Warum läuft es uns kalt über den Rücken, wenn Kreide quietscht?

Mädchenquietscht mit Kreide an Tafel
© rawpixel

Ob Kreide auf einer Tafel quietscht, Fingernägel über Styropor kratzen oder eine Gabel über den Teller rutscht – es gibt Geräusche, bei denen die meisten Menschen zusammenzucken und einen eiskalten Schauer im Nacken fühlen. Das Geräusch wird als unerträglich wahrgenommen, die Haare auf den Rücken stellen sich auf und auf den Armen entsteht Gänsehaut. Doch warum erschrecken wir eigentlich bei solch harmlosen Geräuschen? Und woher kommt der Schauer im Nacken?

Gänsehaut als Reaktion auf Geräusch

Diese Reaktion ist ein Relikt aus der Urzeit, das den meisten Säugetieren angeboren ist. Ein lautes, schrilles Geräusch bedeutete früher meist Gefahr. Und um sich vor dieser zu schützen, stellten sich automatisch die Körperhaare auf, um den Körper größer und bedrohlicher wirken zu lassen und so den Angreifer in die Flucht zu schlagen.

Diese Reaktion wird über das limbische System gesteuert, welches im Gehirn für die Verarbeitung von Gefühlen zuständig ist. Es ist direkt mit den Nerven verbunden, die wiederum für das Aufstellen der Haare zuständig sind. Der Mensch hat heute zwar kein Fell mehr, dennoch stellen sich bei unangenehmen Geräuschen immer noch die verbliebenen feinen Körperhaare auf und sorgen so für eine Gänsehaut. Dadurch kommt es tatsächlich zu dem Gefühl, ein kalter Schauer würde über den Rücken hinab laufen.

Reaktion auf quietschende Kreide unterschiedlich

In der Tierwelt mag dieser Schutzmechanismus überlebenswichtig sein – beim Menschen ist er mittlerweile jedoch überflüssig geworden. Dennoch kann man gegen diese Reaktion nichts unternehmen. 

Bemerkenswert ist allerdings, dass nicht alle Menschen auf die gleichen Geräusche sensibel reagieren. Während manche beim Kreidequietschen zusammenzucken, lässt andere das Geräusch beim Feilen von Fingernägeln erschaudern.

Folge von individuellen Erfahrungen

Wissenschaftler vermuten, dass dies mit den Erfahrungen zusammenhängt, die ein Mensch im Lauf seines Lebens gesammelt hat. So wird das Quietschen der Kreide möglicherweise mit einem fiesen Lehrer in der Schule verbunden, das Kratzen der Gabel auf dem Teller mit der Vorschrift der Eltern, das Essen aufzuessen.

Diese unangenehmen Erlebnisse werden im limbischen System gespeichert und fortan mit den Geräuschen verbunden. Deshalb zeigen auch selten kleine Kinder solche Reaktionen auf bestimmte Töne, denn sie haben meist noch nicht so viele Erfahrungen im limbischen System gespeichert.

Aktualisiert: 25.09.2018
Autor*in: Kristina Klement

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?