Milz - Filter für das Blut

Während man im Mittelalter glaubte, dass die Milz die von der Leber produzierte schwarze Galle abbaut – ein Überfluss an schwarzer Galle wurde u.a. für den Ausbruch von Lepra verantwortlich gemacht - weiß man heute, dass das Milzgewebe einen Filter für Blut und Krankheitserreger darstellt. Die Milz führt eher ein Schattendasein. Die wenigsten Menschen wissen, wo sie genau liegt, geschweige denn, was sie macht. Dabei ist sie die Filteranlage unseres Blutsystems und ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems – und vermutlich verursacht sie Seitenstechen.

Wie sieht die Milz aus und wo liegt sie genau?

Die Milz (Synonyme: Splen, Lien) ist ein relativ kleines Organ – normalerweise kann man sie von außen nicht ertasten. Sie ist etwa 11 cm lang, 7 cm breit und 4 cm dick und wiegt zwischen 150 g und 200 g. Sie hat ungefähr die Form einer Bohne und fühlt sich weich an, ihre Farbe schwankt zwischen kirschrot und blauviolett.

Die Milz liegt unterhalb des Zwerchfells im linken Oberbauch: Sie grenzt dort an den Magen, die linke Niere und das Pankreas, also die Bauchspeicheldrüse. Durch bindegewebige Bänder ist sie mit den Nachbarorganen verbunden. Von außen umgibt die Milz eine Bindegewebekapsel (Tunica fibrosa), die das weiche Innere schützt.

Von ihr aus führen stützende Balken nach innen, zwischen denen die Milzpulpa (lat. pulpa = Fleisch) sitzt. Diese Pulpa wird in die so genannte rote Pulpa (Pulpa rubra) und weiße Pulpa (Pulpa alba) unterteilt – sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die Namen hängen mit dem Aussehen der Milzbezirke zusammen: Wenn man die Milz aufschneidet, erscheint die rote Pulpa als rotes Gewebe, in dem als weiße Knötchen die weiße Pulpa sitzt.

Über die Milzschlagader (Arteria lienalis) wird die Milz mit Blut versorgt, von der Milz aus fließt das Blut über die Vena lienalis dann weiter zur Leber. Die Milz ist besonders gut durchblutet: Unser komplettes Blut wird jeden Tag etwa 500mal durch sie hindurch gepumpt!

Welche Funktionen hat die Milz?

Die rote Pulpa besteht aus einem gut durchbluteten Bindegewebenetz (Reticulum splenicum), in dem alte Blutkörperchen (Erythrozyten) hängenbleiben, die nicht mehr so elastisch sind und vom Netz "gefangen“ werden – sie werden dann von Makrophagen abgebaut. Dabei "recycelt“ die Milz das Eisen aus dem Hämoglobin (roten Blutfarbstoff). Auch kleine Blutgerinnsel und "verbrauchte“ Thrombozyten (Blutplättchen) werden in der Milz aussortiert und abgebaut.

Die weiße Pulpa gehört zu unserem Immunsystem. Zum einen speichert sie Lymphozyten (das ist eine bestimmte Art weißer Blutkörperchen), die teilweise auch in der Milz heranreifen. Ungefähr 30 Prozent aller weißen Blutkörperchen werden so gespeichert. Die Lymphozyten reagieren auf Krankheitserreger wie z.B. Bakterien, die mit dem Blut in die Milz gelangen, und können so eine Infektion abwehren. Bei Bedarf werden die in der Milz gespeicherten Lymphozyten auch in das Blut ausgeschüttet. Außerdem werden in der weißen Pulpa Immunglobuline gebildet, das sind spezielle Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger.

Daneben speichert die Milz auch immer eine gewisse Menge Blut, die z.B. bei einer Blutung im Körper oder bei großer Anstrengung frei gesetzt werden kann. Dadurch entsteht vermutlich das Seitenstechen, das uns manchmal beim Sport plagt.

Die Milz im Lauf des Lebens

Bei ungeborenen Kindern produziert die Milz maßgeblich die Blutkörperchen. Diese Funktion stellt sie nach der Geburt normalerweise ein – das Knochenmark übernimmt dann die Blutproduktion. Wenn die Blutzellenproduktion des Knochenmarks allerdings durch eine Krankheit (z.B. Leukämie) gestört ist, kann die Milz wieder aktiv werden.

Alle Aufgaben, die die Milz erfüllt, nehmen auch andere Organe im Körper wahr: Das Knochenmark produziert Blutzellen und die Lymphknoten bekämpfen eingedrungene Krankheitserreger. Das macht die Milz entbehrlich, man kann auch ohne sie überleben. Eventuell erhöht sich dadurch allerdings die Anfälligkeit für bestimmte Erreger, z. B. scheinen Pneumokokken eher eine gefährliche Hirnhaut- oder Lungenentzündung auszulösen – eine Impfung bietet dann Schutz.