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Europäische Studie "Discovery" plant auch wieder Hydroxychloroquin-Tests

US-Studie: Malariamittel schützt nicht vor einer Infektion

Europäische Studie "Discovery" plant auch wieder Hydroxychloroquin-Tests

Die Verantwortlichen der europäischen Studie  "Discovery" zu Behandlungsmethoden bei Covid-19 erwägen, wieder Hydroxychloroquin-Patienten in ihre Testreihe aufzunehmen. Das teilte die französische staatliche Forschungseinrichtung Inserm der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag mit. Die Aufnahme war vorübergehend ausgesetzt worden, nachdem eine kontroverse Studie zu dem Schluss gekommen war, dass Hydroxychloroquin Covid-19-Patienten zusätzlich gefährden könnte. Neue Untersuchungen von US-Wissenschaftlern zeigen derweil, dass Hydroxychloroquin Kontaktpersonen von Covid-19-Erkrankten nicht vor einer Ansteckung schützt.

Mehrere Länder hatten nach Erscheinen der umstrittenen Studie die Behandlung von Covid-19-Patienten mit dem aus der Malaria-Therapie bekannten Mittel untersagt. Die WHO setzte eigene klinische Tests zur Wirksamkeit des Medikaments vorübergehend vollständig aus. Nach massiver Kritik an der Methodik der Studie hat sich die Fachzeitschrift "Lancet", die den Artikel veröffentlicht hatte, inzwischen allerdings davon distanziert.

Ein Komitee unabhängiger Experten, das für die Analyse der Zwischenergebnisse von "Discovery" verantwortlich ist, habe nun die Fortsetzung der Studie "wie ursprünglich geplant" empfohlen, teilte Inserm am Donnerstag mit. Die Entscheidung werde in Absprache mit den Behörden in den an der Studie beteiligten Ländern getroffen. 

An der Studie "Discovery" nehmen Patienten in Frankreich, Deutschland, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien teil. Untersucht wird die Wirkung der Mittel Hydroxychloroquin, Remdesivir, Lopinavir sowie Ritonavir mit oder ohne die Wirkstoffe Interferon Beta.

Eine Studie von Wissenschaftlern der University of Minnesota kommt derweil zu dem Schluss, dass Hydroxychloroquin Kontaktpersonen von Covid-19-Erkrankten nicht vor einer Infektion schützt. Für die im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Studie wurden 821 Teilnehmer in den USA und Kanada untersucht. 

Die Betroffenen hatten sich - mehrheitlich ohne Mund- und Augenschutz - länger als zehn Minuten in einer Entfernung von höchstens zwei Metern in der Nähe eines nachweislich Infizierten aufgehalten. Rund die Hälfte der Kontaktpersonen wurde im Anschluss mit Hydroxychloroquin behandelt, die andere Hälfte mit einem Placebo.

Bei 49 der 414 Hydroxychloroquin-Patienten (rund 11,83 Prozent) wurde innerhalb von zwei Wochen nach dem Kontakt die Lungenkrankheit Covid-19 nachgewiesen. Bei der Placebo-Gruppe waren es 58 von 407 Teilnehmern (rund 14,25 Prozent). Der Unterschied von 2,4 Prozentpunkten wurde von den Forschern nicht als statistisch signifikant angesehen. Damit zeige Hydroxychloroquin "keinen signifikanten Nutzen" bei der vorbeugenden Behandlung gegen Covid-19, folgerten die Studienautoren.

Bei den Hydroxychloroquin-Patienten traten demnach häufiger Nebenwirkungen (40,1 Prozent) auf als bei den Placebo-Patienten (16,8 Prozent), allerdings waren diese nicht schwerwiegend.

Bei der Studie handelte es sich um eine randomisierte kontrollierte Studie, die als "Goldstandard" in der medizinischen Forschung gilt. Martin Landray, Professor für Medizin und Epidemiologie an der University of Oxford, hält dennoch weitere Studien für erforderlich, um die Wirkung von Hydroxychloroquin zu bestimmen. "Die Studie ist zu klein, um eindeutig zu sein", erklärte Landray.

Veröffentlicht: 04.06.2020 – Quelle: Agence-France-Presse