Fett essen ohne Beschwerden

Fett ist nicht gleich Fett. Ob pflanzlich oder tierisch, gesättigt oder ungesättigt, langkettig, mittelkettig oder kurzkettig – die Art des Fettes wirkt sich auch auf unsere Gesundheit aus. Erfahren Sie hier, welche Art von Fett in welchen Lebensmitteln steckt und was sie davon ohne schlechtes Gewissen essen dürfen.

MCT-Fette bei Verdauungsproblemen

Nahrungsfette können eine mögliche Ursache für Symptome wie Blähungen, Neigung zu Durchfällen, Oberbauchbeschwerden oder fettglänzende Stühle sein. Eine Reihe von Erkrankungen, die die Maldigestion und Malabsorption betreffen, erfordern den Einsatz spezieller diätetischer Speisefette, sogenannter MCT-Fette (mittelkettige Triglyzeride, engl.: middle/medium chain triglycerides). Maldigestion bedeutet eine schlechte Verdauung der Nahrung, Malabsorption eine schlechte Aufnahme von Nahrungsbestandteilen durch die Schleimhautzellen des Dünndarms.

Für Menschen mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Gallensteinen, Mukoviszidose, chronischen Darmentzündungen, Zöliakie/einheimischer Sprue, cholagener Diarrhoe, Zustand nach operativer Magen(teil)entfernung, Kurzdarmsyndrom oder AIDS gibt es Hilfe, wenn Fett nicht vertragen wird. Durch Reduktion der herkömmlichen Nahrungsfette und deren Ersatz durch MCT-Fette wird wieder die Fettverdauung gewährleistet und unangenehme Beschw erden vermieden.

Nahrungsfette (Triglyceride): LCT und MCT

Nahrungsfette (Triglyceride) setzen sich aus Glycerin und unterschiedlichen Fettsäuren zusammen. Letztere können kurz-, mittel- oder langkettig sein. Die Art der Fettsäure bestimmt die Eigenschaft der Fette und die Bedeutung für die menschliche Ernährung. Übliche Nahrungsfette wie beispielsweise Butter, Margarine, Pflanzenfette und -öle enthalten Triglyceride mit langkettigen Fettsäuren, sogenannte LCT-Fette (langkettige Triglyzeride, engl.: long chain triglycerides).

Der Prozess der Fettverdauung dieser Fette ist kompliziert und störanfällig, wenn eine Neigung zu Verdauungsstörungen beispielsweise bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen besteht oder Erkrankungen der Verdauungsorgane beispielsweise bei exokriner Pankreasinsuffizienz vorhanden ist. Einen wesentlich geringeren Verdauungsaufwand benötigen dagegen Fette, die aus mittelkettigen Fettsäuren bestehen. MCT-Fette können im Darm schnell und leicht, ohne Aufspaltung durch Gallensäuren und Enzyme (Lipas en), in die Schleimhautzellen des Dünndarms gelangen und direkt in das Blut abgegeben werden.

MCT-Fette als Lösung bei Fettverwertungsstörungen

MCT-Fette kommen natürlicherweise in Kokosfett, Palmkernöl und in minimalen Mengen in Milchfett vor. Durch ein spezielles Verfahren werden aus Kokosnussöl und Palmkernöl reine MCT-Fette gewonnen, deren Fettsäuren eine Länge von 6 bis 12 Kohlenstoffatomen aufweisen. Bereits seit 1965 sind Spezialfette aus mittelkettigen Trigyceriden als diätetische Lebensmittel verfügbar. Durch MCT-Fette können Fettverwertungsstörungen, sowie der häufig damit verbundene Gewichtsverlust gebessert und die Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen gesichert werden.

Die diätetische Lebensmittelindustrie bietet MCT-Spezialprodukte wie beispielsweise Margarine, Öl, Schmelzkäse, Putencreme und Schokocreme mit MCT-Fetten an. Die Produkte sind über den Versandhandel oder im Reformhaus erhältlich.

Praktische Empfehlungen zum Einsatz von MCT-Fetten

  • LCT-Fette sollten größtenteils durch MCT-Fette ersetzt werden, die stufenweise zunächst in kleinen Mengen in den Speiseplan eingeführt werden. Der Körper muss sich an die Aufnahme und die Verwertung dieser Fette gewöhnen, sonst kann es zu Beschwerden wie beispielsweise Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen kommen.
  • Beginnend mit 20 Gramm MCT-Fetten pro Tag kann der Patient bei einer täglichen Steigerung um 10 Gramm etwa 100 bis 150 Gramm als Tagesmenge gut tolerieren.
  • Eine gleichmäßige Verteilung über mehrere Mahlzeiten am Tag ist empfehlenswert. Lebensmittel mit einem hohen Anteil an LCT-Fetten (versteckte Fette in Fleisch, Wurst, Käse, Fertiggerichten oder Süßigkeiten) sind günstigerweise zu reduzieren.
  • MCT-Fette sind nicht zum Hocherhitzen über 150 Grad geeignet, da sie im Vergleich zu LCT einen niedrigeren Rauchpunkt haben.
  • Mit MCT-Fetten zubereitete Speisen sollten sofort nach dem Garen verzehrt werden, da das Warmhalten von Speisen zu einem bitteren Nachgeschmack führt.

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MCT - Das Fett, das nicht zu Übergewicht führt

Eine achtwöchige, an der Karls-Universität Prag durchgeführte Studie (2 x 4 Wochen, Cross-over, blind), an der 35 weibliche Probanden teilnahmen, ergab, dass beim Verzehr MCT-haltiger Lebensmittel im Vergleich zu LCT-haltigen mehr Kalorien zugeführt werden können, ohne dass es zur Gewichtssteigerung kommt. In der Studie zeigte sich zudem überraschenderweise, dass beim Austausch von LCT-Fetten durch MCT-Fette der Energiebedarf steigt. MCT-Fette sind demnach zur Vorbeugung von Übergewicht geeignet. Es ist wahrscheinlich, dass der Einsatz von MCT-Fetten bei Übergewichtigen zu einer Gewichtsreduktion führt.

Eine Gewichtsreduktion bei Übergewichtigen wird vor allem dann erreicht, wenn eine kohlenhydrat- und ballaststoffreiche Reduktionskost mit beispielsweise 1200 bis 1800 Kilokalorien durchgeführt wird. Wenn die zugeführte Fettmenge insbesondere aus MCT-Fetten besteht, kann der Effekt ausgenutzt und dadurch Kilokalorien eingespart werden. Bei den MCT-Probanden der Prager Studie war der Energiebedarf um täglich durchschnittlich 135 Kilokalorien gesteigert (hochgerechnet 49.275 Kilokalorien jährlich).