Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden von der Schilddrüse weniger Hormone produziert, als der Körper benötigt. In der Folge können Symptome wie Müdigkeit, depressive Verstimmungen, eine Gewichtszunahme sowie ein Kältegefühl auftreten. Ursache der Beschwerden ist oftmals die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. Meist lässt sich eine Schilddrüsenunterfunktion durch künstlich hergestellte Hormone gut behandeln – allerdings müssen die Medikamente in der Regel ein Leben lang eingenommen werden.

Schilddrüsenunterfunktion – Was ist das?

Die Schilddrüse ist ein Organ, das die für uns Menschen lebenswichtigen Hormone Trijodthyronin und Thyroxin produziert. Diese sind unter anderem für unseren Kreislauf, unseren Stoffwechsel, unser Wachstum sowie unser psychisches Wohlbefinden von Bedeutung. Liegt ein Mangel an Schilddrüsenhormonen vor, arbeitet der Stoffwechsel langsamer und die Leistungsfähigkeit sinkt.

Die Produktion und Abgabe der Schilddrüsenhormone wird im Gehirn durch den Hypothalamus und die Hypophyse gesteuert. Diese stellen Hormone her, die die Aktivität der Schilddrüse anregen. Funktionieren diese Regelzentren im Gehirn oder aber die Schilddrüse selbst nicht mehr richtig, werden weniger Hormone produziert, als der Körper benötigt. In einem solchen Fall spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion.

Eine Schilddrüsenunterfunktion tritt relativ oft auf. In Deutschland sind zwischen 0,5 und 1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Frauen leiden deutlich häufiger unter der Störung als Männer. Mit dem Alter nimmt das Risiko für eine Schilddrüsenunterfunktion zu.

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion

Hinter einer Schilddrüsenunterfunktion können sich verschiedene Ursachen verbergen. Die Probleme können entweder in der Schilddrüse selbst liegen oder aber vom Hypothalamus oder der Hypophyse ausgehen. Daneben kann es auch passieren, dass eine Unterfunktion durch medizinische Maßnahmen, die beispielsweise bei der Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion durchgeführt werden, ausgelöst wird.

In seltenen Fällen kann eine Schilddrüsenunterfunktion durch eine jodarme Ernährung verursacht werden. Ebenfalls selten ist, dass eine Unterfunktion angeboren ist – dies ist etwa bei einem von 4.000 Kindern der Fall. Im Gegensatz zu dieser angeborenen Form wird eine Unterfunktion mit anderer Ursache als erworbene Schilddrüsenunterfunktion bezeichnet.

Stellt eine körperliche Erkrankung die Ursache dar, werden drei verschiedene Formen unterschieden:

  • Primäre Schilddrüsenunterfunktion: Bei dieser Form liegt eine Funktionsstörung der Schilddrüse vor.
  • Sekundäre Schilddrüsenunterfunktion: Bei dieser Form ist die Hormonproduktion in der Hypophyse gestört.
  • Tertiäre Schilddrüsenunterfunktion: Bei dieser Form ist die Hormonproduktion im Hypothalamus gestört.

Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis)

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird bei Erwachsenen am häufigsten durch eine chronische Schilddrüsenentzündung hervorgerufen. Ursache der Entzündung ist meist die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis.

Bei dieser Erkrankung, von der vor allem Frauen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr betroffen sind, erkennt der Körper die Schilddrüse fälschlicherweise als fremdes Gewebe und produziert Antikörper gegen das Organ. Es entsteht eine chronische Entzündung, durch die das Gewebe der Schilddrüse teilweise zerstört wird. Mit der Zeit entsteht so eine Schilddrüsenunterfunktion.

Erkrankung von Hypothalamus und Hypophyse

Dass eine Schilddrüsenunterfunktion durch Erkrankungen der Regelzentren im Gehirn ausgelöst wird, kommt relativ selten vor. Liegt eine Störung der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) – beispielsweise aufgrund eines Tumors – vor, produziert diese zu wenig TSH. Das Hormon sorgt dafür, dass die Hormonproduktion in der Schilddrüse angeregt wird. Ist die TSH-Konzentration zu gering, werden in der Schilddrüse nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone hergestellt.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann nicht nur durch eine Erkrankung der Hypophyse, sondern auch des Hypothalamus verursacht werden. Der Hypothalamus produziert den Botenstoff TRH. Dieser wiederum regt in der Hypophyse die Bildung und Abgabe von TSH an. Liegt eine Erkrankung des Hypothalamus vor, hat dies somit indirekt auch Auswirkungen auf die Schilddrüsenfunktion.

Medizinische Maßnahmen

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion können die medizinischen Maßnahmen, die zur Behandlung der Störung eingesetzt werden, eventuell eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen. Zu diesen Maßnahmen gehören beispielsweise eine Radiojodtherapie sowie eine operative Entfernung von Teilen oder der gesamten Schilddrüse. Wird zu viel Gewebe zerstört oder entfernt, kann die Schilddrüse nicht mehr genügend Hormone produzieren.

Daneben können auch zu hoch dosierte Thyreostatika zu einer Unterfunktion führen. Diese Medikamente werden bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt, um die Hormonproduktion in der Schilddrüse zu hemmen.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion

Eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion tritt relativ selten auf. Da bei dieser Form jedoch die Früherkennung von entscheidender Bedeutung ist, wird bei allen neugeborenen Kindern in Deutschland ein Screening durchgeführt. Dabei wird die Konzentration des Hormons TSH im Blut gemessen. Denn nur wenn die Schilddrüsenunterfunktion rechtzeitig erkannt wird, können bleibende Schäden am Nervensystem verhindert werden.

Hinter einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion können verschiedene Ursachen stecken. Möglich ist beispielsweise, dass die Schilddrüse komplett fehlt, dass sich das Schilddrüsengewebe nicht richtig entwickelt hat oder dass die Hormonproduktion gestört ist. Außerdem kann die Schilddrüse des Kindes im Mutterleib geschädigt worden sein – etwa durch eine jodarme Ernährung oder eine Radiojodtherapie während der Schwangerschaft.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse machen sich typischerweise in den ersten Lebensmonaten Symptome wie eine verminderte Aktivität sowie eine Trinkschwäche bemerkbar. Zudem kann die Neugeborenengelbsucht länger als gewöhnlich anhalten. Wird die Funktionsstörung nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Entwicklungsstörungen am Nervensystem und an den Knochen kommen. In solch einem Fall wird von Kretinismus gesprochen.