Was ist ein Phantomschmerz?

Kaum vorstellbar, aber wahr: Phantomschmerzen sind virtuelle Schmerzen in Körperteilen, die nicht mehr vorhanden sind. Betroffene verspüren in amputierte Gliedmaßen projizierte Schmerzen, d. h. Schmerzen "außerhalb des Körpers".

Mumienfunde haben bewiesen, dass die Technik des Amputierens schon vor 3000 Jahren im alten Ägypten bekannt war. Heutzutage ist die chirurgische Abtrennung eines Körperteils manchmal die einzige Möglichkeit, ein Menschenleben zu retten. Patienten klagen nach einer Operation über Schmerzattacken, die sich gleich oder erst Monate und Jahre später bemerkbar machen. Die Entstehung des Phantomschmerzes ist noch nicht vollständig geklärt.

Wo sitzt der Schmerz?

Vereinfacht ausgedrückt: Das Gehirn ist durch den operationsbedingten Wegfall großer Nervenbereiche überfordert. Die reizverarbeitenden Gebiete im Gehirn müssen sich aufgrund der fehlenden Nerveninformationen reorganisieren. Damit das Gehirn umdenkt, muss das noch bestehende "Körperschema im Kopf" umgebaut bzw. überlistet werden. Mit Elektroprothesen, Elektroden und Medikamenten wurden dabei beachtliche Erfolge erzielt.

Das Schmerzgedächtnis

Je mehr Schmerzen der Patient im amputierten Körperteil hatte, von desto mehr Phantomschmerzen wird er in der Regel nach der Operation attackiert. Die Nervenzellen im Gehirn memorisieren Schmerzen, unter denen der Betroffene lange Zeit zu leiden hatte. Durch diese Merkfähigkeit entsteht der sogenannte Phantomschmerz, der nicht mehr von verursachenden Reizen abhängig sind.

Gegenwartsphilosopie

Phantomschmerzen können über Jahre anhalten. Der Mainzer Philosophie-Professor Thomas Metzinger erklärt das Bewusstsein als ein Selbstmodell des Körpers, eine Simulation, die wir mit dem Körper verwechseln. Jeder, der schon einmal Zug gefahren ist, weiß, welchen Streich uns unsere Wahrnehmung spielen kann: Ort des Geschehens: Ein x-beliebiger Bahnhof. Sie sitzen im Abteil, schauen aus dem Fenster und warten auf die Abfahrt des Zuges. Endlich fährt er ab. Irrtum! Der Nachbarzug auf dem gegenüberliegenden Gleis war's...

Aktualisiert: 12.12.2013

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