Gesetzliche Krankenversicherung

Erfassung der Krankenversicherungsdaten beim Arzt © istockphoto, kzenon

Die gesetzliche Krankenversicherung gehört zum deutschen Sozialversicherungssystem. Für den Großteil der Arbeitnehmer in Deutschland ist sie eine verpflichtende Versicherung. Pflichtversichert sind alle Arbeitnehmer, deren Bruttoeinkommen unter 4.162,50 Euro im Monat beziehungsweise 49.950 Euro im Jahr liegt. Ehepartner und Kinder in der Ausbildung bis 25 Jahre mit einem Einkommen von höchstens 400 Euro im Monat können ohne zusätzliche Beiträge mitversichert werden.

Versicherungspflicht

Eine freiwillige Mitgliedschaft ist unter bestimmten Voraussetzungen auch für Beamte, Freiberufler sowie gut verdienende Arbeitnehmer möglich. Im Zuge der Gesundheitsreform aus dem Jahr 2007 wurde festgelegt, dass jede Person mit Wohnsitz beziehungsweise gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland krankenversichert sein muss. Diese Versicherungspflicht gilt auch rückwirkend. Nach § 175 SGB V können Versicherte sich ihre Krankenkasse selbst aussuchen.

Eine Zuordnung der Krankenkassen nach Berufsstand, wie es früher üblich war, findet heute nicht mehr statt. Die gesetzliche Krankenversicherung muss grundsätzlich jeden Kunden aufnehmen. Eine Ausnahme sind Personen, die das 55. Lebensjahr überschritten haben und vorher nicht versicherungspflichtig waren. Ihnen kann die Aufnahme verweigert werden. Der Versicherungsschutz gesetzlicher Krankenkassen gilt auch in anderen EU-Staaten sowie Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat.

GKV: Beitrag

Seit dem 1.1.2009 können Krankenkassen ihre Beiträge also nicht mehr selbstständig festlegen. Sattdessen müssen sie den von der Bundesregierung einheitlich vorgeschriebenen Beitragssatz des Bruttoeinkommens jedes Versicherten verlangen. Dieser wird seit dem 01. Juli 2005 nicht mehr paritätisch finanziert. Arbeitnehmer zahlen seit dem 01. Januar 2011 8,2 und Arbeitgeber 7,3 Prozentpunkte des Bruttolohnes, so dass der Beitragssatz damit 14,915,5 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens beträgt. Wirtschaftet eine Kasse erfolgreich, können Beiträge zurückerstattet werden.

Andersrum können die Kassen auch monatliche Zusatzbeiträge verlangen – ein Sozialausgleich soll hier zu hohe Belastungen für den Einzelnen verhindern. Einige Kassen haben außerdem spezielle Wahltarife im Angebot, bei denen Beiträge zurückerstattet werden, wenn keine Leistungen in Anspruch genommen wurden. Die Abrechnung erfolgt nach dem Sachleistungsprinzip. Ärzte, Kliniken und andere medizinische Dienstleister rechnen die Kosten direkt mit der entsprechenden Krankenkasse ab.

GKV: Leistungen

Ein Vergleich der vielen verschiedenen Krankenkassen ist seit der Einführung der Krankenkassenreform sehr schwierig. Seit 2009 der Beitragssatz als Hauptunterscheidungskriterium weggefallen ist, versuchen sich die Krankenkassen mit anderen Mitteln voneinander abzugrenzen. Dies geschieht durch Prämien-Rückzahlungen, Wahltarife, Bonusprogramme oder Zusatzleistungen.

Etwa 95 Prozent der Krankenkassenleistungen unterscheiden sich nicht wesentlich, da sie einheitliche Mindestleistungen anbieten. Dieser Leistungsumfang ist im Sozialgesetzbuch festgelegt und wird von der Krankenkasse übernommen. Jedoch besitzen die Krankenkassen einen gewissen Spielraum, was Zusatzleistungen angeht. So bieten manche Kassen auch Präventionsleistungen wie Vorsorge-Kuren oder Gesundheitskurse an, die nicht im Pflichtkatalog enthalten sind.

Aktualisiert: 26.06.2012 – Autor: Astrid Zehbe

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