Was ist Morbus Meulengracht?

Bauchkrämpfe bei Morbus Meulengracht © istockphoto, kaarsten

Der so genannte Morbus Meulengracht (oder auch Gilbert-Syndrom) ist eine nicht seltene Erkrankung oder genauer Anomalie, benannt nach dem dänischen Internisten Jens Einar Meulengracht (* 7. April 1887, † 1976). Ungefähr 5 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, wobei die Symptomatik sehr stark variieren kann.

Ursache ist Funktionsstörung der Leber

Die Ursache für Morbus Meulengracht findet sich im Prozess des Hämoglobinabbaus und besteht in einer Funktionsstörung der Leber, welche zeitweise den roten Blutfarbstoff nicht vollständig oder ausreichend abbauen kann. Blutkörperchen werden normalerweise nach circa 120 Tagen recycelt. Der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin, wird im Knochenmark, in der Milz und der Leber in mehreren Schritten abgebaut und in eine wasserlösliche Form überführt.

Bei Meulengracht-Patienten ist jedoch die Aufnahme und Verarbeitung eines hierzu notwenige Abbauprodukts, dem unkonjugierten Bilirubins, gestört. In Folge dessen sind im Blut zeitweise erhöhte Konzentrationen vom gelben Blutfarbstoff (= Bilirubin) zu finden.

Symptome von Morbus Meulengracht

Als Symptom treten gelb gefärbte Haut und Augen auf. Bei Patienten kann es vor allem zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr schubweise zu Bauchkrämpfen und Verdauungsstörungen kommen. Dies betrifft vor allem dünne Patienten nach Alkohol- oder Nikotinkonsum (auch Passivrauchen). Insbesondere Hunger und Fasten sind zudem Auslöser von Beschwerden und unbedingt zu vermeiden, was im Gegensatz zu anderen Verdauungsstörungen steht. Gelegentlich werden außerdem Blähungen, unspezifische Bauchschmerzen und Hautausschlag als Folgen der Krankheit angegeben.

Auch besteht häufig eine Unverträglichkeit von Alkohol, Nikotin, Hunger und Stress. Nach Alkohol- oder Nikotingenuß kommt es zu einer Erhöhung des Bilirubinwertes, was mit einer verstärkten Gelbfärbung der Augen und Haut einhergeht. Fatigue (Erschöpfungsform), Unwohlsein, Übelkeit, und manchmal Erbrechen können die Folge sein. Der Gallesalzspiegel und andere Leberwerte sind üblicherweise normal, wodurch kein Hautjucken auftritt wie bei anderen Erkrankungen, die mit einer Gelbfärbung der Haut einhergehen.

Erkrankung nicht heilbar

Morbus Meulengracht kann durch Nikotinsäure- oder Fastentests eindeutig bestimmt werden. Eine weitere Möglichkeit der Diagnostik ist eine molekulargenetische Untersuchung. Morbus Meulengracht ist nicht heilbar. Eine Behandlung einiger Symptome ist zwar möglich, jedoch wird meist davon abgesehen, da die gesundheitliche Beeinträchtigung zu gering ist und die Nebenwirkungen nicht rechtfertigen würde.

Der Namenszusatz "juvenilis" verweist auf die Tatsache, dass Menschen nur in jungen Jahren von der Krankheit betroffen sind. Circa ab dem 40. Lebensjahr wächst sie sich aus.

Aktualisiert: 06.06.2018

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