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Wer erfand die Blindenschrift?

Die Blindenschrift oder Braille-Schrift ordnet jedem Buchstaben ein spezielles Muster aus Punkten zu, dass mit dem Tastsinn erfühlt werden kann. Diese Punktschrift ist für Nichtsehende ein nicht wegzudenkendes Mittel um sich zu informieren und den Alltag bewältigen zu können. Die Blindenschrift, die auch Punktschrift oder Braille-Schrift genannt wird, funktioniert heute noch genauso wie vor 155 Jahren, als sie von Louis Braille erfunden wurde.

Kleine Historie

Louis Braille wurde im Januar 1809 in der Nähe von Paris geboren. Als Kind verletzte er sich beim Spielen so sehr an den Augen, dass er blind wurde. Der Vater schickte seinen Sohn nach Paris, auf eine Schule für Blinde. Da er ein sehr aufgewecktes Kind war, versuchte Louis schon bald eine Möglichkeit zu finden, wie man als blinder Mensch wieder lesen könnte. Dazu kam er auf die Idee, Punkte in einen festen Karton zu drücken. Durch Variationen in Anzahl und Anordnung der Stanzungen, schaffte er es schließlich jeden Buchstaben in einem Muster darstellen zu können.

Trotz anfänglicher Ablehnung entwickelte Louis Braille sein System weiter und hatte 1825 als 16-Jähriger seine Blindenschrift fertig gestellt: Das der sechs erhabenen Punkte, das 64 Punktkombinationen zulässt. Louis Braille kämpfte sein ganzes Leben lang dafür, dass seine Schrift verwendet wird. Den weltumspannenden Einsatz der von ihm entwickelten Punkteschrift erlebte er nicht mehr, aber die Anerkennung in seinem Heimatland Frankreich machte aus Braille einen berühmten Mann. 1850 wurde die Brailleschrift offiziell für den Unterricht an französischen Blindenschulen eingeführt. Louis Braille starb 1852 in Paris an einem Lungenleiden.

Wie funktioniert das System?

Alle Buchstaben unseres Alphabetes werden in der Blindenschrift durch ein Sechs-Punkte-System dargestellt. Die Grundform des Systems besteht aus zwei senkrechten Reihen mit je 3 Punkten. Innerhalb dieses Rasters sind nun Variationen möglich: Von einem bis zu sechs Punkten, mal links oder rechts, oben, in der Mitte oder unten. Die Buchstaben der Blindenschrift bestehen aus Kombination dieser Punkte: Ein Punkt in der linken Spalte oben bedeutet zum Beispiel "a". Ein zusätzlicher Punkt in der Mitte der linken Spalte bedeutet ein "b".

Insgesamt sind mit der Braille-Schrift 64 verschiedene Kombinationen möglich, also Buchstaben genug für alle europäischen Alphabete. Inzwischen ist die Braille-Schrift auf acht Punkte erweitert worden; damit können nun auch alle Computer-Zeichen wiedergeben werden.

Braille-Schrift - ein "Tor" zur Welt

Mit Hilfe der Braille-Schrift können Blinde so schnell lesen, dass sie beim jährlichen Lesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ohne irgendeinen Bonus sehr große Erfolge erzielen. Aber die Schrift ist für Blinde weitaus mehr: Sie ist auch im Zeitalter der Computer- und Medientechnik das wichtigste Medium für Information und Bildung, aber auch für die selbständige Führung des eigenen Lebens.

Aktualisiert: 24.04.2012

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