Prostataentzündung

Prostataentzündung

Die meisten Männer würden am liebsten gar nicht darüber nachdenken müssen, ein Organ wie die Vorsteherdrüse zu besitzen – Hauptsache, es funktioniert. Doch nicht genug, dass die Hälfte aller Männer nach dem 60. Lebensjahr mit Beschwerden durch eine vergrößerte Prostata rechnen muss, auch in jüngeren Jahren kann die Vorsteherdrüse unangenehm auf ihre Existenz aufmerksam machen.

Begriffsbestimmung

Die kastaniengroße Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes und trägt zur Spermabildung, zum Verschluss von Harnblase und Samenwegen sowie zum Hormonstoffwechsel bei. Die im Folgenden beschriebenen Störungen werden unter dem Begriff Prostatitis-Syndrom

  • Akute bzw. chronische bakterielle Prostatitis: Wie jedes andere Organ kann sich die Prostata entzünden, insbesondere da sie eine direkte Verbindung zur Harnröhre und damit zur Außenwelt besitzt, über die Keime in den Körper gelangen können. Selten wandern Erreger auch über die Blut- oder Lymphbahnen ein. Durch Keime hervorgerufene Entzündungen machen allerdings nur 10% aller Prostatitis-Fälle aus.
  • Chronische abakterielle Prostatitis: Die übrigen 90% sind Störungen, die nicht durch Erreger bedingt sind. Da bei diesen die Schmerzen im Vordergrund stehen, werden sie auch als chronisches Schmerzsyndrom im kleinen Becken (engl. chronic pelvic pain syndrome = CPPS) bezeichnet, das mit oder ohne Entzündungszeichen einhergehen kann (abakterielle entzündliche bzw. nicht-entzündliche Prostatitis). Früher wurde auch der Begriff Prostatopathie verwendet.
  • Asymptomatische Prostatitis: Bei dieser liegt zwar eine nachweisbare Entzündung vor, aber es sind keine Beschwerden vorhanden. Sie wird z.B. bei der Suche nach Ursachen für eine Unfruchtbarkeit diagnostiziert.

Welche Ursachen gibt es?

So kompliziert die Bezeichnungen sind, so vielfältig sind die zugrunde liegenden Ursachen:

Akute oder chronische bakterielle Prostatitis: Zwar besitzt der Organismus eine Reihe von Schutzmechanismen, doch können diese in manchen Situationen an Effektivität verlieren. Dazu gehören Verengungen der Harnröhre (z.B. durch Narben), Eingriffe wie Blasenspiegelungen oder die Einlage eines Blasenkatheters, aber auch eine Zuckerkrankheit oder Störungen der Immunabwehr.

Die Erreger sind überwiegend Escherichia coli (die einen Großteil der Stuhlbakterien ausmachen) und andere Darmbakterien, dann und wann auch Pseudomonas aeruginosa, ein weit verbreiteter Boden- und Wasserkeim, der sich auch bei vielen Menschen im Darm aufhält und sich besonders gern ein geschwächtes Immunsystem zu Nutze macht. Auch die verschiedenen Erreger von Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien, Gonokokken und Mykoplasmen können eine Prostatainfektion hervorrufen. Tuberkulosebakterien werden eher über das Blut angeschwemmt.

Chronische abakterielle Prostatitis: Obwohl diese Form sehr häufig ist, sind die genauen Ursachen nach wie vor nicht bekannt. In den letzten Jahren wurden verschiedene Auslöser verdächtigt, z.B. eine Verengung der Harnröhre mit Flüssigkeitsrückstau in die Prostata, eine eingeschränkte Freisetzung des Prostatasekrets (das sich dann staut), eine Autoimmunkrankheit oder auch Keime, für die es einfach keine Nachweismethoden gibt. Auch Funktionsstörungen der Beckenbodenmuskulatur und psychische Einflüsse werden diskutiert.

In letzter Zeit wird für die Symptome eine chronische "interstitielle Zystitis" verantwortlich gemacht, eine Entzündung der Harnblase, die durch eine veränderte Schleimhautdurchlässigkeit für schädigende Substanzen bedingt ist. Vermutlich müssen mehrere Faktoren zusammenkommen, um ein chronisches Schmerzsyndrom im kleinen Becken zu erzeugen.