HIV-Therapie: Kombinationstherapie

Kombinationstherapie gegen HIV und AIDS
Wenn alle diese Medikamente die Vermehrung von HIV stark eindämmen können – warum braucht man dann mehrere in Kombination? Ganz einfach: Keines der Medikamente kann die Virenproduktion vollständig verhindern. Der Grund: Täglich werden massenhaft neue Viren produziert. Durch zahlreiche Fehler beim Kopiervorgang entstehen verschiedene Varianten des Virus (Mutationen). Zufällig befinden sich darunter auch immer welche, die sich trotz der Medikamente vermehren können, weil sie Veränderungen an den Enzymen aufweisen, die durch die Medikamente blockiert werden sollen. Wird nur ein Medikament gegeben (Monotherapie), vermehrt sich eine solche Virusvariante sehr stark, während die anderen Varianten am Medikament scheitern – bis schließlich die Mehrheit der Viren im Körper des Infizierten den veränderten Bauplan aufweist. Das Medikament ist dann nicht mehr wirksam. Man spricht in diesem Fall von einer Resistenz des Virus gegen das Medikament.
Verhindern oder verzögern kann man diesen Vorgang durch die gleichzeitige Gabe mehrerer Medikamente: Wenn sich eine HIV-Mutation dem Zugriff eines Medikaments entzieht, greift eben ein anderes.
Bei der Gabe von drei Medikamenten kann man in der Regel die Bildung von Resistenzen lange Zeit verhindern. Die Medikamente bewirken, dass die Zahl der freien Viren im Blut, die Viruslast, abnimmt – im optimalen Fall ist HIV nicht mehr nachweisbar – und die Zahl der Helferzellen zunimmt (das Immunsystem erholt sich).
Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Therapie vorschriftsmäßig eingenommen werden. Dann kann man der Regel lange mit HIV leben – wie lange genau, lässt sich bisher noch nicht sagen.
Therapieplanung
Voraussetzung für eine optimale Wirksamkeit ist allerdings, dass die Therapie von Anfang an optimal geplant und auf die Patient(inn)en abgestimmt wird. Je größer die Erfahrung des Arztes/der Ärztin mit der HIV-Therapie, desto besser und andauernder der Therapieerfolg. Deswegen sollte die medizinische Behandlung von Menschen mit HIV/Aids stets in HIV-Schwerpunktpraxen oder HIV-Ambulanzen erfolgen.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen der HIV-Therapie sind vielfältig und variieren je nach Medikament und Patient/in.
- Kurzzeitnebenwirkungen wie Durchfälle und Kopfschmerzen gehen meist nach einigen Wochen zurück und sind in der Regel gut behandelbar.
- Problematischer sind Langzeitnebenwirkungen wie schmerzhafte Entzündungen der Nerven in den Armen und Beinen (Neuropathien). Besonders belastend sind für viele HIV-Patient(inn)en Störungen des Fettstoffwechsels und der Fettzusammensetzung des Körpers. Hierzu zählen der Schwund von Unterhautfettgewebe im Gesicht, an den Armen und Beinen sowie die Anlagerung von Fettgewebe am Bauch und im Nacken – so wird die HIV-Infektion beziehungsweise deren Behandlung äußerlich sichtbar.
- Die Therapien können auch zu dauerhaften Organschädigungen (z.B. Leberversagen) führen.
Angst vor der Therapie
Bei vielen Patient/innen führen die Nebenwirkungen dazu, dass sie Angst vor einer Therapie haben oder ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen, sodass die Wirksamkeit der Medikamente gefährdet ist.
Autor/Quelle: Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Deutsche AIDS-Hilfe, Deutsche AIDS-Stiftung


