Tanorexie: Süchtig nach Sonne und Solarium

Regelmäßiges Sonnenbaden, ob im Freien oder im Solarium, ist nicht nur enorm schädlich für die Haut, es kann auch süchtig machen. Dermatologen sprechen in diesem Zusammenhang von Tanorexie (Bräunungssucht). Wie alle Suchtkranke, weisen auch sogenannte „Tanorexiker“ typische Entzugserscheinungen wie Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen oder gar Depressionen auf, wenn sie ihre Haut einmal nicht bräunen. Erst durch den übersteigerten Genuss von natürlichem oder künstlichem Sonnenlicht fühlen sie sich gut. Nur so kommen sie ihrem Schönheitsideal von einem knackig braungebrannten Körper näher.

Was bedeutet Tanorexie?

Der Bezeichnung „Tanorexie“ setzt sich aus dem englischen Verb „to tan“ (sich bräunen) und dem medizinischen Fachbegriff "Anorexia nervosa", der Magersucht zusammen. Allerdings spielt das Körpergewicht für Sonnen- und Solariumsüchtige weniger eine Rolle. Ihr Schönheitsideal entspricht in erster Linie nach einem knackig braungebrannten Körper.

Doch wie bei der Magersucht ist die Selbstwahrnehmung der Betroffenen auffällig gestört. So nehmen sich viele Tanorexiker als blass und damit unattraktiv wahr, obwohl ihre Haut bereits übermäßig gebräunt ist. Das gesamte Selbstwertgefühl wird alleinig von der Körperbräune abhängig gemacht. Das maßlose Verlangen nach Sonnen- oder künstlichem UV-Licht lockt die Besucher wöchentlich, einige sogar täglich ins Sonnenstudio.

Warum werden wir süchtig nach brauner Haut?

Sonnenlicht fördert die Vitamin-D-Bildung und Ausschüttung von Glückshormonen in unserem Körper. Darum fühlen wir uns gut, wenn uns im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen berühren. Doch genau hier liegt die Gefahr: Wer zu viel Sonne tankt, kann sich leicht einen Sonnenbrand holen und setzt sich einer frühzeitigen Hautalterung aus. Außerdem steigt das Risiko an Hautkrebs zu erkranken rasant an.

Wer glaubt, seine Haut im Solarium auf eine aggressive Urlaubssonne vorbereiten zu können, der irrt, denn das Bräunen auf der Sonnenbank erfolgt über UVA-Strahlen. Auch wenn die Haut im Solarium vorgebräunt wird, bietet die unter UVA-Strahlung vorgebräunte Haut später keinen Schutz vor den gefährlichen UVB-Strahlen der Sonne.

Im Gegenteil: Wer sich im Solarium bräunt, lässt seine Haut schneller altern und fördert die Entstehung brauner Pigmentflecken. Vereinzelt stellen Pigmentflecken Risikofaktoren dar, denn sie können unter Einstrahlung von UV-Licht bösartig werden und Hautkrebs auslösen. Menschen mit mehr als 40 Pigmentmalen oder atypischen Pigmentmalen tragen ein bis zu 7- bis 15-fach höheres Risiko am malignen Melanom (Schwarzer Hautkrebs) zu erkranken. Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend erhöhen das Risiko um das Zwei- bis Dreifache.

Doch Hautkrebs ist heilbar, wenn er früh genug erkannt wird. Darum ist es auch für Schattenliebhaber wichtig, sich ein- oder zweimal im Jahr die Pigmentflecke vom Hautarzt untersuchen zu lassen.

Tipps für das richtige Bräunen

Wie lange man in der Sonne verweilen darf, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, hängt von der jeweiligen Eigenschutzzeit der Haut ab. Helle Hauttypen können beispielsweise ungeschützt maximal fünf bis zehn Minuten in der Sonne baden.

Cremen Sie Ihre Haut daher immer gut ein! Die Sonnencreme sollte einen Schutzfaktor von mindestens 20 haben. Auch dann hält der Schutz für maximal 1,5 bis 3 Stunden an. Danach sollten Sie sich unbedingt einen Platz im Schatten suchen.

Wer dennoch nicht auf die Sonnenbank verzichten möchte, der sollte sich vorher gut über das Sonnenstudio seiner Wahl informieren. Achten Sie auf eine integrierte Schutzfunktion im Bräunungsgerät. Dieses sollte sich bei Höchstbestrahldauer automatisch abschalten können.