Rauchen in der Schwangerschaft: Gefahr für das ungeborene Leben!

Julia sitzt mir gegenüber und zieht genüsslich an ihrer Zigarette. "Der Arzt sagt, ich schade dem Baby, wenn ich plötzlich mit dem Rauchen aufhöre", sagt sie und streichelt ihren vorgewölbten Bauch. "Und die paar Zigaretten am Tag, was sollen die schon schaden?". Sehr viel, wie immer neue Studien beweisen. Denn die These, dass Raucherinnen ihrem Ungeborenen schaden, wenn sie plötzlich das Rauchen einstellen, ist schon lange von der Wissenschaft ins Reich der Legenden verwiesen.

"Jeder Frau ist dringend zu empfehlen, das Rauchen während der Schwangerschaft so früh wie nur möglich einzustellen", rät zum Beispiel die amerikanische Neurowissenschaftlerin Lise Eliot. In ihrem Buch "Was geht da drinnen vor?" erklärt sie ausführlich die schädlichen Auswirkungen von Nikotin und Co. auf das ungeborene Baby.

Jede Dosis Nikotin führt über eine verringerte Durchblutung der Plazenta zu einer Unterversorgung des Fötus mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die bisher bekannten Folgen sind unter anderem ein zu niedriges Geburtsgewicht, die erhöhte Gefahr durch den plötzlichen Kindstod (SID), sowie Hyperaktivität und Lernschwierigkeiten im Schulalter.

Untergewicht unterschätzt

Besonders das Untergewicht der Neugeborenen wurde bislang als Gesundheitsrisiko unterschätzt. Denn auch wenn nach einigen Wochen die Leichtgewichte die Nichtraucherbabys auf der Waage eingeholt haben, ist der Unterschied damit nicht aus der Welt: Denn Babys, die bei der Geburt zu leicht sind und in den ersten Lebenswochen viel zunehmen müssen, um auf ein normales Gewicht zu kommen, werden als Erwachsene oft von krankhaftem Übergewicht geplagt - ein Schicksal, das jede verantwortungsvolle Mutter ihrem Kind möglichst ersparen sollte.

Die Folgen für Kinder, die schon während der Schwangerschaft mit Nikotin konfrontiert werden, sind weitreichender als viele Raucher sich eingestehen wollen. So kommt zu den direkten gesundheitlichen Schäden des Kindes ein sehr hohes Risiko, dass es später selbst zum Raucher wird. Dabei ist es egal, ob die Mutter selbst raucht, oder ob die Schwangere dem Rauch anderer ausgesetzt ist.

Spätfolgen durch Nikotin

Der Zigarettenkonsum während der Schwangerschaft hat aber noch weitere Spätfolgen für das Baby. In einer Langzeitstudie, veröffentlich im britischen Gesundheitsjournal BMJ (Volume 324, pp 26-27), die ihren Anfang im Jahr 1958 hatte, wurden 17.000 Frauen während ihrer Schwangerschaft zu ihren Rauchgewohnheiten befragt und der Gesundheitszustand ihrer Kinder über viele Jahre hinweg dokumentiert.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Von den Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht hatten, litten im Alter von 33 Jahren eine deutlich höhere Anzahl an Diabetes oder krankhaftem Übergewicht als bei der Kontrollgruppe, die im Mutterleib noch keinen Kontakt zu dem Nervengift Nikotin hatten. Offenbar verursacht die Sucht der Mutter bei ihrem Ungeborenen eine lebenslang anhaltende Stoffwechselstörung.

Nikotin: ähnlich starke Suchtwirkung wie Heroin

Rauchen ist eine Suchterkrankung, an deren Folgen jährlich 14 Millionen Menschen weltweit sterben. Der eigentliche Suchtstoff ist das Nervengift Nikotin. "Wenn es nur noch nikotinfreie Zigaretten zu kaufen gäbe, gäbe es auch keine Raucher mehr", erklärt Philip Tönnesen, Chef der Abteilung für Lungenmedizin am Universitätsklinikum in Kopenhagen. Schon sechs bis acht Wochen regelmäßiger Zigarettenkonsum reichen, um in eine Abhängigkeit zu geraten.

"Nikotin hat eine ähnlich starke Suchtwirkung wie Heroin!" warnte Tönnesen. Das beste Mittel, um sich selbst und seine Kinder vor den Schäden durch Tabakrauch zu schützen, ist erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen. Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen tragen nachweislich viel zur Rauchprävention bei. Untersuchungen aus den USA haben gezeigt, dass in Schulen, in denen striktes Rauchverbot für Schüler und Lehrer herrscht, auch deutlich weniger Jugendliche zu Rauchern werden.

In den Vereinigten Staaten sind viele öffentliche Zonen wie Restaurants und Krankenhäuser schon lange rauchfrei. "In Europa sind wir in diesem Punkt noch völlig unterentwickelt", klagt Philip Tönnesen. "Es ist ein Desaster, dass in deutschen Krankenhäusern noch immer geraucht werden darf!".