleiben", sagte Peter Walger, Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Beim Spazierengehen brauche aber niemand eine Maske, wenn ein Abstand von etwa eineinhalb Metern eingehalten werde.

Die DGKH widerspricht damit teilweise dem Robert-Koch-Institut. Auf der RKI-Website heißt es es zwar aktuell, das vorsorgliche Tragen von Behelfsmasken auch durch Menschen ohne Symptome könne dazu beitragen, das Risiko einer Ansteckung für andere zu verringern, weil die Geschwindigkeit der ausgehusteten Tröpfchen reduziert werde. Eine solche Schutzwirkung sei aber "bisher nicht wissenschaftlich belegt". Keine hinreichenden Belege gibt es laut RKI dafür, dass ein Mund-Nasen-Schutz oder eine Behelfsmaske einen selbst vor einer Ansteckung durch andere schützt.

Eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes, wie sie ab kommender Woche im thüringischen Jena oder im Landkreis Nordhausen gilt, lehnen die Krankenhaushygieniker ab. "Sie würde dazu führen, dass wir denjenigen Masken entziehen, die sie dringender benötigen, etwa Pflegekräften und Krankenhauspersonal", sagte Walger. 

Nach einer Forsa-Umfrage für die RTL-Mediengruppe befürworten 57 Prozent der Deutschen eine allgemeine Atemmaskenpflicht. 35 Prozent lehnen dies ab. Zugleich glaubt rund ein Viertel der Befragten (26 Prozent), dass sie sich durch Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch selbst vor Infektionen schützen. Dies ist Fachleuten zufolge aber nicht der Fall.

DKG-Präsident Gaß appellierte erneut an die Unternehmen, Schutzkleidung für das medizinische und Pflegepersonal zu produzieren. Den Verband erreichten fast täglich Notrufe von Kliniken. "Wenn wir unsere Mitarbeiter nicht mehr schützen können, dann verlieren wir diejenigen, die wir für die Versorgung der Patienten unbedingt brauchen", sagte er der "Rheinischen Post".

Veröffentlicht: 03.04.2020 – Quelle: Agence-France-Presse