Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis) ist keine typische Kinderkrankheit wie Masern oder Mumps. Acht von zehn der Keuchhusten-Patienten sind über 18 Jahre alt, jeder Dritte ist sogar älter als 45 Jahre. Experten schätzen, dass Jahr für Jahr allein in Deutschland 110.000 Erwachsene an Keuchhusten erkranken. Leider wissen die wenigsten der Betroffenen, dass sie überhaupt Keuchhusten haben. Die Erkrankung äußert sich nämlich bei Erwachsenen völlig anders als bei Kindern und wird deshalb häufig mit anderen Atemwegs-Erkrankungen verwechselt.

Keuchhusten: Symptome - auch bei Erwachsenen

Während kleine Patienten nachts an schweren Hustenattacken leiden, begleitet von Atemnot, keuchenden Atemgeräuschen und manchmal Erbrechen, fehlt das Keuchen und Erbrechen bei Erwachsenen völlig. Einziger Hinweis auf Keuchhusten im Erwachsenen-Alter ist oft ein schlimmer Husten, der mehrere Wochen anhält. Manchmal klagen die Betroffenen auch über Kratzen im Hals oder Schweißausbrüche. Kein Wunder, dass die wenigsten bei diesen Symptomen an Keuchhusten denken.

Experten empfehlen jedoch, bei hartnäckigem Husten immer hellhörig zu werden und Keuchhusten zumindest ins Kalkül zu ziehen. "Bei lang andauerndem Husten und vor allem nächtlichen Hustenattacken sollte bei Erwachsenen immer auch an Keuchhusten gedacht werden", sagt Professor Christel Hülße vom Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern aus Rostock.

Zusammen mit deutschen und amerikanischen Kollegen hat Frau Hülße die Häufigkeit von Keuchhusten bei Erwachsenen untersucht. Die Wissenschaftler werteten dazu die Daten von 809 Patienten im Alter von über 18 Jahren aus, die wegen Hustens einen Arzt aufgesucht hatten. Das erstaunliche Ergebnis der Untersuchung: Jeder zehnte Patient, der länger als sieben Tage gehustet hatte, litt in Wirklichkeit an Keuchhusten. Die Erkrankung ist also bei Erwachsenen wesentlich häufiger als bisher angenommen.

Komplikationen bei Keuchhusten

Bei Erwachsenen verläuft Keuchhusten grundsätzlich milder als bei Kindern und ist nicht lebensbedrohlich. Doch auch im Erwachsenen-Alter ist die Erkrankung keineswegs harmlos. Bei jedem Vierten treten Komplikationen auf. So kann Keuchhusten beispielsweise Gewichtsverlust, seltener eine Lungenentzündung, Krampfanfälle und Gehirnbluten auslösen.

Erwachsene mit Keuchhusten können mitunter auch ihren Urin nicht mehr halten und werden inkontinent. Manchmal sind die Hustenanfälle so stark, dass es zu Rippen- und Leistenbrüchen oder Bandscheibenvorfällen kommt. Ein plötzlicher Hörverlust oder Schäden an Blutgefäßen sind ebenfalls möglich.

Das alles ist nicht nur für die Betroffenen schlimm, sondern kostet auch eine ganze Menge Geld. Der hartnäckige Husten führt häufig zu Arbeitsausfällen. Ein weiterer Kostenfaktor: Oft werden in Arztpraxen aufwändige Untersuchungen wie etwa Bronchoskopien durchgeführt, bis endlich die Diagnose Keuchhusten feststeht. Alles in allem verschlingt die Behandlung eines einzigen Keuchhusten-Patienten mindestens 540 Euro.

Keuchhusten ist ansteckend

Keuchhusten wird - bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen - durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Die Erkrankung heißt deshalb auch Pertussis. Im Mikroskop sehen die Bordetellen eher harmlos aus - kleine, unbewegliche Stäbchen, die von einer Schleimhülle umgeben sind. Doch die Winzlinge haben es in sich: Sie heften sich mit ihrer klebrigen Oberfläche an die Schleimhäute der Atemwege. Dort vermehren sie sich und setzen Giftstoffe frei, die dann die eigentliche Krankheit auslösen.

Durch Husten, Niesen oder über die Atemluft (Tröpfcheninfektion) wird der Erreger von Mensch zu Mensch weiter getragen. Bordetellen sind hoch ansteckend. 70 bis 80 Prozent der Menschen, die zum ersten Mal mit dem Erreger in Kontakt kommen und nicht durch eine Impfung geschützt sind, werden infiziert und erkranken an Keuchhusten.

Infizierte Erwachsene - Gefahr für Säuglinge

Besonders bedenklich ist, dass die wochenlang hustenden Erwachsenen ihre Erreger an Säuglinge, mit denen sie Kontakt haben, weitergeben können. Das große Problem: Anders als für Erwachsene ist Pertussis für Säuglinge eine wirklich bedrohliche Krankheit. Bei sehr kleinen Kindern, die noch nicht über einen Impfschutz gegen Keuchhusten verfügen, kann die Erkrankung Atemstillstand und bleibende Schäden verursachen oder sogar zum Tode führen.

Die meisten Erwachsenen sind sich nicht bewusst, welche Gefahr sie für Säuglinge und kleine Kinder in ihrer Umgebung darstellen – einfach, weil sie gar nicht auf die Idee kommen, dass sich hinter ihrem hartnäckigen Husten ein Keuchhusten verbergen könnte. Und doch ist es bittere Realität: Erwachsene mit Pertussis sind die Hauptinfektionsquelle für kleine Kinder. "50 bis 70 Prozent der erkrankten Säuglinge werden von ihren Eltern oder Großeltern angesteckt", sagt Professor Wirsing von König vom Institut für Infektiologie Krefeld. Allein in den neuen Bundesländern erkrankten im Jahr 2005 44 Kinder unter einem Jahr an Keuchhusten.

Besonders gefährdet sind Säuglinge, die nicht entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) im ersten Lebensjahr gegen Pertussis geimpft wurden. Doch auch regelmäßig geimpfte Säuglinge haben erst nach der dritten Teilimpfung – also frühestens ab dem fünften Lebensmonat – den vollen Impfschutz gegen Keuchhusten. Davor sind sie den gefährlichen Bordetellen schutzlos ausgeliefert.