Lebererkrankungen vorbeugen

In Deutschland leiden rund 5 Millionen Menschen (Stand: 2011) an einer Lebererkrankung. Die meisten wissen nicht, dass sie krank sind. Denn im Gegensatz zu anderen Erkrankungen sind die Warnzeichen einer Lebererkrankung unspezifisch oder fehlen ganz. So denkt wohl kaum jemand bei Antriebsarmut, Leistungsminderung, Gliederschmerzen oder Blähungen an eine schleichende Leberzirrhose oder eine Hepatitisinfektion.
Ursachen für Lebererkrankungen
Für Lebererkrankungen gibt es viele verschiedene Ursachen. Dazu gehören chronische Virusinfektionen, Übergewicht, Alkohol, Pilzvergiftungen, Umweltgifte sowie Medikamente. Aber auch Stoffwechselkrankheiten wie z. B. die Eisenspeicherkrankheit, ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel oder eine nicht alkoholische Steatohepatitis (NASH) können der Auslöser für eine Lebererkrankung sein. Seltener sind Autoimmunerkrankungen die Ursache.
Alkohol ist nur in der Hälfte der Fälle der Auslöser einer Lebererkrankung. Unbehandelt verlaufen Lebererkrankungen in der Mehrzahl der Fälle chronisch. Das heißt: Je länger die Krankheit unentdeckt bleibt, desto größer ist das Risiko einer Leberzirrhose oder von Leberkrebs.
Lebererkrankungen: Symptome
Im Frühstadium erkannt sind viele Lebererkrankungen gut behandelbar und Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs können vermieden werden. Symptome wie
- ständige Müdigkeit, Konzentrationsstörungen
- Druckgefühl im rechten Oberbauch
- Appetitverlust und Gewichtsveränderungen
- Übelkeit und Erbrechen, Blähbauch
- Gelbfärbung der Haut oder Augen
können auf eine Lebererkrankung hinweisen.
Leberzirrhosse und Fettleber
So unterschiedlich die Ursachen und der Verlauf chronischer Lebererkrankungen sind: In den Spätfolgen ähneln sich diese Erkrankungen sehr stark. Ist die Leber durch dauerhafte Entzündung überlastet, kommt es zum Zellsterben. Die kranke Leber vernarbt und schrumpft. Das Endstadium nennt sich Zirrhose.
Bei einer Leberzirrhose werden Leberzellen durch Bindegewebe ersetzt. Die Leber verhärtet sich und schrumpft. Dieser Schaden ist irreparabel und die Leber kann ihre Funktion als zentrale "chemische Fabrik" und Entgiftungsstation im Körper nicht mehr wahrnehmen. Die Folgen einer Zirrhose können gravierend sein: Wasserbauch (Aszites), Störungen der Hirnleistung (Hepatische Enzephalopathie), Blutungen aus Krampfadern in Magen oder Speiseröhre (Varizenblutungen), in sehr ungünstigen Fällen auch Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom). Durch geeignete frühzeitige Therapien lässt sich ein chronischer Verlauf oft erfolgreich verhindern.
Eine häufige - immer noch als harmlos geltende - Lebererkrankung ist die Fettleber. Hier wird vermehrt Fett in die Leber eingelagert. Dabei kann es zu einer Leberentzündung (Fettleberhepatitis) kommen bis hin zur Leberzirrhose. Meist sind eine zu kalorienreiche Ernährung verbunden mit Bewegungsmangel oder häufiger Alkoholgenuss die Ursache. Aber auch Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus können eine Fettleber verursachen. Durch die Normalisierung des Körpergewichtes und nur mäßigen Alkoholkonsum kann der Fettleber vorgebeugt werden. Bei konsequentem Verzicht auf Alkohol und der kontrollierten Reduzierung des Übergewichtes kann eine bestehende Leberverfettung rückgängig gemacht werden.
Infektion mit Hepatitis A oder Hepatitis B
Eine meist unterschätzte Gefahr ist die Infektion mit Hepatitis-Viren, bei der es zu einer Leberentzündung kommt. Die bekanntesten virusbedingten Entzündungen sind Hepatitis A, B und C. Die Ansteckungswege dieser Erkrankungen unterscheiden sich, deshalb werden die Infektionen auch oft verwechselt.
Hepatitis A ist eine Reisekrankheit, die vor allem durch verunreinigte Nahrungsmittel und Schmierinfektionen übertragen wird. Da sie immer von selbst ausheilt, gilt sie als die harmloseste Form der Virushepatitis. Problematisch ist der Verlauf bei alten Menschen, chronisch Kranken, Menschen mit chronischer Hepatitis C und Menschen mit schwachem Immunsystem.
Die Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. In Deutschland sind etwa 600.000 Menschen mit dem Hepatitis-Virus B infiziert. Hepatitis-B ist ansteckend und kann durch fast alle Körperflüssigkeiten (Blut, Speichel, Tränenflüssigkeit, Vaginalsekret, Sperma) übertragen werden. Ein weiteres Risiko ist eine Übertragung der Hepatitis B von Mutter zu Kind bei der Geburt. Bei Erwachsenen heilt die akute Infektion mit dem Virus in 95–98% der Fälle aus. In 2–5 % der Fälle verläuft die Erkrankung jedoch chronisch und kann zu den gefürchteten Spätfolgen wie Leberzirrhose führen. Durch rechtzeitige Diagnose und die Einleitung einer Therapie kann dieser gefährlichen Folge jedoch vorgebeugt werden.
Gegen Hepatitis A und B kann man sich impfen lassen. Die Impfung ist vor allem für Risikogruppen empfehlenswert, z. B. Partner von Hepatitis-B-Betroffenen, medizinisches Personal in Kliniken und Arztpraxen. Leider nehmen noch immer zu wenige dieses Angebot war, so dass es jedes Jahr zu mehreren Tausend Neuinfektionen in Deutschland kommt.
Gefährliche Hepatitis C
In Deutschland trägt etwa eine halbe Million Menschen das Hepatitis-Virus C in sich. Die Übertragung erfolgt in erster Linie über den Blutweg. Die Infektion verläuft oft unbemerkt, häufig fehlen die typischen Merkmale einer Hepatitis wie Dunkelfärbung des Urins, Hellfärbung des Stuhls und Gelbsucht. Die Hepatits C verläuft unbehandelt in etwas 50-80% der Fälle chronisch, bei 20% der Patienten mit chronischer Hepatitis C kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Sie haben zusätzlich ein hohes Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Gegen Hepatitis C gibt es noch keine Impfung, dennoch ist auch die Hepatitis C heute mit gutem Erfolg behandelbar.
Lebererkrankungen vorbeugen
Die Bestimmung der Leberwerte (spezifische Enzyme im Blut) gibt u.a. Aufschluss darüber, ob eine Lebererkrankung vorliegt. Sie sollten routinemäßig überprüft werden. Eine ausgewogene, kalorienarme Ernährung mit ausreichend Bewegung, vor allem maßvoller Alkoholkonsum sowie die Impfung gegen Hepatitis A und B sind weitere wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung.
Die Deutsche Leberhilfe e.V. hat in Zusammenarbeit mit dem Kompetenznetz-Hepatitis einen
Online-Lebertest entwickelt. Wenn Sie eine Einschätzung haben möchten, wie hoch Ihr persönliches Risiko ist eine Lebererkrankung zu haben, dann machen Sie den Lebertest.Autor/Quelle: Gastro-Liga e.V.
