Sinusvenenthrombose: Krebsmedikamente könnten Impfreaktion verhindern

Vielseitig einsetzbar: Medikamente, welche in der Krebstherapie zum Einsatz kommen, können die gefährliche Thrombenbildung nach der Impfung mit den vektorbasierten Vakzinen von AstraZeneca oder Johnson & Johnson unterbinden.

Animierte Thrombose
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Erste Laborexperimente weisen auf Wirkung der Arzneimittel bei einer Thrombozytopenie hin.

Impfkomplikation VITT: Krebsmedikamente mögliche Behandlungsmethode

Tyrosinkinaseinhibitoren, welche meist in der Krebstherapie eingesetzt werden, sollen die gefährliche, vakzininduzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT) abwenden, welche auslösend für die gefährliche Sinusvenenthrombose im Gehirn nach einer Impfung ist.

Die Thrombozytopenie wird durch ein verändertes Eiweiß der Blutplättchen (Plättchenfaktor 4) ausgelöst. Das Immunsystem beginnt in Folge dieser Veränderung, Antikörper gegen das Eiweiß zu produzieren und aktiviert somit die Blutplättchen. Diese verklumpen und verstopfen einerseits die Blutgefäße (Thrombosen), andererseits sinkt die Zahl der freien Blutplättchen, was die Bildung von Gerinnseln oder inneren Blutungen begünstigt.

Um die gefährliche Impfreaktion zu verhindern, werden in der Regel intravenöse Immunglobuline (IGG) eingesetzt, eine weitere Möglichkeit ist der Austausch von Blutplasma.

Laborexperimente zeigen nun, dass der Zusatz der BTK-Inhibitoren Ibrutinib oder Fenebrutinib die Reaktion ebenfalls neutralisieren könnte. Auch die Krebsmedikamente Entospletinib und Rilzabrutinib (beide noch nicht zugelassen) sowie Dasatinib zeigen in ersten Experimenten eine starke Wirkung gegen die Impfreaktion.

Ibrutinib und Dasatinib sind bereits in der Krebstherapie im Einsatz – die weiteren Medikamente werden aktuell in klinischen Studien analysiert. Um die Medikamente auch gegen die VITT einsetzen zu könnten, müssen sie zunächst ebenfalls in klinischen Studien erprobt werden.

Aktualisiert: 18.11.2021
Autor*in: Alexandra Maul, News-Redakteurin