Wandern im Winter
Bei Minustemperaturen kann man es sich drinnen so richtig schön gemütlich machen. Die Heizung spendet wohlige Wärme, Kerzen flackern, und duftendes Gebäck versüßt den Nachmittag. Dabei auf dem Sofa mit einer kuscheligen Decke liegen und lesen, herrlich! Doch auch im Winter ist es wichtig, sich regelmäßig zu bewegen, um das Herz-Kreislauf-System auf Trab zu halten und Erkältungen und Grippeerkrankungen zu entgehen. „Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich“, heißt ein Sprichwort. Zu Recht! Wandern ist eine Wohltat für Körper, Geist und Seele – auch im Winter. Doch einiges sollte man dabei unbedingt beachten.
Wandern stärkt die Abwehrkräfte
Wer aktiv ist, senkt seine Herzfrequenz und den Blutdruck, verbessert die Funktion von Lungen, Cholesterin- und Zuckerstoffwechsel. Und hat man sich erst mal einen Ruck gegeben und die Wanderstiefel geschnürt, spürt man schnell, dass Bewegung im Winter eine Menge Spaß macht – und Balsam für die Seele ist. Denn wandern stärkt nicht nur unsere körperlichen Abwehrkräfte, sondern auch das seelische Immunsystem. Das hilft uns, Belastungen besser auszuhalten und neue Energien zu mobilisieren.
In der heutigen hektischen Welt mit dem rasanten Lebenstempo und einer Flut von verschiedenen Eindrücken stellt das Wandern eine willkommene Abwechslung dar. Denn der kraftvolle Gang ist die natürlichste Form der Entschleunigung. Für einen bestimmten Zeitraum können wir die Geschwindigkeit aus unserem Alltag nehmen. Unser Schritt, ein Tempo von vier bis fünf Stundenkilometer, ist dann der Maßstab.
Wandern wirkt wie Meditation
Durch die Nase strömt mit jedem Atemzug kühle frische Luft. Die Atmung ist ruhig und gleichmäßig, und die verschneite Winterlandschaft erweckt den Eindruck, als stünde die Welt eine Zeit lang still. Ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit überkommt Sie. Nur das wohlklingende Geräusch vom knirschenden Schnee unter den Schuhen bricht die Stille.
Das Wandern bietet die wunderbare Gelegenheit, im Hier und Jetzt zu sein und den sogenannten Flow-Zustand zu erreichen. In diesem fast meditativen Moment sind Sie völlig mit sich und Ihrer Umwelt im Einklang. Sie erleben dann das sprichwörtliche Wanderglück.
Das richtige Schuhwerk ist wichtig
Schneebedeckte, glitzernde Wege laden förmlich dazu ein, sich an der frischen Luft zu bewegen. Doch bevor Sie Ihre Tour bei knackiger Kälte beginnen, sollten Sie sich in einem Outdoor-Geschäft die richtige Ausrüstung besorgen - vor allem optimales Schuhwerk ist wichtig. Schließlich will man damit viele Kilometer zurücklegen, Berge erklimmen und durch Matsch und Schnee marschieren. Schlecht sitzende Schuhe verursachen Schmerzen, Blasen und miese Laune.
Deshalb sollten Sie sich beim Kauf von Wanderschuhen Zeit nehmen und ein Fachgeschäft aufsuchen. Hier stimmt die Auswahl, und das geschulte Personal kann Sie kompetent beraten. Ob etwa Trekking-, Allterrain-, Wander-, Bergschuhe oder Winterstiefel – es gibt viele Modelle für die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Am besten Sie bringen bereits konkrete Vorstellungen über Ihre Wanderpläne mit. Dann ist es für den Verkäufer einfacher, die beste Ausstattung für Sie zusammenzustellen.
