Muskelkater

Jeder, der sich körperlich zu viel zugemutet oder es beim Sport übertrieben hat, kennt es: Am nächsten Tag zwicken die Muskeln, vor allem bei bestimmten Bewegungen. Sie schwellen an, verhärten sich und werden druckempfindlich, man fühlt sich steif. Ungewohnte oder starke Beanspruchung der Muskeln verursacht Muskelkater – ein Zeichen für die Überbelastung.

Wie ensteht Muskelkater?

Früher ging man davon aus, dass es sich um eine Übersäuerung im Muskel handelt. Heute jedoch wissen Sportmediziner, dass es sich vor allem um viele winzige Verletzungen in den Mikrostrukturen des Muskels handelt. Diese Verletzungen verursachen Entzündungen und kleine Schwellungen, die wiederum zu den bekannten Schmerzen führen.

Außerdem ist die Muskelspannung nach einer Überlastung erhöht und trägt ebenfalls dazu bei, Muskelkater zu verursachen. Normalerweise heilen die Mikroverletzungen wieder vollständig ab und die Veränderungen im Muskel bilden sich zurück.

Es gibt keinen Hinweis dafür, dass häufige Muskelkater zu Verletzungen führen. Jedoch sollten Belastungen während eines Muskelkaters vermieden werden. Wird der Muskel in dieser Phase belastet, besteht die Gefahr, dass er gezerrt wird und sogar größere Strukturen im Muskel zerreißen. Häufige Belastungen in diesen Phasen können auch zu Reizungen in anderen Bereichen, zum Beispiel den Sehnenansätzen, führen.

Einige Sportarten sind besonders "muskelkaterfördernd", zum Beispiel solche mit extremen Lauf- und Bremsbewegungen wie Squash.

Wenn der Muskel sauer wird – eine überholte These

Zur Energiegewinnung stehen dem Muskel der aerobe (mit Sauerstoff) und der anaerobe (ohne Sauerstoff) Stoffwechselweg zur Verfügung. Als Brennstoffe dienen Kohlenhydrate und Fette. Beim aeroben Weg entstehen aus diesen Brennstoffen Wasser und Kohlendioxid (CO2), die über die Lungen abgeatmet werden. Hierfür wird Sauerstoff benötigt. Dieser Weg kann bei mäßigen Belastungen wie Gehen ausgenutzt werden.

Bei starken Belastungen benötigt der Körper mehr Energie, die schnell bereit gestellt werden muss. Der Sauerstofftransport ist überfordert und es wird auf den anaeroben Stoffwechselweg zurück gegriffen. Endprodukt ist Laktat (Salz der Milchsäure). Je intensiver die Muskelarbeit, desto mehr Laktat wird gebildet. Der Abbau von Laktat zu Wasser und Kohlendioxid verläuft in Belastungssituationen langsamer als die Laktatbildung in den Muskelzellen. Folge ist eine Übersäuerung des Muskels.

Irrtümlicherweise wurde früher davon ausgegangen, das dies der Grund für die Entstehung von Muskelkater sei. Die Übersäuerungshypothese wurde aus zwei Hauptgründen verworfen:

  • Muskelkater tritt erst mit zeitlicher Verzögerung zur Betätigung auf. Zu diesem Zeitpunkt ist Laktat längst abgebaut.
  • Muskelkater tritt in der Regel nur bei hoher Belastung eines untrainierten Körpers auf. Laktat wird allerdings auch bei geübten Sportlern gebildet.