Johnson & Johnson verschiebt Auslieferung von Corona-Impfstoff in Europa

USA setzen wegen vereinzelter Fälle von Blutgerinnseln J&J-Impfungen aus

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson

Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen verschiebt der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson die Auslieferung seines Corona-Impfstoffs in Europa. "Wir haben die Entscheidung getroffen, die Markteinführung unseres Impfstoffs in Europa proaktiv aufzuschieben", erklärte der Konzern am Dienstag. Zuvor hatten die Behörden in den USA eine Aussetzung der Impfungen mit dem J&J-Vakzin empfohlen, nachdem vereinzelte Fälle von seltenen Blutgerinnseln gemeldet worden waren.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte bereits vergangene Woche von vier Thrombosefällen nach J&J-Impfungen in den USA berichtet. Ein Fall verlief tödlich. Die US-Arzneimittelbehörde FDA erklärte daraufhin zunächst, bislang keine Beweise für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Blutgerinnseln gefunden zu haben.

Am Dienstag empfahlen die FDA und die US-Gesundheitsbehörde CDC dann "vorsichtshalber" eine "Pause" bei den Impfungen, bis eine Untersuchung zu den Blutgerinnseln abgeschlossen sei. Die Behörden sprachen von sechs Fällen bei mehr als 6,8 Millionen gespritzten Impfdosen.

Betroffen waren demnach Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren. Die Nebenwirkungen - Blutgerinnsel und ein Rückgang der Blutplättchen - traten demnach sechs bis 13 Tage nach der Impfung auf. Ein Expertengremium wird sich am Mittwoch mit den Nebenwirkungen befassen. Nach der Ankündigung der US-Behörden verkündete J&J die Verschiebung der Auslieferung an die Europäische Union.

Der J&J-Impfstoff hatte in den USA Ende Februar eine Notfallzulassung erhalten. Mitte März wurde das Vakzin dann auch in der EU zugelassen. Anders als in den USA ist der Impfstoff in der Europäischen Union aber noch nicht im Einsatz. 

Die EU-Kommission war zuletzt davon ausgegangen, dass der Impfstoff ab dem kommenden Montag an die EU geliefert wird. Insgesamt sollten im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen geliefert werden. Anders als bei den anderen bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen ist bei dem Vakzin nur eine Impfspritze für einen umfassenden Schutz nötig. Außerdem ist die Lagerung und Auslieferung vergleichsweise einfach.

Der J&J-Impfstoff war deswegen auch in den USA immer mehr eingesetzt worden. Der Corona-Koordinator des Weißen Hauses, Jeff Zients, erklärte am Dienstag aber, die Pause werde keine "bedeutsamen Auswirkungen auf unseren Impfplan" haben. 

Bislang mache das J&J-Vakzin weniger als fünf Prozent der verabreichten Impfdosen aus. Außerdem habe die Regierung ausreichend Impfdosen der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna gesichert, um nahezu die gesamte US-Bevölkerung zu impfen.

Allerdings könnten die Blutgerinnsel-Fälle das Vertrauen in die neuen Corona-Impfstoffe grundsätzlich untergraben - besonders bei jenen Bevölkerungsgruppen, die den Vakzinen ohnehin skeptisch gegenüberstehen.

In den vergangenen Wochen haben in Europa bereits Blutgerinnsel beim Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens Astrazeneca für Schlagzeilen gesorgt. Die EMA hat einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Astrazeneca-Vakzin und dutzenden, teilweise auch tödlichen Thrombose-Fällen untersucht. Sie kam zu dem Schluss, dass der Nutzen der Impfung das Risiko überwiege, und empfahl lediglich, Blutgerinnsel künftig als "sehr seltene Nebenwirkung" des Impfstoffs aufzuführen.

Bei den Vakzinen von Astrazenca und J&J handelt es sich um sogenannte Vektorvirenimpfstoffe. Dabei transportiert ein ungefährliches Virus genetische Information für ein bestimmtes Eiweiß des Coronavirus.

Veröffentlicht: 13.04.2021 – Quelle: Agence-France-Presse