So funktioniert Biofeedback

Biofeedback: Junge Frau beim Arzt © istockphoto, monkeybusinessimages

Die Frage, ob alternative Therapien und Heilverfahren wirklich helfen oder nur Geld kosten, ist in vielen Fällen nicht einfach zu beantworten. Eine positive Ausnahme ist das sogenannte Biofeedback, bei dem körperliche, psychosomatische und psychische Krankheiten durch die systematische Rückmeldung von Körperfunktionen behandelt werden können.

Biofeedback: Therapie kein Hokuspokus

Ein simpler Biofeedback-Mechanismus begegnet uns schon in frühester Kindheit: An heißen Kerzen und Streichhölzern kann man sich leicht und schmerzhaft verbrennen – wem das passiert, der lässt die Finger davon. Ganz so einfach ist es natürlich in der Praxis dann doch nicht.

Nach Definition der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback ist "Biofeedback […] ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren der Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin, mit dessen Hilfe normalerweise unbewusst ablaufende psychophysiologische Prozesse durch Rückmeldung (Feedback) wahrnehmbar gemacht werden."

Dazu werden unbewusst ablaufende Körperfunktionen wie Atemfrequenz, Herzfrequenz, Blutdruck, Hautwiderstand, Körpertemperatur und Muskelspannung mit Sensoren auf der Haut gemessen und entweder mit Bildsignalen sichtbar oder über akustische Signale hörbar gemacht. Der Patient kann auf diese Weise sofort sehen oder hören, wie sein Körper reagiert.

Biofeedback: Erkennen und Lernen

Durch Biofeedback kann der Patient erkennen, dass schon kleinste mentale Veränderungen Auswirkungen auf seinen Körper haben. Er lernt im Verlauf der Behandlung, Körpervorgänge bewusst und willentlich zu beeinflussen und kann so seine Heilung ohne Nebenwirkungen oder Schmerzen vorantreiben. Bei einer Messung der Muskelspannung zum Beispiel können die Messergebnisse als Kurve auf dem Bildschirm dargestellt werden. Verändert sich die Muskelspannung, so verändert sich auch die Kurve.

Der Patient erhält so eine direkte Rückmeldung (Feedback) über die Veränderung der Muskelspannung. Eine Biofeedback-Behandlung ist in der Regel immer an ein verhaltenstherapeutisches Konzept oder eine andere Therapieform gekoppelt und wird nicht als ausschließliche Behandlung betrachtet.

Biofeedback wird eingesetzt zur Behandlung von:

  • Stress, Stressfolgen, und zur Stressbewältigung
  • Chronischen Schmerzen wie z.B. Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Fibromyalgie
  • Hypertonie, Durchblutungsstörungen
  • Tinnitus, Reizmagen, Reizdarm
  • Schlafstörungen,Sexualstörungen
  • Harn- und Stuhlinkontinenz, Harnverhalt
  • Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen
  • Epileptische Erkrankungen
  • Angststörungen, Depressionen
  • Posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Prävention chronischer Erkrankungen
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung
  • Psychischen Ursachen / psychischen Folgen von körperlichen Krankheiten

Biofeedback für die Gesundheitsreform?

Gerade bei chronischen Erkrankungen könnte Biofeedback eine immer wichtigere Rolle spielen. Weil die Beteiligung des Patienten am Heilungsprozess immer weiter in den Vordergrund rückt, könnte Biofeedback eine bedeutende Rolle in den Behandlungskonzepten von chronisch Kranken spielen, die zur Zeit vielfach erprobt werden.

Allerdings eignet sich das Verfahren nicht für jeden Patienten. Motivation und die Zusammenarbeit mit dem Therapeuten zum Beispiel sind eine grundlegende Vorraussetzung für einen Behandlungserfolg. Dabei kommt dem Patienten in der Regel zugute, dass sich die Motivation während der Therapie durch schnelle Erfolgserlebnisse einstellt – schließlich ist das Feedback des Körpers unmittelbar und immer ganz direkt.

