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Akupunktur: Ablauf der Behandlung

Akupunktur-Nadeln in der Haut © istockphoto, AndreyPopov

Bei einer Akupunktur-Behandlung wird der Patient mit dünnen Spezialnadeln therapiert, die an bestimmten Stellen in die Haut eingestochen werden. Diese Akupunkturpunkte liegen entlang bestimmter Linien, sogenannter Meridiane (Leitbahnen), die eine Zuordnung zu bestimmten Organen ermöglichen. Die Auswahl der Punkte und der Art der Nadeln (ihre Größe und ihr Gewicht) ist Aufgabe des Therapeuten. Neben einer Akupunkturbehandlung, die in der Praxis – meist im Liegen – stattfindet, lassen sich auch kleine Nadeln mit Pflastern so anbringen, dass diese längere Zeit getragen werden können (Dauernadeln).

Stimulation durch elektrische Ströme

Daneben ist eine über das bloße Einstechen der Nadel hinausgehende Stimulation des Akupunkturpunktes durch Drehen der Nadel oder durch elektrische Ströme möglich. Der Patient spürt nach einem leichten anfänglichen Einstichschmerz nach einiger Zeit ein dumpfes Schwere- oder Wärmegefühl in den behandelten Bereichen, manchmal eine Art elektrisches Kribbeln an den Einstichstellen.

Traditionelle oder unspezifische Akupunktur?

Stechen und wärmen/brennen, so etwa lässt sich der chinesische Begriff zhen jiu ins Deutsche übersetzen. Er rührt vermutlich daher, dass ursprünglich die Akupunktur immer zusammen mit der Moxibustion durchgeführt wurde. Doch auch beim ausschließlichen "Nadeln" verspürt der Patient fast immer Wärme, nachdem eine der Akupunkturnadeln eingeführt worden ist. Der anfängliche leichte Schmerz verschwindet meist, die Wärme bleibt. Um den Effekt zu verstärken, erwärmen, lasern oder beschallen Ärzte und Heilpraktiker die Nadeln oft noch.

Als Patient vertraut man darauf, dass der Therapeut genau weiß, wohin er die Nadeln setzen muss. Das gilt auch weiterhin. Doch Studien belegen: Es kommt nicht so sehr darauf an, dass korrekt an bestimmten Punkten gestochen wird, eine Effekt zeigt sich auch bei „zufälligem Stechen“.

  • Nach der traditionellen chinesischen Akupunktur ist der Körper von Energiebahnen durchzogen, den Meridianen. Darin fließt Körper-Qi - eine Form von Lebenskraft oder Erregung, oft als Lebensenergie bezeichnet. An mehreren Punkten öffnen sich diese Meridiane durch die Haut, an den Akupunkturpunkten. Durch das Stechen mit Nadeln versucht der Mediziner auf den Energiefluss in den Meridianen einzuwirken und einen Überschuss oder Mangel an Qi auszugleichen. 361 Akupunkturpunkte kennt man, allerdings nur etwa die Hälfte wird mit Nadeln gestochen.
  • Bei der unspezifischen Akupunktur - auch Minimal-Akupunktur oder Sham-Akupunktur genannt - werden die Nadeln nicht direkt an den einschlägigen Therapiepunkten in die Haut gestochen. In der Studie der Techniker Krankenkasse wurde in einer Gruppe von 900 Patienten die klassische mit der unspezifischen Akupunktur verglichen. Bei Lendenwirbelschmerzen und Migräne gab es keine Unterschiede, beide Varianten halfen. Ähnliche Ergebnisse liefern die Studien auch zur Ohrakupunktur.

Ohrakupunktur

Diese Sonderform der Akupunktur ist eine eigenständige Methode, die zwar auch Nadeln benutzt, aber davon ausgeht, dass verschiedene Ohrregionen bestimmten Körperorganen zugeordnet sind und sich letztlich so der ganze Körper auf die Ohrmuschel projiziert. Da die über 100 Akupunkturpunkte des Ohres sehr nah beieinander liegen und sehr empfindlich sind, ist punktgenaues Stechen mit extradünnen Nadeln notwendig.

Zahlreiche Ärzte und ausgebildete Heilpraktiker wenden die Ohrakupunktur an. In ihrer heutigen Form ist gerade erst 40 Jahre alt und geht auf den französischen Arzt Dr. P. Nogier zurück. Doch bereits in China wurden erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. rund 20 Akupunkturpunkte auf der Ohrmuschel erwähnt. Auch Hippokrates kannte einzelne Reaktionspunkte auf der Ohrmuschel.

Ohrakupunktur wirkt meist intensiver und schneller als herkömmliche Akupunktur. Man setzt sie ein bei akuten Erkrankungen und als Schmerztherapie, ebenso bei Suchterkrankungen und seelischen Störungen. Innere und vor allem chronische Krankheiten sind mit Ohrakupunktur jedoch schwerer zu behandeln als mit Körperakupunktur.

Aktualisiert: 11.07.2018 – Autor: Dagmar Reiche

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