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Was bedeutet "dermatologisch getestet"

Dermatologisch getestet: Handcreme © istockphoto, Cunaplus_M.Faba

Der Begriff taucht auf Shampoo- Flaschen, bei Creme - Tuben und Make-up-Döschen auf: "dermatologisch getestet". Auch andere Bezeichnungen wie "klinisch getestet" oder "schadstoffgeprüft" führen oft zu der Annahme, das Produkt sei für empfindliche Menschen unbedenklich. Doch der Begriff "dermatologisch getestet" besagt zunächst nur, dass das Produkt in Gegenwart eines Dermatologen getestet wurde - aber nichts über das Untersuchungsverfahren, die Unabhängigkeit der Prüfer oder die wissenschaftliche Protokollierung der Untersuchungen.

Strenge Selbstkontrolle

Natürlich ist "dermatologisch getestet" nicht nur Makulatur. Im Gegenteil, die etablierten Hersteller und Pharmaproduzenten unterziehen ihre Produkte strengsten Prüfungen in allen Entstehungsphasen. Dazu gehören der wissenschaftlich fundierte Entwurf der Untersuchungsanordnung, die Dokumentation sowie die exakte und nachvollziehbare Untersuchung an sich. Testreihen mit Patienten werden an Universitätshautkliniken durchgeführt.

Testreihen in mehreren Testzentren und unter der Aufsicht verschiedener Dermatologen helfen dabei, eventuelle länderspezifische Unterschiede auszugleichen. Bei vielen Pharmaunternehmen gibt es eigene Ethikkommissionen, die sich mit der Entwicklung von Tests, der wissenschaftlichen Durchführung der Tests und sogar der Geräteentwicklung für diese Tests beschäftigen. Dabei werden kaum noch Tests an Tieren durchgeführt. Zahlreiche dermatologische Untersuchungen werden im Reaganzglas an Hautzellen durchgeführt.

Überwachungsrichtlinien für den Herstellungsprozess

Inzwischen gibt es für den gesamten Europäischen Raum mehrere sogenannte GMP- Richtlinien. GMP ist die Abkürzung für "Good Manufacturing Practice" und bedeutet soviel wie "Gute Herstellungsverfahren". Innerhalb dieser Regelung wird auch die Herstellung von Wirkstoffen weltweit geregelt.

Wenn ein Wirkstoff hergestellt wird oder für ein Arzneimittel verwendet werden soll, sollte es gemäß dieser Richtlinien hergestellt werden. In der Richtlinie werden Anforderungen an Personal, Qualitätmanagement, Verpackung und Kennzeichnung, Lagerung und Vertrieb sowie Händler festgelegt. Allerdings gibt es zur Zeit noch keine geltende Verordnung für die Überwachung der Wirkstoffhersteller in Europa, sodaß die Einhaltung dieser Richtlinie weitgehend freiwillig ist.

Inhaltsstoffe müssen gekennzeichnet sein

 Die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe selbst wird durch EU-Richtlinien festgelegt, mit deren Hilfe größere Klarheit für den Verbraucher beim Kosmetikkauf geschaffen werden sollen. Alle Inhaltsstoffe werden mit so genannten INCI-Nummern gekennzeichnet. Mit der "International Nomenclature of Cosmetic Ingredients" (INCI) wurde eine europaweite Vereinheitlichung der Begriffe erreicht.

Wer also sein Make-up in Frankreich kauft, kann zum Beispiel Farbstoffe anhand ihrer INCI-Nummer identifizieren. Wenngleich die Entschlüsselung der Nummern für den Laien immer noch kompliziert genug bleibt, so ist diese Regelung vor allem für Allergiker wichtig.

Risikoabschätzung durch Kennzeichnung

Hautärzte und -kliniken verfolgen Allergiefälle sehr genau. Wenn ein Stoff durch vermehrte Allergiehäufigkeit auffällt, wird er genau untersucht. Viele kosmetische Farbstoffe sind in der sogenannten Blauen Liste aufgeführt, die insgesamt vier Allergie-Klassifizierungen enthält. Mit den Ziffern 0-4 wird gekennzeichnet, ob und wie häufig allergische Reaktionen aufgetreten sind. Diese Einteilung wird den einzelnen Stoffen mit ihren INCI-Nummern zugeordnet.

Bei dem Farbstoff CI 40 800 handelt es sich zum Beispiel um Beta-Carotin, den orangenen Farbstoff aus der Möhre. Seine Allergieklasse ist 0: Allergien sind also nicht bekannt oder extrem selten. Auf diese Weise lässt sich leicht feststellen, ob ein bestimmer Farbstoff ein höheres Allergierisiko trägt als ein anderer. Allergiker sollten sich daher die entsprechenden INCI-Nummern in ihren Allergikerpass eintragen lassen.

Wer genau wissen möchte, was sich hinter dem Begriff "dermatologisch getestet" auf seiner Shampoo-Flasche verbirgt, der sollte sich an den Hersteller wenden und um einen Nachweis bitten. Wird diese Bitte verweigert, lohnt sich unter Umständen ein Anruf bei der Verbraucherzentrale. Auf den Kauf dermatologischer Produkte an der Haustür sollte man verzichten: Auch wenn sie als besonders günstige Naturprodukte angeboten werden, erfährt man meistens wenig über Inhaltsstoffe und Testmethoden.

Aktualisiert: 29.07.2016

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