Östlicher Therapieansatz

Frage: Wie unterscheidet sich sein Behandlungsansatz dann von der westlichen Medizin?

Dr. Thomas Ruprecht: In der modernen westlichen Krankheitslehre werden vorrangig verschiedene Krankheiten unterschieden. Patienten mit einer bestimmten Erkrankung erhalten hier die gleiche Medizin. In der chinesischen Medizin dagegen werden zwei Patienten, die aus westlicher Sicht an der gleichen Erkrankung leiden, vom Arzt unterschiedlich behandelt, wenn sich ihre Disharmoniemuster unterscheiden. Genauso kann es passieren, dass zwei Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten, aber identischen Disharmoniemustern gleich behandelt werden.

Frage: Können Sie die wichtigsten Behandlungsmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin kurz beschreiben?

Dr. Thomas Ruprecht: In der traditionellen chinesischen Medizin unterscheidet man zwischen der inneren und der äußeren Therapie. Bei der äußeren Therapie wird mechanisch oder thermisch auf bestimmte Punkte oder Regionen der Körperoberfläche eingewirkt, um so das Gleichgewicht wiederherzustellen. Zu diesen Therapieverfahren gehören zum Beispiel die Akupunktur, die ja zumindest bei chronischen Rücken- und Kniegelenksschmerzen inzwischen auch in Deutschland von den Krankenkassen übernommen wird.

Frage: Und welche Verfahren werden bei der inneren Therapie angewendet?

Dr. Thomas Ruprecht: Das wichtigste und vielfältigste Heilverfahren der inneren Therapie ist die chinesische Kräuterheilkunde. Zumeist pflanzliche, aber auch mineralische und tierische Stoffe werden individuell für den einzelnen Patienten zusammengestellt. Diese Arzneimittel werden gekocht und meist als Tee über den Tag verteilt getrunken. Einige Zubereitungen gibt es auch als Fertigarzneimittel konzentriert in Tropfenform oder getrocknet als Pulver.

Die Wirkung einiger pflanzlicher Arzneimittel ist mittlerweile durch klinische Studien belegt – zum Beispiel, dass Baldrian entspannt oder Knoblauch helfen kann, den Blutdruck zu senken. Auch natürliche Arzneien haben jedoch Nebenwirkungen. Diese können vor allem dadurch zustande kommen, dass sie – im Gegensatz zu den meisten chemisch hergestellten Arzneimitteln – viele verschiedene Wirkstoffe in nicht klar definierter Menge enthalten. Und auch ein pflanzliches Arzneimittel kann, falsch dosiert oder zubereitet, unangenehme oder sogar gefährliche Folgen haben. Deshalb sollte man sich unbedingt an die ärztlich verordnete Dosierung halten und den Beipackzettel genau lesen.

Eine wichtige Rolle spielt in der TCM außerdem die so genannte Diätetik. Das hat allerdings nichts mit einer festgelegten Diät oder mit Kalorienzählen zu tun. Aus chinesischer Sicht gibt es keine eindeutige Trennung zwischen Arznei- und Lebensmitteln. Für die Chinesen sind Nahrungsmittel milde Therapeutika. Alles Essbare hat eine so genannte Qi-Kraft, die aussagt, wie und wo das Nahrungsmittel auf den Menschen wirkt. So kann die Ernährung eine Störung des Qi im menschlichen Organismus beeinflussen und die Harmonie im Körper stören oder wiederherstellen.

Frage: Zum Abschluss: Wie sehen Sie die TCM im Verhältnis zur westlichen Schulmedizin?

Dr. Thomas Ruprecht: In der Medizin gibt es selten nur eine einzige Methode, mit einer Krankheit umzugehen, sie zu behandeln und gesund zu werden. Und immer mehr Menschen hierzulande setzen auf Naturheilverfahren wie die Traditionelle Chinesische Medizin. Manch einem geht dabei angesichts ganzheitlicher Heilversprechen der kritische Blick verloren. Die Schulmedizin kann mit Operationen Leben retten, dem Körper fehlende Substanzen zuführen, Krankheiten kurieren – und ist von daher unabdingbar und elementar wichtig.

Parallel dazu können auch naturheilkundliche, sanfte Verfahren wie die Traditionelle Chinesische Medizin helfen. Zum Beispiel spielen sie in der Vorbeugung eine wichtige Rolle, da sie das Immunsystem stärken und Körper, Geist und Seele in Einklang bringen können. Aus meiner Sicht kann beides sich zum Wohle des Patienten in vielfacher Weise ergänzen.

Seriöse naturheilkundliche Angebote verstehen sich als Ergänzung, nicht als Ersatz für den Arztbesuch. Und nach wie vor sollte zu Beginn jeder Behandlung immer eine gründliche schulmedizinische Diagnostik stehen, denn bei schweren Erkrankungen oder Notfällen stoßen komplementäre Heilverfahren oft an ihre Grenzen.

Tipps zur Therapeuten-Suche

Dr. Thomas Ruprecht rät, darauf zu achten, dass der Therapeut...

  • seine Qualifikation glaubwürdig nachweisen kann, etwa durch eine Zusatzbezeichnung wie "Naturheilkunde" oder "Homöopathie" oder andere Diplome.
  • nach einer bereits gestellten Diagnose fragt oder selbst eine erstellt.
  • ärztlich verschriebene (schulmedizinische) Medikamente berücksichtigt.
  • ein umfassendes Diagnosegespräch führt und eine gründliche körperliche Untersuchung vornimmt.
  • ausführlich die Diagnose und mögliche Behandlungen erklärt.
  • Risiken und Kosten offen darstellt.
  • bereitwillig auf kritische Fragen antwortet.
  • keine rasche und vollkommene Heilung bei chronischen Erkrankungen verspricht.
  • nicht verlangt, dass alle anderen Therapien abgebrochen werden müssen.

Aktualisiert: 23.01.2017
Autor*in: TK

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