Besonders gut scheint die Methode bei Kindern mit Spannungskopfschmerzen und Aufmerksamkeitsstörungen zu wirken. Hier unterstützen speziell entwickelte Computeranimationen mit Comicfiguren den Lernprozess. Die Behandlung beschränkt sich dabei nicht auf die Sitzungen in der Praxis des Therapeuten: die erlernten Übungen müssen auch zu Hause weiter praktiziert werden.

Biofeedback: Training für Beckenboden

Bei vielen Erkrankungen sind die Behandlungserfolge groß – und wissenschaftlich belegt. Bei Stuhl- und Harninkontinenz zum Beispiel können Beckenboden und Schließmuskel über die Rückmeldung der Biofeedbacksensoren gut trainiert werden.

Auch Patienten mit Spannungskopfschmerz können schnell lernen, ihre Verspannungen zu lindern. Das gilt auch für Patienten, deren Kopfschmerzen aus Kieferfehlstellung stammen. Zähneknirschen und Probleme im Kiefer können mit einer Kombination aus Entspannungstherapie und Biofeedback beseitigt werden.

So positiv die Erfolge auch sein mögen, ob und in welchem Umfang die Behandlung von der Krankenkasse übernommen wird, sollte im Einzelfall geklärt werden. In einigen Fällen wird die Therapie nur dann von der Krankenkasse bezahlt, wenn sie gezielt in eine Verhaltenstherapie eingebunden ist.

Biofeedback: Therapeuten finden

Das Interesse an Biofeedback ist groß – aber es gibt derzeit nur relativ wenige Therapeuten. Die Deutsche Gesellschaft Biofeedback e.V. bietet eine Weiterbildung zum Biofeedback-Therapeuten an. Voraussetzung dafür ist die Approbation als Arzt oder Psychologe.

Andere Personen mit Abschlüssen des Gesundheitswesens wie beispielsweise Krankengymnasten, Physiotherapeuten, Krankenpfleger und Krankenschwestern, Ergotherapeuten, Sportwissenschaftler, Logopäden oder Heilpraktiker können sich zum Biofeedback-Trainer ausbilden lassen. In begründeten Ausnahmefällen kann die Weiterbildungskommission auch Personen mit anderen Berufsabschlüssen zulassen.

Mit Biofeedback Migräne therapieren

Erstmals hat die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in ihren Leitlinien zur Behandlung von Migräne der Biofeedbacktherapie eine ebenso hohe Wirksamkeit bescheinigt wie einer medikamentösen Therapie. Gerade Patienten, die unter häufigen Migräne-Attacken leiden, empfiehlt die Fachgesellschaft eine Biofeedbacktherapie.

Bei der Vorstellung der neuen Leitlinien zur Behandlung der Migräne betonte die Fachgesellschaft, dass Vorbeugung und Prävention eine zentrale Bedeutung in der Behandlung einnehmen. Dies gilt insbesondere für Patienten, die häufig unter Migräne leiden: Menschen, die mehr als dreimal pro Monat eine Migräneattacke aushalten müssen oder deren Attacken länger als 72 Stunden dauern oder die schlecht auf eine medikamentöse Akuttherapie ansprechen, können durch vorbeugende Maßnahmen die Häufigkeit der Schmerzanfälle deutlich senken. Verhaltenstherapeutische Strategien wie Biofeedback seien für solche Patienten empfehlenswert.

Die Wirksamkeit, betonte die DMKG sei genauso hoch wie bei einer medikamentösen Therapie. Dies konnte durch verschiedene Studien belegt werden. Migräne ist ein anfallsartig auftretender, periodisch wiederkehrender, überwiegend einseitiger Kopfschmerz, der oft mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen.

Aktualisiert: 29.05.2015 – Autor: Susanne Köhler

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