Ödeme (Wassersucht)

In der harmlosen Form hat fast jeder von uns schon einmal ein Ödem gehabt, z. B. verquollene Augenlider am Morgen nach zu reichlichem Alkoholgenuss, geschwollene Füße im Sommer oder auch die Schwellung nach einem Insektenstich. Ödeme können jedoch Symptom einer ernsten Erkrankung sein.

Bei Ödemen ("Wassersucht") handelt es sich um Einlagerungen von Wasser aus dem Gefäßsystem im Zwischengewebe, meist Bindegewebe. Im betroffenen Gebiet kommt es zu einer meist schmerzlosen Schwellung. Typisch: Drückt man mit dem Finger auf die Schwellung, bleibt eine Delle zurück, die sich erst allmählich wieder zurückbildet.

Ödeme sind keine eigene Krankheit, sondern Symptome bereits bestehender Grunderkrankungen. Sie können vereinzelt, aber auch im ganzen Körper auftreten und neben der Haut viele andere Regionen betreffen, z. B. die Lunge (Lungenödem) oder das Gehirn (Hirnödem).

Wie entstehen Ödeme?

Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen dem Flüssigkeitsübertritt aus den kleinsten Blutgefäßen – den arteriellen Kapillaren – ins Binde- und Stützgewebe und dem Abfluss des Gewebewassers in die venösen Kapillaren und dessen Ableitung über die Lymphgefäße. Bei Ödemen ist dieser Flüssigkeitsaustausch zwischen den Kapillaren und dem Gewebe gestört, d. h. es geht mehr Wasser ins Gewebe über als abtransportiert wird.

Dies ist z. B. bei allen Krankheiten der Fall, die den Blutkreislauf beeinträchtigen, wie etwa Herz- und Nierenschwäche. Bei ersterer ist die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigt, sodass der Rückfluss zum Herzen eingeschränkt ist und sich das Wasser - entsprechend der Schwerkraft - vor allem im Bereich beider Knöchel und Fußrücken sammelt. Bei der Nierenschwäche werden Eiweiße mit dem Urin ausgeschieden, die sonst das Wasser im Blut an sich ziehen und damit zurückhalten.

Weitere häufige Ursachen für Ödeme sind eine Leberzirrhose (führt zu Ödemen im Bauchraum = Aszites), Allergien und Medikamente wie bei Herzerkrankungen eingesetzte Kalziumkanalblocker. Auch manche angeborenen Krankheiten gehen mit Ödemen einher.

Häufige Ödemformen

  • Beinödem: Eine Wasseransammlung in den Beinen entsteht z. B. durch schwache Venen, deren Venenklappen nicht mehr gut genug funktionieren. Das verbrauchte Blut, das eigentlich zum Herzen transportiert werden sollte, versackt in den Beinen. Dadurch baut sich ein hoher Druck in den Gefäßen auf, zu viel Flüssigkeit wird aus dem Blut ins umliegende Gewebe gepresst; das Bein schwillt an. Weitere Ursachen sind Herz- und Nierenschwäche.
  • Lungenödem: Zum Flüssigkeitsübertritt aus den Kapillargefäßen in die Lunge kommt es am häufigsten durch eine chronischen Schwäche der linken Herzkammer – das Blut wird nicht ausreichend in den großen Kreislauf weitergepumpt und staut es sich in den Lungenkreislauf zurück. Weiter Ursachen sind Nierenschwäche, Lungenerkrankungen und die Höhenkrankheit.
  • Hirnödem: Die lebensgefährliche vermehrte Flüssigkeitseinlagerung oder -umlagerung im Hirngewebe entsteht durch verschiedene äußere und innere Störungen, z. B. Tumoren, Entzündungen, Vergiftungen, Gefäßschäden, Hirnerkrankungen, Verletzungen, Operationen oder die Höhenkrankheit. Da der knöcherne Schädel keine Möglichkeit hat, sich auszudehnen, kann das Ödem wichtige Gehirnareale und versorgende Gefäße zusammenpressen, was zu einer verminderten Durchblutung und zum Absterben von Gewebe führt.
  • Angioödem: Diese früher als Quincke-Ödem bezeichnete Wasseransammlung im Unterhautgewebe zeigt sich als flüchtige, oft massive Schwellungen vor allem im Gesicht (an den Lippen und Augenlidern), seltener an der Zunge, den Genitalien und anderen Organen. Sie jucken in der Regel nicht, sie können aber – je nach Stärke der Schwellung – schmerzhaft sein. Ist der Kehlkopf betroffen, besteht sogar Erstickungsgefahr. Normalerweise bildet sich das Angioödem innerhalb von ein bis drei Tagen zurück. Es tritt entweder im Rahmen einer allergischen Reaktion (vermittelt durch den Botenstoff Histamin) oder – sehr viel seltener – infolge der ungenügenden Funktion eines bestimmten Moleküls (C1-Inhibitor) auf, welches das Immunsystem bei unkontrollierten Reaktionen bremst. Diese Form ist meist angeboren (hereditäres Angioödem).

Eine Sonderform ist das Lymphödem, bei dem die Lymphknoten nicht funktionsfähig oder aufgrund einer Erkrankung (z. B. Krebs) zerstört oder entfernt worden sind. Dadurch können Gewebeflüssigkeit und Abbauprodukte nicht mehr genügend abtransportiert werden. Es kommt zu Schwellungen des Gewebes, die nur einzelne Glieder, aber auch den ganzen Körper betreffen können. Das Gewebe wirkt aufgedunsen und teigig, die Schwellungen sind – im Gegensatz zum "normalen" Ödem – nur schwer einzudrücken.

Therapie

Da Ödeme Ausdruck einer Grunderkrankung sind, steht deren Behandlung an erster Stelle. Oft sind die Ausprägung der Ödeme (bzw. deren Rückgang) ein guter Indikator dafür, ob die Therapie z.B. einer Herz- oder Nierenschwäche anschlägt. Je nach Ort und Ausprägung des Ödems ist eine intensivmedizinische Behandlung nötig – so z. B. beim Hirnödem und Lungenödem.

Die Schwellungen beim Lymphödem werden mit speziellen Kompressionsstrümpfen bzw. -handschuhen und -ärmeln behandelt, die Druck auf die Gliedmaßen ausüben; die betroffenen Glieder werden hoch gelagert. Spezielle Massagen (Lymphdrainage) und Krankengymnastik verschaffen zusätzlich Linderung.