Herzinfarkt bei Frauen
Der Herzinfarkt galt ursprünglich als typische Männer- und Managerkrankheit, doch dies hat sich in den letzten Jahren geändert. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren 2002 mehr als die Hälfte der an Herzinfarkt Verstorbenen weiblichen Geschlechts. Eine Studie, die die koronaren Risiken für Frauen untersuchte, zeigte jedoch, dass dies nicht an der Berufstätigkeit lag. Im Gegenteil: besser ausgebildete und berufstätige Frauen waren weniger gefährdet. Wieso dann dieses Ungleichgewicht?
Frauen sind nach den Wechseljahren besonders gefährdet
Zum einen bekommen Frauen in der Regel später als Männer, nämlich nach der Menopause, einen Herzinfarkt. Zum anderen weisen sie andere Symptome als Männer auf, so dass Frauen den Herzinfarkt nicht als solchen erkennen und deshalb entsprechend spät handeln. Eine leider auch bestätigte These ist, dass Frauen nach einem Herzinfarkt anders behandelt werden und infolgedessen weniger Überlebenschancen als Männer mit Herzinfarkt haben.
Bei jüngeren Frauen vor den Wechseljahren sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen selten -außer wenn mehrere Risikofaktoren vorliegen. Grund hierfür sind die Hormone, genauer gesagt die Östrogene. Die Östrogene senken das "schlechte Cholesterin" (LDL-Cholesterin) im Blut und heben das "gute" HDL-Cholesterin an. Die genaue Schutzkraft der Östrogene ist noch nicht hinlänglich erklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Östrogene unmittelbar auf die Zellschicht, die die Blutgefäße von innen auskleidet (Endothel), einwirken.
Die Produktion von gefäßerweiternden Botenstoffen (Prostacyclin) wird angekurbelt und Stickstoffmonoxid (NO) vermehrt freigesetzt. Dadurch werden bereits verengte Gefäße durchlässiger. Nach Eintritt der Menopause verlieren die Frauen allerdings ihr biologisches Schutzschild vor Gefäßerkrankungen. Die Eierstöcke (Ovarien) stellen die Produktion von Östrogen nach und nach ein, die Schutzwirkung wird schwächer, und das Erkrankungsrisiko verdreifacht sich. Deshalb treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen in der Regel erst nach dem 50. Lebensjahr ein.
Symptome nicht unterschätzen!
Der Herzinfarkt bei Frauen weist gegenüber Männern Besonderheiten auf, die zu Fehleinschätzungen der gefährlichen Situation führen. Während bei Frauen oft Luftnot, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Oberbauch alleinige Alarmzeichen sind, tritt bei Männern eher ein starkes Engegefühl zusammen mit einem heftigen Druck im Brustkorb auf. Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals und Kiefer ausstrahlen, verbunden mit Angst oder Panik, deuten ebenfalls auf einen Herzinfarkt hin.
Die Alarmzeichen bei Männern sind allgemein bekannt, die bei Frauen jedoch weniger. "Es ist erwiesen, dass 30% aller Herzinfarktpatienten zu spät reagieren und einen Arzt aufsuchen. Viele Frauen erkennen die Symptome gar nicht oder möchten nicht wegen jedem Ziehen den Notarzt holen. Doch hier gilt: lieber einmal zuviel den Notarzt rufen als zu spät", so Professor Klör von der Universität Giessen, Abteilung für Innere Medizin und Vorstandsmitglied der DGFF e.V..
Gravierende Unterschiede in der Behandlung
Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass Frauen - wenn sie nach einem Herzinfarkt in die Klinik kommen - eine andere Therapie bekommen als Männer im gleichen Fall. Nur wenige Frauen erhalten in Deutschland wirksame Medikamente wie Betablocker, Statine oder Aspirin. Auch die lebensrettende Maßnahme der Reperfusionstherapie (Wiederherstellung der Gefäßdurchgängigkeit, z.B. durch Ballondilatation) oder die Wiederöffnung der verschlossenen Herzkranzarterie findet seltener statt.
Die hohe Mortalität von Frauen als Folge einer unzureichenden Behandlung wurde 2003 im Deutschen Herzzentrum München und in der 1. Medizinischen Klinik rechts der Isar untersucht. Eine Verbesserung der Überlebenschancen von Frauen mit Herzinfarkt durch den Einsatz der heute verfügbaren therapeutischen Maßnahmen ließe sich laut dieser Studie durchaus realisieren.
Quelle: Publicis Vital PR GmbH
