Bluthochdruck - auch die Lebensweise ist entscheidend

Etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland leidet unter Bluthochdruck (Hypertonie). Viele wissen nichts davon, denn hoher Blutdruck tut nicht weh. Bleibt er unbehandelt, schädigt er jedoch die Blutgefäße. "Die Folgen können lebensgefährlich sein", sagt Dr. Gerhard Schillinger, Arzt beim AOK-Bundesverband. "Dazu zählen Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden."
Blutdruck heißt der Druck, der in unseren Gefäßen und Herzkammern herrscht. Bei gesunden Menschen steigt er durch Aufregung oder Anstrengung, bei Ruhe fällt er wieder. Viele Menschen haben Bluthochdruck, weil sie erblich vorbelastet sind. Oft aber sind es erst Übergewicht und Bewegungsmangel, Rauchen, zuviel Alkohol oder Stress, die letztlich zum Bluthochruck führen. Seltener sind Medikamente wie etwa Rheumamittel und Anti-Baby-Pille der Auslöser. Auch Lakritz kann, reichlich verzehrt, zu hohem Blutdruck führen.

Die Blutdruckmessung

Der Blutdruck wird durch das Zusammenziehen und Erschlaffen des Herzmuskels und vom Widerstand in den Blutgefäßen bestimmt. Der so genannte systolische Blutdruck ist dabei der höchste, der diastolische der niedrigste Punkt der Druckkurve. Zum Messen des Blutdrucks dienen eine aufblasbare Gummimanschette und ein Druckmessgerät, etwa eine Quecksilbersäule. Der Blutdruck wird in "Millimeter Quecksilber" (mm Hg) angegeben. "Die Grenze des normalen Blutdrucks liegt bei Erwachsenen bei 140 zu 90. Liegen die Werte ständig darüber, spricht man von Bluthochdruck", erklärt der AOK-Experte.

Ursache für Gefäßerkrankungen

Menschen mit Bluthochdruck sollten sich regelmäßig ärztlich behandeln lassen. "Geschieht das nicht, verschlechtert sich die Krankheit in der Regel von Jahr zu Jahr. Das Herz muss dann immer schwerer arbeiten, um den Körper mit Blut zu versorgen", so Dr. Gerhard Schillinger. Folgen können eine Herzmuskelschwäche und Herzversagen sein. Hypertonie ist auch eine der wichtigsten Ursachen für Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose) und ihre gefährlichen Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen.
Doch diese Risiken lassen sich mindern, wenn der hohe Blutdruck rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Da Bluthochdruck aber gerade zu Beginn der Krankheit kaum Beschwerden verursacht, wissen viele Betroffene nichts von ihrer Krankheit. Wer wissen will, ob seine Werte zu hoch sind, sollte regelmäßig den Blutdruck kontrollieren. Die richtige Ernährung, ausreichend Bewegung, Medikamente und andere Maßnahmen sind wichtige Bausteine der Therapie.
Dr. Gerhard Schillinger: "Übergewichtige Patienten sollten mit ihrem Arzt besprechen, wie sie ihr Gewicht langfristig normalisieren oder vermindern können. Denn oft sinkt der Blutdruck durch Gewichtsabnahme." Dabei ist es sinnvoll, möglichst wenig tierische Fette, wie etwa Butter, Schmalz oder fette Fleisch- und Wurstwaren, zu verzehren. Besser ist es, zweimal pro Woche Seefisch zu essen. Er enthält besondere Fettsäuren, die sich positiv auf den Fettstoffwechsel auswirken. Wer viel Obst und Gemüse isst, kann den Blutdruck zusätzlich verbessern.

Sparsam salzen

"Wer hohen Blutdruck hat, sollte außerdem wenig Kochsalz zu sich nehmen", rät Schillinger. "Oft kann alleine schon ein sparsamer Umgang mit Kochsalz den Blutdruck senken." Deshalb am besten in der Küche wenig Salz verwenden und bei Tisch nicht nachsalzen. Viele Nahrungsmittel wie Brot oder Käse sind bereits vorgesalzen und decken den täglichen Bedarf zur Genüge. Auch wer mit Kräutern statt Kochsalz würzt, kann seine Speisen schmackhaft und aromatisch zubereiten. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Tee oder Cola in Maßen genossen vertragen die meisten Hypertoniker gut. Ihren Alkoholkonsum sollten Patienten mit Bluthochdruck jedoch soweit wie möglich einschränken.
Alkohol enthält sehr viele Kalorien und macht das Abnehmen unnötig schwer. Rauchen sollte allgemein und natürlich besonders bei zu hohem Blutdruck tabu sein. AOK-Experte Schillinger: "Nikotin ist ein schweres Gift für die Blutgefäße und erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden."

Bewegung tut gut

Positiv wirkt sich Bewegung auf den Bluthochdruck aus. "Regelmäßige Bewegung verbessert die Herzleistung, so dass der Blutdruck sowohl unter Belastung als auch im Ruhezustand allmählich sinkt", so Dr. Gerhard Schillinger. Um solche günstigen Effekte zu erzielen, reicht es oft schon, seine Gewohnheiten ein wenig umzustellen. Wer statt des Aufzugs die Treppe nimmt und kurze Wege nicht mit dem Auto sondern zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt, verschafft sich zusätzliche Bewegung.
Auch Sportarten, die die Kondition stärken, eignen sich für Patienten mit Bluthochdruck. Zum Beispiel Wandern, Rad fahren, Schwimmen, Rudern, Skilanglauf, Gymnastik, Joggen oder Nordic Walking. Ungeeignet sind Sportarten mit abrupten Belastungen und Bewegungen wie Tennis, Krafttraining oder Abfahrtsskilauf. Schillinger: "Hypertoniker sollten auf jeden Fall mit ihren Hausarzt sprechen, wenn sie Sport treiben und ihn fragen, welche Sportart für sie geeignet ist."

Risikofaktor Stress

Ein wichtiger Risikofaktor bei Bluthochdruck ist Stress. Gelegentlicher Stress lässt sich schon durch kleine Ruhepausen und kurze Erholungsphasen vermindern. Bewegung, ausreichend Schlaf, genügend Zeit für Hobbys aber auch Entspannungstechniken wie Atemübungen oder autogenes Training sind gute Mittel, um Stress zu verarbeiten. "Wenn berufliche oder private Lebensumstände aber immer wieder Stress verursachen, muss man versuchen, die Ursache zu beseitigen oder abzubauen", rät der AOK-Experte.