Ohrentzündung

Von Juckreiz und Druckgefühl über Hör- und Gleichgewichtsstörungen bis hin zu Fieber und unerträglichen Schmerzen - das Spektrum möglicher Symptome bei Entzündungen des Ohres ist groß. Besonders Kinder leiden häufig unter Ohrbeschwerden. Lesen Sie hier, wodurch Ohrenschmerzen verursacht werden und was Sie gegen die Beschwerden tun können.

Das Ohr - Aufbau und Funktionen

Hören: Die knorpelige Ohrmuschel fängt den Schall auf, der durch akustische Signale verursacht wird. Der äußere Gehörgang leitet diesen zum Trommelfell, der Grenze zum Mittelohr. Hinter dem Trommelfell befindet sich die luftgefüllte Paukenhöhle mit den drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel, letztere mit ca. 3 mm Länge der kleinste Knochen des Körpers. Diese dämpfen bzw. verstärken den Schall und leiten ihn weiter ins Innenohr.

Die beiden Zugänge dorthin, das ovale und runde Fenster, sind jeweils mit einer Membran verschlossen. Die Paukenhöhle besitzt eine Verbindung zum Rachenraum - diese "Ohrtrompete" sorgt für den Druckausgleich zwischen der Paukenhöhle und der Außenluft. Im Innenohr werden in den Sinneszellen der Schnecke, einem Hohlraumsystem, die Schallwellen in elektrische Nervensignale umwandelt und über den Hörnerv in das Gehirn weitergeleitet.

Gleichgewicht: Im Innenohr liegen auch die Sinnesrezeptoren des Gleichgewichtsorgans, und zwar im Vorhof und den Bogengängen. Sie senden Informationen über Orientierung und Richtung des Körpers im Raum in Ruhe und Bewegung über den Gleichgewichtsnerv an das Gehirn. Zusammen mit den Informationen aus Augen und Muskeln sorgen diese dafür, dass wir uns gerade halten können. Entzündungen des Ohres sind recht häufig. Die Ursachen sind vielfältig, betroffen sein können alle Anteile des Ohres.

Entzündung des äußeren Ohres (Otitis externa)

Das Ohrfurunkel ist eine tief gehende eitrige Entzündung eines Haarbalgs im Gehörgang, hervorgerufen durch bestimmte Bakterien. Nicht selten wird die Infektion noch dadurch verschlimmert, dass der Betroffene versucht, den Gehörgang mit Wattestäbchen o.ä. zu manipulieren. Das Ohrfurunkel ist sehr schmerzhaft, der Gehörgang ist häufig zugeschwollen und die Lymphknoten in der Umgebung sind vergrößert.

Bei der schmerzhaften Ohrmuschelperichondritis ist die Knorpelhaut entzündet. Sie entsteht nach Verletzungen oder Operationen am Ohr. Das Gehörgangsekzem ist eine Entzündung der Haut des äußeren Gehörgangs, die durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen wird. Vorausgehende Hautschädigungen, Allergien, Antibiotikatherapie oder Erkrankungen wie Diabetes begünstigen die Entstehung. Die Haut ist gerötet und das Ekzem kann trocken und schuppig sein oder nässen. Häufig juckt es oder schmerzt.

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Entzündungen des Mittelohrraumes können plötzlich auftreten (Otitis media acuta) oder über einen langen Zeitraum auftreten (Otitis media chronica). Die akute Mittelohrentzündung entsteht meist aufgrund einer fortgeleiteten Infektion mit Bakterien, die durch die Ohrtrompete vom Rachen in das Mittelohr gewandert sind. Besteht ein Loch im Trommelfell, können sich die Erreger auch vom Gehörgang aus einschleichen. Typisch sind stechende Schmerzen im Ohr, Schwerhörigkeit, Fieber und Kopfschmerzen. Auch Ohrgeräusche treten auf. Lassen die Schmerzen plötzlich nach und entleert sich Eiter nach außen, spricht das für eine Trommelfelleröffnung.

Gefährlich wird die Erkrankung, wenn Viren (z.B. bei einer Grippe oder bei Masern) die Übeltäter sind. Diese breiten sich nämlich gern bis ins Innenohr oder sogar Gehirn aus und hinterlassen dort evtl. bleibende Schäden. Auch aggressive Bakterien oder eine schlechte Innenabwehr können zu Komplikationen führen. Die häufigste ist eine Mastoiditis, also die Ausbreitung der Entzündung in den Warzenfortsatz.

Chronische Mittelohrentzündung

Sie beruht auf Belüftungsstörungen der Ohrtrompete, die zu immer wiederkehrenden Entzündungen führen. Es ist eine Loch im Trommelfell vorhanden, was dazu führt, dass der Eiter abfließt. Deshalb ist die chronische Form nicht schmerzhaft. Allerdings macht sie es so den Erregern sehr einfach, immer wieder ins Mittelohr zu wandern und dort die Infektion zu unterhalten. Es besteht die Gefahr, dass die ständige Entzündung auch auf den Knochen und die Gehörknöchelchen übergeht und diese zerstört. Das hat eine bleibende Schwerhörigkeit zur Folge.

