Botox: Nervengift gegen Gesichtsfalten

Mit Botulinumtoxin, eigentlich ein Nervengift, bieten Schönheitschirurgen und Hautärzte eine relativ neue Art der Faltenbehandlung ganz ohne Operation an. Die für einige Falten verantwortliche Muskulatur wird gelähmt. Wie riskant ist solch ein Eingriff? Wie lange hält die Wirkung an?

Neben der schönen Sommerbräune bringen alle Sonnenanbeter eine bleibende Urlaubserinnerung mit nach Hause: Falten. Krähenfüße um die Augen, Zornesfalten über der Nase und Stirnfalten legen sichtbar Zeugnis ab über den Reifungsprozess eines Menschen, weniger freundlich formuliert über seinen Alterungsprozess. Die Sonne ist dabei nur ein Faktor unter vielen.

Ein Mittel verspricht Abhilfe: Botulinumtoxin, als Markenname Botox registriert, wird einfach in die Haut gespritzt und schon nach wenigen Tagen verschwinden die Falten. So einfach es klingt, der Zusatz "Toxin" im Namen verrät, dass es sich bei Botox um ein Gift handelt, und zwar um ein Nervengift aus Botulin, dem Ausscheidungsprodukt des Bakteriums Clostridium botulinum. Dieses Bakterium vermehrt sich überwiegend in verwesendem tierischem Gewebe. Es befindet sich auch mit Vorliebe in schlecht konservierten Dosen und Wurst. Schon im Millionstel-Gramm-Bereich wirkt Botulin tödlich - viele Bauern wissen um die Gefahr für Pferde und Kühe, die von so verseuchtem Futter ausgeht, weil z.B. tote Mäuse im Kraftfutter nicht immer entdeckt werden.

Wie wirkt Botox auf die Gesichtsfalten?

Die Gesichtshaut ist von einer mimischen Muskulatur unterlegt und fest mit ihr verbunden. Spannen sich die Muskeln, entsteht der Gesichtsausdruck, eine feine Sache etwa beim Lachen. Es entstehen aber auch die von manchen so gefürchteten Falten, z.B. beim Zusammenkneifen der Augen, wenn man sich körperlich anstrengt. Die Falten werden mit den Jahren immer tiefer und oft - wie bei den Zornesfalten - verschwinden sie gar nicht mehr, auch wenn die Muskelspannung nachlässt. Manch ein "böser Blick" ist also ungewollt, weil die Falten Schuld sind.

1980 wurde die faltenglättende Wirkung von Botulinumtoxin in Amerika entdeckt, seit 1982 wird es dort zur Faltenbehandlung eingesetzt. Es wird direkt mit einer feinen Nadel in den Muskel gespritzt. Dort hemmt es die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin an den motorischen Endplatten - vereinfacht gesagt wird kein Signal mehr zwischen Nerv und Muskel übertragen, die quergestreifte Muskulatur wird gelähmt. Botox wird seit vielen Jahren in der Humanmedizin eingesetzt bei spastischem Schiefhals oder beim Lidkrampf.

Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen

Bei Zornesfalten z.B. genügen drei Einstiche, einmal über der Nasenwurzel und je einmal über den Augenbrauen. Nun kann der Muskel nicht mehr angespannt werden. Ein Taubheitsgefühl verschwindet nach einigen Tagen, die Muskellähmung selbst hält drei bis sechs Monate. Wird die Behandlung dann wiederholt, bleibt die Lähmung zwischen einem und zwei Jahren bestehen. Leichte Hautreizungen, manchmal ein kleiner Bluterguss an der Einstichstelle, können als Nebenwirkungen auftreten.

Im seitlichen Augenbrauenbereich bei der Stirnfaltenbehandlung kann es gelegentlich zu einer vorübergehenden Absenkung der Augenbraue oder des Oberli ds kommen. Eine ausdruckstarke Mimik soll angeblich trotz der teilweisen Lähmung bestimmter Muskeln weiterhin möglich sein, zumal die Wirkung nach der Erstanwendung nach einigen Monaten wieder verschwindet.

In Deutschland verbreitet sich diese Methode der Faltenkosmetik inzwischen mehr und mehr und wird von Hautärzten angeboten. Die Behandlung wird von den Krankenkassen nicht übernommen. Die Preise für die kurze (fünfminütige) Behandlung schwanken zwischen 100 und 500 Euro.