Um aus dem riesigen Angebot eine Vorauswahl zu treffen, wird Ihnen der Verkäufer zunächst viele Fragen stellen, etwa nach der Beschaffenheit des Untergrunds, auf dem Sie wandern möchten, und ob Sie eher Tagestrips oder längere Touren planen. Am besten nehmen Sie auch Wandersocken und Ihre alten Wanderschuhe mit ins Geschäft.
Ein Wanderschuh für den Winter sollte mit strapazierfähigem und wasserdichtem Außenleder sowie atmungsaktivem Futter ausgestattet sein. Eine stark profilierte Laufsohle bietet Halt auf schlüpfrigem Untergrund. Dabei sollten die Schuhe aber so leicht wie möglich sein, da unnötiges Gewicht an den Füßen Sie beim Gehen schnell ermüdet.
Das Wichtigste aber: Der optimale Wanderschuh muss Ihnen sofort das Gefühl geben, wie angegossen zu sitzen. Lassen Sie sich daher Zeit beim Probelaufen und kaufen Sie nur Wanderschuhe, die Sie wirklich überzeugen.
Gute Wanderkleidung: leicht, aber funktional
Elementarer Bestandteil einer Wanderausrüstung ist ein leichter und wasserdichter Rucksack, der sich bequem tragen lässt. Er ist ideal für den Transport von Snacks, Getränken, Mütze, Handschuhen und Notfallset. Sparen sollten Sie auch nicht an der Kleidung. Funktionskleidung hat zwar ihren Preis, die Investition lohnt sich aber. Denn sie ist leicht und hält Kälte, Nässe und Wind vom Körper fern.
Bei der Auswahl der Kleidung gehen Sie am besten nach dem bewährten Mehrschichtenprinzip vor: Tragen Sie über leichter, feuchtigkeitsableitender Unterwäsche mehrere Schichten warme, isolierende Kleidung – darüber eine wasserdichte und windabweisende Jacke. Auch im Winter gilt: Ziehen Sie sich nicht zu warm an, denn wenn Sie kräftig schwitzen, durchnässt Ihre Kleidung, und bei der nächsten Pause frieren Sie. Am besten packen Sie anfangs etwas mehr in Ihren Rucksack, etwa noch eine Weste oder Fleecejacke, und experimentieren ein wenig, wie Sie sich am wohlsten fühlen.
Schneeschuhwandern als Alternative
Seit Jahren ist es eine beliebte Alternative zum Skilauf: Schneeschuhwandern. Im tiefen Schnee zu wandern ist schwierig. Spezielle Schneeschuhe verteilen das Gewicht über eine größere Fläche, sodass man auf dem Schnee läuft anstatt mit jedem Schritt in ihn einzusinken. Neu ist die Idee nicht: Schon den Indianern, Trappern und Jägern im Norden Amerikas dienten sie als unentbehrliches Fortbewegungsmittel im Winter.
Schneeschuhe zeigen ihre Stärken insbesondere dann, wenn der Schnee höher als 20 Zentimeter ist, schon einige Zeit liegt und die Oberfläche durch Wind und Sonneneinstrahlung tragfähiger wurde. Mit normalen Schuhen würde man hier gnadenlos einsinken. Für gängige Schneeschuhmodelle sind keine speziellen Bindungsschuhe wie beim Skilauf erforderlich. Zumeist sind die Riemenbindungen für alle schneetauglichen festen Wanderstiefel geeignet. Probieren Sie es doch einfach mal aus. Viele Outdoor-Läden vermieten Schneeschuhe gegen eine geringe Gebühr.
Wandern im Winter: die richtige Vorbereitung
- Legen Sie sich gute Wanderschuhe zu. Lassen Sie sich im Fachhandel ausführlich beraten.
- Verabreden Sie sich doch einmal mit Freunden zum Wandern. So können Sie sich gegenseitig motivieren.
- Wählen Sie am Anfang kürzere Strecken. Wer sich nicht überanstrengt, hat bald wieder Lust auf die nächste Tour.
- Planen Sie Ihre Route so, dass Sie sich in der Sonne bewegen. Diese sorgt für Wärme.