Innenohrentzündung (Labyrinthitis)

Eine Entzündung im Innenohr ist immer Folge einer Verletzung, Operation oder Erkrankung am Ohr, z.B. eine weitergeleitete Mittelohrentzündung. Da im Innenohr auch das Gleichgewichtsorgan sitzt, kommt es nicht nur zu Schwerhörigkeit und Ohrgeräuschen, sondern auch zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.

Wie wird die Diagnose gestellt? Der Arzt wird sich zunächst die Krankengeschichte anhören, insbesondere auch, ob es in der Vergangenheit ähnliche Probleme gab. Dann wird er das betroffene Ohr anschauen und dessen Umgebung einschließlich der Lymphknoten abtasten. Eine wichtige Untersuchung ist die Ohrenspiegelung, bei der er mit mikroskopischer Vergrößerung den Gehörgang und das Trommelfell begutachten kann. Funktionsbeeinträchtigungen können mit einem Hörtest bestimmt werden. Je nach Form und vermuteter Ursache können sich eine gründliche Untersuchung des gesamten Hals-Nasen-Ohren-Traktes, weitere Hörprüfungen, Röntgenaufnahmen, neurologische Untersuchungen und Ohrabstriche anschließen.

Ohrenschmerzen behandeln

Die Behandlung variiert je nach betroffenem Teil des Ohres und nach Ausprägung und Verlauf. Häufig kommen Antibiotika zum Einsatz, in manchen Fällen muss operiert werden. Auslösende Krankheiten wie Allergien oder die Zuckerkrankheit müssen berücksichtigt werden.

  • Entzündung des äußeren Ohrs: Der Arzt wird den Gehörgang sorgfältig reinigen und desinfizieren, häufig werden Gazestreifen eingelegt, die mit Antibiotika und/oder Kortison getränkt sind. Bei Pilzinfektionen werden Pilzmittel als Tropfen oder Salbe lokal aufgebracht. Darüber werden abschwellende und schmerzlindernde Maßnahmen ergriffen. Ein Abszess muss aufgeschnitten werden.
  • Akute Mittelohrentzündung: Alle 3–4 Stunden werden – am besten im Liegen – Nasentropfen verabreicht, die zum Abschwellen der Schleimhaut auch am Eingang der Ohrtrompete führen und so die Belüftung verbessern. Wichtig ist ein Antibiotikum, um die Erreger zu bekämpfen. Dieses muss allerdings eingenommen werden – Ohrentropfen oder Salben sind unwirksam, da sie bei intaktem Trommelfell nicht bis in die Paukenhöhle gelangen.
    Paracetamol-Tabletten (oder bei Kindern Zäpfchen) helfen gegen die Schmerzen und senken das Fieber. Eine Bestrahlung mit Rotlicht und Inhalationen mit Kamille lindern ebenfalls die Beschwerden. Bessert sich die Entzündung nicht oder drohen Komplikationen, muss eventuell ein kleiner Trommelfellschnitt gemacht (Parazentese) und ein Paukenröhrchen eingebracht werden, damit die Flüssigkeit abfließen kann. Das hat auch den Vorteil, dass man daraus die Erreger isolieren und die Antibiotikatherapie darauf abstimmen kann. Hat sich eine Warzenfortsatzentzündung entwickelt, muss diese evtl. chirurgisch ausgeräumt werden.
  • Chronische Mittelohrentzündung: Liegt eine akute eitrige Entzündung vor, werden Antibiotika gegeben. Das Wichtigste ist, nach Abklingen der Entzündung das Loch im Trommelfell operativ zu verschließen. Sind die Gehörknöchelchen bereits in Mitleidenschaft gezogen, wird eine operative Wiederherstellung versucht. Eine Knocheneiterung wird während der Operation abgetragen oder ausgeräumt.
  • Innenohrentzündung: Es werden Antibiotika und durchblutungsfördernde Mittel gegeben. Ist der ursprünglichen Infektionsherd bekannt, muss dieser beseitigt werden. So wird z.B. bei einer Mittelohrentzündung ein Trommelfellschnitt gemacht, ein Cholesteatom (ein gutartiger Mittelohrtumor) wird entfernt, bei einer Entzündung des Warzenfortsatzes dieser operativ ausgeräumt.

Worauf muss der Erkrankte achten?

Es sind bestimmte Risikofaktoren bekannt, die das Entstehen einer akuten Mittelohrentzündung begünstigen. Dazu gehören Tabakrauch und Luftverschmutzungen, bei Kindern das Schlafen mit Schnuller, aber auch Grunderkrankungen (z.B. Gaumenspalte), vergrößerte Rachenmandeln, Funktionsstörungen der Ohrtrompete, ein geschwächtes Immunsystem und Allergien.

Entzündungen des äußeren Ohrs treten gehäuft bei wiederholtem Baden oder Schwimmen auf, wenn länger Wasser im Ohr verbleibt und Chlor die Haut austrocknet. Auch Hauterkrankungen und Allergien sowie häufige Irritationen des Gehörgangs (z.B. durch Wattestäbchen oder Ohrenstöpsel) erhöhen das Infektionsrisiko.

Soweit möglich sollten diese Risiken minimiert oder ausgeschaltet werden. Es wurde gezeigt, dass Kinder, die sehr früh ihre erste Mittelohrentzündung hatten oder in deren Familie Ohrentzündungen häufig vorkommen, mit großer Wahrscheinlichkeit immer wieder unter Ohrentzündungen leiden werden.