Reisekrankheit bei Kindern – was tun?

Reisekrankheit im Auto © JESHOOTS

Jedes Jahr zur Urlaubszeit das Gleiche: Das Kind kommentiert nicht nur die lange Fahrt mit einem ständigen "Sind wir bald da?", sondern klagt nach einiger Zeit im Auto über Übelkeit. Beruhigend, wenn dann gerade eine Ausfahrt in der Nähe ist; viele Eltern haben zur Sicherheit immer einen Satz Plastiktüten dabei. Doch es gibt Hilfsmittel, damit es gar nicht erst soweit kommt.

Symptome von Reisekrankheit

Viele Menschen kennen das flaue Gefühl in der Magengegend, das bei längeren Autofahrten oder auf dem Schiff das Wohlbefinden ganz erheblich stören kann. Das Gehirn ist verwirrt von den verschiedenen Signalen, die von den Augen ("unbeweglicher Raum") und dem Gleichgewichtsorgan ("es schaukelt") gesendet werden – und reagiert mit Übelkeit, schlimmstenfalls Erbrechen.

Bei Kindern ist etwa ab dem 2. Lebensjahr das Gleichgewichtsorgan fertig entwickelt. Ab dann können sie genauso reisekrank werden wie Erwachsene. Schaukeln und Karussellfahren ist kein Problem, aber das starke Beschleunigen und Bremsen in einem Raum, in dessen Innern sich nichts bewegt, führt auch bei Kindern oft zu Schwindel, Übelkeit und Brechreiz. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch Tätigkeiten, die eigentlich ablenken sollen – zum Beispiel Lesen oder Spielen.

Reisekrankheit bei Kindern vorbeugen

Für alle Beteiligten am angenehmsten ist es, wenn es gar nicht erst zu solchen Attacken kommt. Hier ein paar allgemeine Tipps, wie sich vorbeugen lässt:

  • Können Sie vielleicht nachts fahren? Dann macht oft auch das Gleichgewichtssystem eine Pause und reagiert weniger empfindlich auf äußere Reize. Im besten Fall verschläft Ihr Kind die kritische Situation.
  • Ein leerer Magen ist anfälliger für die Reiskrankheit. Starten Sie deshalb mit einer kleinen, leichten Mahlzeit. Gut geeignet sind Obst, Zwieback und Brot.
  • Lassen Sie Ihr Kind – am besten in Fahrtrichtung – aus dem Fenster schauen und dabei einen entfernten Punkt fixieren. Vielleicht mag es Berge oder Wolken zählen? Zum Ablenken kann es dabei gleichzeitig ein Hörspiel oder Musik hören (mit Kopfhörern). Lesen? Besser nicht!
  • In einem anderen Fortbewegungsmittel (Bus, Flugzeug, Schiff) wählen Sie am besten einen Platz in der Mitte – dort ist die Bewegung am geringsten.
  • Planen Sie ausreichend Pausen ein (mindestens alle 2 Stunden): zum Entspannen, Austoben, Sauerstofftanken und Lüften. Gegen ein Kleinigkeit zu Essen spricht auch nichts – aber bitte keine großen Mahlzeiten.
  • Die Kleidung sollte bequem sein und darf nicht einengen.
  • Falls Sie Raucher sind: Bitte nicht im Fahrzeug rauchen!
  • Schlaf: Gehen Sie alle ausgeruht auf große Fahrt. Wer schon vor Reiseantritt müde ist, kann schneller reisekrank werden. Und ist eher gereizt!
  • Während der Fahrt Kaugummis kauen oder Bonbons lutschen. Besonders empfehlenswert sind Präparate mit Pfefferminz oder Ingwer. Deren Wirkung gegen Übelkeit ist schon lange bekannt.

Tipp: Bereiten Sie vorab daraus einen Tee – Pfefferminz schmeckt wohl den meisten Kindern besser als Ingwer. Der lässt sich schlückchenweise auch während der Fahrt trinken.

Reisekrankheit mit Medikamenten entgegensteuern

Ist Ihr Kind anfällig, reisekrank zu werden, lassen sich auch vorbeugend Medikamente geben. Der Wirkstoff Dimenhydrinat (zum Beispiel in Vomex®, Vomacur®) wirkt häufig gut, ist gut verträglich, macht allerdings etwas müde. Für kleinere Kinder liegt er in Form von Zäpfchen vor, ältere bekommen Tabletten oder Tropfen. Gegeben werden die Präparate eine halbe Stunde vor Fahrtantritt. Als Kaugummi (zum Beispiel Superpep®) wirkt Dimenhydrinat besonders schnell und kann damit sogar erst bei den ersten Symptomen gekaut werden.

Daneben bietet sich auch ein Versuch mit Homöopathika an. Klassisches Mittel bei Reisekrankheit ist Cocculus. Beginnen Sie zwei Tage vor der Fahrt mit dreimal täglich fünf Kügelchen in der D6-Potenz. Treten trotzdem währen der Fahrt Beschwerden auf, geben Sie diese Globuli halbstündlich. Gesellen sich zur Übelkeit Schwindel und Kreislaufprobleme, geben Sie stattdessen Tabacum in gleicher Dosierung.

Reisekrankheit akut

Reiskrank trotz der genannten Mittel? Hier noch ein paar Tipps für den Akutfall:

  1. Steuern Sie so schnell wie möglich einen Parkplatz an. Spätestens jetzt ist eine lange Pause an frischer Luft angesagt.
  2. Lassen Sie Ihr Kind tief ein- und ausatmen: und zwar durch den Mund. Erzählen Sie ihm etwas, um es abzulenken.
  3. Geben Sie ihm Wasser und etwas Salziges (Salzstangen, Cracker) zu knabbern.
  4. Hat es starke Kreislaufprobleme (blass, kalter Schweiß) legen Sie ihm ein kühles Tuch auf Stirn und Nacken und lassen Sie es hinlegen (zumindest wenn Sie das Auto verlassen haben). Als Akutmittel für Kreislaufbeschwerden eignet sich Veratrum album (D6, dreimal fünf Globuli innerhalb weniger Minuten).
  5. Halten Sie trotzdem einige Plastiktüten bereit – für den Fall, dass der nächste Rastplatz auf sich warten lässt.

Wir wünschen Ihnen eine gute Fahrt!

Aktualisiert: 14.06.2017 - Autor: Dagmar Reiche

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