- Tragen Sie eine Sonnenbrille und cremen Sie das Gesicht mit UV-Schutz ein. Die Reflexion des Schnees führt sonst zu Sonnenbrand und Augenbeschwerden.
- Machen Sie Pausen an windgeschützten Plätzen. Denn Kälte ist bei Wind viel extremer.
- Umgehen Sie Mulden, in denen sich bei einem Sturm der Schnee sammelt. Ansonsten vergeuden Sie beim Stapfen im Tiefschnee unnötig viel Kraft.
- Vergessen Sie auch nicht, eine gute Sonnenbrille einzupacken, denn die UV-Strahlen der Sonne werden vom Schnee besonders stark reflektiert und können Verbrennungen an der Hornhaut der Augen auslösen.
Wandern hält nicht nur fit, sondern macht auch glücklich. Dr. Wolfgang Panter, Arbeits- und Sportmediziner, erklärt, wie Bewegung Körper und Seele stärkt.
Warum ist es sinnvoll, sich auch im Winter regelmäßig draußen zu bewegen?
Panter: Unser Körper braucht Reize, um sich an eine Jahreszeit zu gewöhnen. Wir müssen uns den Jahreszeiten stellen, denn der Mensch ist nicht dafür geschaffen, sich dauernd in klimatisierten Räumen aufzuhalten. Im Winter ist es besonders wichtig, regelmäßig rauszugehen, weil die Heizungsluft die Luftfeuchtigkeit in den Räumen herabsetzt und so die Schleimhäute austrocknet. So können Krankheitserreger leichter in den Körper gelangen.
Wie schaffe ich es, mich nach getaner Arbeit noch zum Rausgehen zu motivieren?
Panter: Man muss sich einfach einmal überwinden und die positiven Effekte spüren. Bewegung an der frischen Luft entspannt und pustet den Kopf frei. Gerade im Winter bietet die Natur tolle Eindrücke und Reize für alle Sinne – und wie ließen sich diese besser genießen als beim Wandern?
Welche Vorteile hat eigentlich das Wandern?
Panter: Grundsätzlich bringt regelmäßiges Wandern drei positive Aspekte mit sich: zum einen die erwähnten Sinnesreize der sich verändernden Natur. Zum anderen die positiven Auswirkungen auf die körperliche Fitness. Und nicht zuletzt die Psychohygiene. Ich merke bei mir selbst, dass ich schwierige Themen beim Wandern besser bearbeiten kann. Bei körperlicher Aktivität scheint es leichter zu sein, Lösungen für schwierige Fragestellungen zu finden. Man ist entspannter, und so kommen einem ganz andere Gedanken in den Kopf.
Was sollte man beim Wandern im Winter beachten?
Panter: Ich muss mich auf jeden Fall entsprechend der Umgebungstemperaturen kleiden, optimales Schuhwerk tragen und mich vorher über Streckenlänge, Steigungen und Höhenmeter informieren. Auch genügend Getränke, Kartenmaterial und entsprechende Schutzkleidung sollten im Rucksack dabei sein, um vor bösen Überraschungen geschützt zu sein. Wichtig finde ich zudem, dass die Strecke einem etwas gibt. Ich liebe zum Beispiel die Rheinauen und die Schweizer Berge.
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Kann sich das Wandern auch positiv auf das Seelenleben auswirken?
Panter: Genau. Viele Studien zeigen, dass körperliche Betätigung einer der wesentlichen Voraussetzungen für seelische Gesundheit ist. Mittlerweile ist sie sogar häufig ein Bestandteil der Therapie psychischer Leiden. Generell hilft wandern vielen Menschen, um wieder entspannter zu sein, besser schlafen zu können und kreativer zu werden. Damit bietet wandern einen idealen Ausgleich zum Arbeitsalltag. Und wer nach dem Marsch durchs Winterweiß noch in die Sauna geht, braucht sich um Winterdepressionen keine Sorgen zu machen.